Aktualisiert 25.10.2018 06:42

Stadt Luzern

Die Reuss verkommt zur Güseldeponie

Im wuchernden Seegras in der Reuss mitten in Luzern verfängt sich immer mehr Unrat. Viele Luzerner regen sich darüber auf.

von
mme

«Soo schade!», «müsste echt nicht sein, aber da kann man wohl nie alle Menschen dazu bewegen» und «wird immer schlimmer!»: So lauten Kommentare auf der Gruppe «Du besch vo Lozärn, wenn...» zum vielen Abfall, der derzeit in der Reuss in Luzern schwimmt.

Normalerweise würde dieser wohl flussabwärts gespült, wegen des tiefen Wasserstandes ist die Strömung derzeit aber nur schwach. Und vor allem verfängt sich der Güsel im wuchernden Seegras, welches an vielen Stellen bis an die Wasseroberfläche gewachsen ist. Diese Pflanzen haben sich wegen der heissen Temperaturen während des Sommers stark ausgebreitet.

Sehen Sie in der Bilderstrecke hier und im Video oben, wie grusig sich die Reuss derzeit präsentiert.

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Die Reuss vermüllt zusehends, weil sich immer mehr Güsel im wuchernden Seegras verfängt.

Die Reuss vermüllt zusehends, weil sich immer mehr Güsel im wuchernden Seegras verfängt.

mme
Die schwimmenden Güselhalden sind an einigen Stellen in der Reuss anzutreffen.

Die schwimmenden Güselhalden sind an einigen Stellen in der Reuss anzutreffen.

mme
Unter der Egg ist es besonders krass. Flaschen, Dosen, Kleinmüll und sogar ein Plüschherz treiben im Fluss.

Unter der Egg ist es besonders krass. Flaschen, Dosen, Kleinmüll und sogar ein Plüschherz treiben im Fluss.

mme

Gefährlich für Tiere

Der Güsel widert nicht nur Touristen und Einheimische an, er ist auch gefährlich für Tiere: «Ein Vogel könnte den Abfall für Nahrung halten und ihn fressen. Der Abfall kann nicht verdaut werden, das kann für das Tier tödlich sein», sagte Livio Rey, Sprecher der Vogelwarte Sempach.

«Das ist einfach bedenklich»

Der Stadtverwaltung ist das Problem bekannt. David Cathomas, Leiter Siedlungsentwässerung: «Es stimmt mich nachdenklich, dass zunehmend mehr Leute ihren Güsel einfach in die Reuss werfen. Ob dieser sich im hohen Seegras, weiter unten im Wehr oder am Reussufer verfängt oder letztlich sogar bis ins Meer getrieben wird, spielt gar keine Rolle.»

Man könne weiter die Reuss entlanglaufen, weiter unten am Ufer sehe man genau das gleiche Phänomen. Am schlimmsten sei es beim KKL. «Dort trinken sie ihre Flaschen und Dosen und werfen diese einfach ins Gewässer. Dort bleibt es dann liegen.»

Stadt reagiert nicht sofort

Auf das aktuell sichtbarste Problem mit den vielen Seegras-Güselhalden reagiert die Siedlungsentwässerung aber nicht umgehend: «Wir können nicht mit dem Boot ständig dem Müll hinterherfahren, das geht nicht», sagt Cathomas. Das See- wie auch das Reuss-Ufer würden aber regelmässig gereinigt.

Bis auf Weiteres also werden sich wohl auch viele Touristen wundern, wieso die Reuss so stark verunreinigt ist – wo doch sonst stets die Sauberkeit der Schweiz gepriesen wird. Cathomas sagt: «Es ist gut, dass die Bevölkerung darauf sensibilisiert wird, ihren Güsel doch korrekt zu entsorgen.»

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