Aktualisiert 09.10.2012 11:39

Sprung aus dem AllDie riskante Suche nach dem Knall

Heute will der Extremsportler Felix Baumgartner die Schallmauer durchbrechen – im freien Fall. Aus einer Höhe von 36 Kilometern. Wir berichten live.

von
bee

Der Countdown zum Rekordsprung des Extremsportlers Felix Baumgartner läuft: An diesem Dienstag will der 43 Jahre alte Österreicher aus einer Höhe von 36 Kilometern aus einem Ballon springen und als erster Mensch nur im freien Fall - ohne Flugzeug oder Rakete - die Schallmauer durchbrechen. Nachdem der Sprung vergangenen Montag wegen zu starken Windes nicht stattfinden konnte, scheinen die Verhältnisse am Dienstag günstig zu sein. Der Wetterexperte des Teams, Don Day, legte das potenzielle Zeitfenster für den Ballonstart mit 14.30 bis 17.00 Uhr mitteleuropäische Sommerzeit fest, wie das Team des Extremsportlers mitteilte.

Die letzten Vorbereitungen am Montag in Roswell im US-Bundesstaat New Mexiko sahen leichtes Training, Schlaf und viel Ruhe vor. «Die meiste Angst werde ich wohl haben, wenn ich einige Stunden vor dem Start der Vorbereitungen versuchen werde, noch etwas Schlaf zu bekommen, es um mich herum ruhig ist und ich mit meinen Gedanken alleine bin», sagte Baumgartner.

Sobald der Tag des Sprungs beginne, sei allerdings wieder so viel zu tun, dass er abgelenkt sei. Eigentlich sollte der Sprung bereits am Montag stattfinden. Wegen einer Schlechtwetterfront wurde er aber auf Dienstag verschoben.

Drei Rekorde auf einmal

Der 43-Jährige will neben dem Durchbrechen der Schallmauer und dem höchsten Fallschirmsprung gleich noch zwei weitere Rekorde brechen: Die höchste Ballonfahrt mit gut 36 500 Metern und der längste freie Fall - fünfeinhalb Minuten soll er ungebremst zur Erde rasen.

Mit einem leichten Ausdauertraining startete der Salzburger in den Tag vor dem Rekordversuch. Danach stand Ausruhen im Hotel an. Falls Baumgartner allerdings nicht schlafen kann, stehen seine Familie und enge Freunde bereit.

Auch für Spässe bleibt wohl noch genug Zeit: Auf seiner Facebook-Seite veröffentliche er ein Foto mit seiner Mutter, die seinen Helm für die Mission trägt: «Sie schaut ziemlich cool darin aus. Findet ihr nicht?»

Lebensgefährliche Blähungen

Am frühen Abend stand das gemeinsame Essen mit seinem Team auf dem Programm. Allerdings muss der 43-Jährige kurz vor seinem Rekordversuch besonders auf die Ernährung achten: Blähendes Essen kann beim Sprung aus der Stratosphäre wegen der Druckverhältnisse lebensgefährlich sein.

Etwa fünf Stunden vor dem Start wird Baumgartner wieder aufstehen, um sich vorzubereiten. «Wenn ich bereit sein muss, bin ich immer bereit», sagt Baumgartner. Nach einigen Besprechungen geht es für den Sportler zu einem letzten medizinischem Check.

Druckanzug und reiner Sauerstoff

Zwei Stunden vor dem Aufstieg in einem Heliumballon auf eine Höhe von 36 Kilometer zieht Baumgartner seinen Druckanzug an. Ausserdem atmet er in dieser Zeit reinen Sauerstoff ein, um den Stickstoff aus dem Blut zu bekommen. 30 Minuten vor dem Abflug wird er in seine Kapsel geschnallt und wartet den Countdown ab.

Sollte beim halsbrecherischen Versuch trotz der fünf Jahre langen Vorbereitung etwas schiefgehen, steht die medizinische Versorgung sofort bereit. Während der gesamten Mission hat Baumgartner sieben Ärzte zur Verfügung.

Gefährliches Experiment

Sowohl am Boden als auch in einem Helikopter in der Luft. Die umliegenden Spitäler sind ausserdem über den Sprung informiert und haben Druckkammern, die für die Behandlung von Dekompressionskrankheiten bestimmt sind, für Baumgartner vorbereitet.

Denn Baumgartners Vorhaben ist sehr gefährlich: Erblindung, Genickbruch, Blutgerinnsel oder Ohnmacht könnten dabei auftreten und für den 43-Jährigen zu einem fatalen Ende führen. Baumgartner hat angekündigt, dass der Sprung aus der Stratosphäre sein letzter sein soll.

20 Minuten Online berichtet am Nachmittag live über das spektakuläre Vorhaben.

Das Interesse an der Aktion scheint in Roswell selbst nicht gross zu sein:

Der Countdown läuft:

Der Video-Beitrag von Red Bull über Felix Baumgartners zweiten Testflug vom 25. Juli 2012:

Felix Baumgartner nach der Landung seines ersten Testsprungs:

Der vernünftigste Verrückte der Welt

«Daredevil» nennt man Menschen wie Felix Baumgartner in den USA, was für Draufgänger, Heisssporn oder eben Teufelskerl steht. In der Tat liest sich die Biografie des Österreichers wie die eines Mannes, der sich für unverwundbar hält.

«Ich mag das Abenteuer. Aber ich bin keiner, der den Kick sucht», sagte er vor zweieinhalb Jahren der Nachrichtenagentur dpa. Damals stelle er in New York das Projekt vor, dass jetzt Wirklichkeit werden könnte: Das Durchbrechen der Schallmauer im freien Fall, ohne jedes Fluggerät.

Der Salzburger lernte beim österreichischen Bundesheer, wie man komplizierte Absprünge macht. Doch was danach kam, wird in keiner Armee der Welt trainiert: Er sprang von der Christusstatue in Rio de Janeiro und vom Petronas Twin Tower in Kuala Lumpur - jeweils der niedrigste und der höchste der sogenannten BASE-Jumps.

Kaum ein hohes Gebäude, auf das es ihn nicht treibt. Und kaum eine Polizei, die ihn deshalb nicht wegen groben Unfugs oder anderer Vorwürfe festnehmen wollte. Allerdings gilt Baumgartner auch als einer, der höchsten Wert auf Sicherheit legt. Das Risiko soll berechenbar bleiben.

Sein bislang spektakulärstes Projekt war 2003 das Überfliegen des Ärmelkanals - im freien Fall. Zwei Meter breite Kunststoffflügel auf seinem Rücken halfen ihm, die Dutzenden Kilometer zurückzulegen.

Der geplante Sprung aus 36 Kilometern Höhe ist um ein Vielfaches gefährlicher. «Da ist durchaus auch Furcht, wie vor jedem Absprung», hatte Baumgartner gesagt. «Aber Springen ist mein Leben und von diesem, genau diesem Sprung habe ich mein Leben lang geträumt. Die Furcht ist deshalb kein Hindernis, sie sorgt nur dafür, dass wir es richtig machen.» (SDA)

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