Lawine in Andermatt: «Die Rettung kostet schnell 50'000 Franken»
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Lawine in Andermatt«Die Rettung kostet schnell 50'000 Franken»

Gegen 100 Retter waren im Einsatz, nachdem eine Lawine in Andermatt über eine Piste donnerte. Die Kosten sind hoch – und bleiben oft an den Rettern hängen.

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Hier rollt die Lawine über eine Piste in Andermatt UR.

Am Donnerstagmorgen passiert es: Eine Lawine donnert auf eine Skipiste in Andermatt UR und begräbt sechs Menschen unter sich. Zwei von ihnen müssen wegen leichten Verletzungen ins Spital geflogen werden, aber alle überleben.

Was die Lawine ausgelöst hatte, ist noch unklar. Die Fragen, die geklärt werden müssten, seien nicht einfach, sagt die Kantonspolizei Uri einen Tag danach. Sie untersucht auch, ob die Piste den herrschenden Bedingungen nach hätte geöffnet sein sollen: Am Tag des Unglücks war sie das zum ersten Mal überhaupt.

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Im Gebiet Oberalppass/Hinter Felli im Kanton Uri ist am Donnerstagvormittag eine Lawine über eine Piste niedergegangen.

Im Gebiet Oberalppass/Hinter Felli im Kanton Uri ist am Donnerstagvormittag eine Lawine über eine Piste niedergegangen.

Leser-Reporter
Die Lawine ging ungefähr um 10.50 Uhr nieder, sechs Personen wurden verschüttet. Dass eine Lawine über eine Piste rollt, passiert gemäss dem Bundesamt für Unfallverhütung selten.

Die Lawine ging ungefähr um 10.50 Uhr nieder, sechs Personen wurden verschüttet. Dass eine Lawine über eine Piste rollt, passiert gemäss dem Bundesamt für Unfallverhütung selten.

Leser-Reporter
Trotzdem gab es in den letzten Jahren einige Vorfälle: Am Samstag, 16. Februar, löste sich im Skigebiet Mürren-Schilthorn auf einer präparierten Piste eine Lawine und verschüttete diese Teilweise. Personen wurden von den herunterdonnernden Schneemassen keine erwischt.

Trotzdem gab es in den letzten Jahren einige Vorfälle: Am Samstag, 16. Februar, löste sich im Skigebiet Mürren-Schilthorn auf einer präparierten Piste eine Lawine und verschüttete diese Teilweise. Personen wurden von den herunterdonnernden Schneemassen keine erwischt.

Keystone/Christian Beutler

Strafe, falls Lawine durch Verhalten ausgelöst

Es passiere selten, dass eine Lawine auf eine Piste niedergeht, sagt das Bundesamt für Unfallverhütung (BfU) auf Anfrage. Aber obwohl die Pisten zuerst vom Rettungsdienst gesichert würden, könne eine Lawine nicht gänzlich ausgeschlossen werden. Pro Jahr sterben rund 20 Menschen bei Lawinenunfällen, die meisten allerdings ausserhalb der markierten Pisten.

Wer nach einem Lawinenunfall haftet und etwa die Kosten für die Rettung übernehmen muss, kann das BfU nicht allgemein beurteilen. Zur Verantwortung gezogen kann aber werden, «wer durch sein Verhalten eine Lawine auslöst und dadurch andere Personen gefährdet».

Und falls eine Lawine - wie in Andermatt geschehen - auf eine markierte Piste niedergeht, könne dies unter Umständen auch rechtliche Konsequenzen für die Verantwortlichen der Bergbahnen haben. «Die konkreten Umstände sind entscheidend», so das BfU.

Rega bleibt oft auf Kosten sitzen

Koordiniert wurde die gestrige Rettungsaktion von der Rega. An wen sie die Rechnung für ihren Rettungseinsatz sendet, weiss sie laut einem Mediensprecher noch nicht. Er gibt aber an, dass die Rega in vielen Fällen auf den Kosten sitzen bleibe und diese abschreiben müsse. Grundsätzlich bezahlten aber diejenigen Personen, die effektiv gerettet wurden oder deren Versicherungen.

Das kann teuer werden. Wie viel der Einsatz insgesamt kostete, kann der Mediensprecher auf Anfrage nicht beziffern. Da bei einem Lawineneinsatz jede Minute zähle, biete die Rega sofort nicht nur die eigenen Helikopter, sondern auch Hundeführer, SAC-Retter und allenfalls kommerzielle Helikopterunternehmen auf.

Pistenchef von Saas-Fee nimmt Kollegen in Schutz

Albert Hegner, der Pistenchef des Skigebiets Saas-Fee, wo in den Jahren 2011 und 2017 eine Lawine über die Piste rollte, schätzt die Kosten auf einen fünfstelligen Betrag: Der Rettungseinsatz am Donnerstag sei ein grosses Ereignis gewesen, es habe viel Personal gebraucht. Es seien wohl um die hundert Leute im Einsatz gewesen, vermutet er: «Da werden schnell mal 50'000 Franken fällig.»

Hegner nimmt den Andermatter Pistenchef in Schutz: «Als Pistenchef kann man nie garantieren, dass nichts passiert.» Er kenne den äusserst erfahrenen Mann persönlich. Für ihn ist klar: «Man hätte die Lawine von Andermatt nicht verhindern können.»

«Mich beschäftigt, dass oft der Pistenchef beschuldigt wird, er habe nicht genau hingeschaut», sagt Hegner. Die grosse Verantwortung des Pistenchefs werde oft unterschätzt, besonders von den Gästen: «Sie stören sich einfach daran, dass eine Piste nicht offen ist.»

Der Pistenchef von Saas-Fee will niemandem die Schuld geben: «Weder einem Freerider noch einem Pistenchef.»

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