Aktualisiert 09.10.2012 09:19

Frauen-QuoteDie Revolution der Röcke

30 Prozent Frauen in der Chefetage, und das per Gesetz - das fordert die Frauenzeitschrift «Annabelle». Über 200 Persönlichkeiten aus Wirtschaft und Kultur unterstützen das Anliegen.

von
cat

Es ist weder ein Topmodel noch ein Hollywoodstar, der das Cover der aktuellen «Annabelle» ziert. Eine Frau, die an Coco Chanel erinnert, und selbstsicher, aber auch ein bisschen keck an der Linse vorbeischaut. Die Rede ist von Mabel Zuppinger, die die Frauenzeitschrift einst erfand. Genauso wie Chanel war sie ihrer Zeit voraus – und setzte sich in einer von Männern dominierten Welt gegen alle Widerstände durch. «Manchmal braucht es nur eine Frau, um die Schweiz zu verändern. Manchmal 30 Prozent», titelt die «Annabelle».

Denn auch wenn sich seit den 1930er Jahren so einiges verändert hat – der Frauenanteil in Führungspositionen ist in der Schweiz noch immer überschaubar. Laut «Annabelle» sind gerade mal elf Prozent der Verwaltungsräte, fünf Prozent der Geschäftsleitungen und drei Prozent der CEOs weiblich. Diese Zahlen sind seit Jahren statisch – obwohl mittlerweile mehr Frauen als Männer über einen akademischen Grad verfügen, und sogar mit besseren Noten abschliessen.

Fünf Jahre für den Wandel

Was also tun? Die Zeitschrift sieht die Lösung in einer gesetzlich festgelegten Quote: 30 Prozent Frauen in der operativen Unternehmungsführung für Betriebe mit mindestens 200 Mitarbeitenden – befristet auf fünf Jahre. «Wir sind der Meinung, dass es nach dieser Zeitspanne genügend weibliche Vorbilder und Türöffnerinnen geben wird, damit die Frauen auch ohne gesetzliche Krücken in die Chefetagen kommen», schreibt «Annabelle»-Redaktorin Barbara Achermann.

200 Persönlichkeiten aus Kultur und Wirtschaft unterstützen die Forderung nach der Quote. Eine davon ist Schriftstellerin Sybille Berg. Sie bringt die Idee hinter der Aktion auf den Punkt: «Vor nicht allzu langer Zeit mussten Frauenwahlrecht und der Zugang von Frauen zum Studium gesetzlich festgelegt werden. Mitunter braucht die Vernunft des Menschen einen kleinen gesetzlichen Anstoss, ehe sie sich durchsetzen kann», lässt sich Berg zitieren.

Annabelle-Shooting mit Barbara Skaro

Ihre Stimme ist gefragt

Doch nicht alle angefragten Meinungsmacher wollten das Anliegen unterstützen. Regisseur Michael Steiner etwa. «Anstelle eines weiteren regulativen Gesetzes wäre es klüger, der Staat würde Krippenplätze gratis anbieten und alle Schulen zu Tagesschulen machen», sagt er. Fehlende Betreuungsplätze seien in seinem Umfeld der Grund, weshalb die Karrieren von Frauen gestoppt würden, ehe sie überhaupt beginnen.

Egal, welchem «Lager» man angehört – die Anheizung der Diskussion ist richtig und wichtig. Denn dass es mehr Frauen in Kaderpositionen geben sollte, ist wohl unumstritten.

Was halten Sie von der «Annabelle-Quote»? Würden Sie ein derartiges Gesetz befürworten? Sagen Sie uns Ihre Meinung im Talkback.

Wer die Initiative unterstützen will, kann das auf der Website der Zeitschrift tun.

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