Aktualisiert 05.04.2007 06:51

Die Roma nicht zu bremsen - Chelsea enttäuschte

Für Manchester United und Chelsea präsentiert sich die Ausgangslage nach dem Hinspiel der Champions-League-Viertelfinals unterschiedlich: Während ManU in Rom 1:2 unterlag, musste sich Chelsea zuhause gegen Valencia mit einem 1:1 begnügen.

Die AS Roma ist in der Champions League derzeit nicht zu stoppen. Sechs Minuten nach Wayne Rooneys Ausgleich für das wegen einer gelb-roten Karte personell früh dezimierte ManU traf der Montenegriner Mirko Vucinic zum 2:1. Damit dürfen die Römer weiter von der erstmaligen Halbfinal-Teilnahme träumen.

Im zweiten Viertelfinal auf höchster europäischer Ebene erreichte Chelsea gegen Valencia nur ein 1:1-Remis. Dem Traumtor von David Silva (30.) liess Liga-Topskorer Didier kurz nach der Halbzeit mit einem Kopfball den einzigen Treffer des enttäuschenden englischen Champions folgen.

Noch besteht aber theoretisch die Möglichkeit, dass erstmals drei englische Teams die Runde der letzten vier erreichen. Am Dienstagabend hatte Liverpool in Eindhoven 3:0 gewonnen.

Rückschlag für Chelsea

Ein 1:1 gegen die Nummer 4 aus dem spanischen Championat ist aus Sicht der teuersten Mannschaft der Premier League zweifelsfrei als Rückschlag zu werten. Vom Sieg in der europäischen Königsklasse träumt Roman Abramowitsch seit Jahren. Hunderte von Millionen Pfund hat der russische Oligarch deshalb bereits in den Londoner Klub investiert. Nach dem Hinspiel sind zumindest Zweifel angebracht, ob die «Chelskis» ein erneutes frühzeitiges Scheitern vermeiden können.

Bei Chelsea sind ausschliesslich Multimillionäre engagiert. Und doch ist am Ende immer wieder vom gleichen Star die Rede: Didier Drogba. Der Liga-Topskorer (18 Tore) verhinderte mit seinem sechsten Europacup-Treffer eine noch ungemütlichere Ausgangslage. In der 53. Minute kam dem Stürmer von der Elfenbeinküste zupass, dass der argentinische Routinier Roberto Ayala ein weites Zuspiel ebenso falsch einschätzte wie sein mässiger Goalie Santiago Canizares.

Eine Viertelstunde vor Schluss spielte José Mourinho im Angesicht der Enttäuschung zwei weitere Offensiv-Joker. Joe Cole, der lange verletzt fehlte, und Flügel-Sprinter Shaun Wright- Phillips traten ein. Bewirkt hat das Duo vor 42 000 Zuschauern indes wenig. Valencia liess sich von der gebündelten Offensivkraft des englischen Meisters nicht einmal im Ansatz beeindrucken.

Silvas Traumtor

Der erste Schuss von David Silva war gleich ein goldener. Tief im Mittelfeld übernahm der 21-Jährige den Ball. Auf Widerstand stiess der Spanier dabei verblüffenderweise nicht. Ausser Roman Cech reagierte keiner der Blues. Doch auch der tschechische Keeper musste vor dem wunderbar platzierten Weitschuss kapitulieren. Das 1:0 nach einer halben Stunde passte zum starken Auftritt der Gäste.

Im Vorfeld der Partie konzentrierten sich vor allem die spanischen Kommentatoren und vereinzelt auch Professionals Valencias auf Nebenschauplätze - eigentlich wie immer vor prestigeträchtigen Duellen zwischen Vertretern aus der Premier League und der Primera Division. Die «Marca» verbreitete das Gerücht, der Gast habe an der Stamford Bridge «in einem Rattenloch» zu hausen.

«Zwei Spiegel und zehn Duschen» zählte José Mourinho bei einer Stippvisite in der Gästekabine und entzog den medialen Giftmischern damit frühzeitig die Grundlage. 24 Stunden später fiel es dem portugiesischen Coach wesentlich schwerer, den (sportlichen) Herausforderern mit dem adäquaten Rezept zu begegnen. Ausser Salomon Kalou, der früh einen Ball ans Lattenkreuz drehte, und später Drogba genügte in der Gesamtbilanz keiner der Prominenz höheren Champions-League-Ansprüchen.

Michael Ballack blieb im ungewohnten linken Couloir (und in den letzten 15 Minuten im Zentrum) ohne Impulse und sein Mittelfeld- Partner Frank Lampard produzierte keine spielerischen Highlights. Und in der vordersten Reihe war nur eine «schlechte Kopie» des früheren Milan-Stars Andrej Schewtschenko zu sehen. Drogba hatte sich vor und nach dem Ausgleich ebenfalls ausnahmslos für die falsche Abschlussvariante entschieden.

Valencia brillierte im Stadion des englische Champions mit einer perfekten Raumaufteilung und einem ungemein variablen Stil. Erst in den letzten 20 Minuten gerieten die Spanier unter Druck - in erster Linie deshalb, weil Canizares kaum eine Flanke im ersten Anlauf zu fassen bekam und so mehrfach unübersichtliche Situationen im eigenen Strafraum verursachte.

(Zu) geringer Ertrag für die Römer

Die AS Roma hat sich im Heimspiel der Viertelfinals der Champions League einen knappen Vorteil verschafft. Dank der Tore von Taddei (44.) und des eingewechselten Mirko Vucinic (66.) siegte sie gegen Manchester United 2:1. Das wichtige Auswärtstor von ManU schoss Wayne Rooney (60.)

Ab der 34. Minute und dem Platzverweis gegen Paul Scholes wegen wiederholten Foulspiels stand Manchester nur noch zu zehnt auf dem Rasen. Doch erst nachdem den dezimierten Engländern völlig überraschend durch Wayne Rooney der Ausgleich gelungen war (60.) - der Stürmer traf nach einem sehenswerten Konter über Cristiano Ronaldo und Ole Gunnar Solskjär - sah sich Romas Trainer Luciano Spalletti genötigt, seinem Captain Francesco Totti einen zweiten Stürmer zur Seite zu stellen. Und der Montenegriner Mirko Vucinic wurde prompt zum Matchwinner. Einen wuchtigen Schuss Mancinis hatte ManU-Torhüter Edwin van der Sar nur nach vorne abwehren können, und Vucinic traf im Nachschuss aus zehn Metern zum 2:1.

Wegen des Gegentores auf dem eigenen Platz ist die Ausgangslage für die Römer «nur» gut, aber nicht optimal. Eine 0:1-Niederlage im Rückspiel in England würde das Ende der Champions-League-Träume bedeuten. Aber den Vorsprung zur «Halbzeit» des Duells verdiente sich die Roma allemal. Der Squadra aus der «Ewigen Stadt» wird nicht einfach so nachgesagt, sie spiele den schönsten Fussball auf dem Stiefel. Jederzeit war das Team bemüht, den 75 000 Fans im Stadion schnellen Angriffsfussball zu bieten. Und die Vorteile erarbeiteten sich die «Giallorossi» nicht nur wegen der Überzahl während fast einer Stunde. Von Beginn weg waren sie - wie es sich für das Heimteam gehört - aktiver als Manchester United, das enttäuschend wenig bot und trotz minimalem Aufwand mit der knappen Niederlage und dem wichtigen Auswärtstor zu fast maximaler Ausbeute kam.

Starke Römer Anfangsphase

Besonders beeindruckend war der Start der AS Roma gewesen. Im ersten Champions-League-Viertelfinal der Vereinsgeschichte schien das Team keine Zeit verlieren zu wollen, um auf der grossen Bühne europaweit für Aufsehen zu sorgen. Nach elf Sekunden kamen die Italiener zum ersten Corner, noch vor Ablauf der ersten Minute gab es zwei Torschüsse und nach fünf Minuten durch einen Freistoss von Christian Chivu aus 25 Metern die erste grosse Chance. Angetrieben von Captain Francesco Totti, der Sturmspitze und Ideengeber in Einem war, und den agilen Flügelspieler Mancini und Christian Wilhelmsson waren die Römer gewillt, den prominenten Gegner in der Startphase zu überrollen.

Doch nach rund einer Viertelstunde gelang es Manchester den Sturmlauf der Roma zu abzufangen. Der gelb-rote Orkan, der durch die Platzhälfte der Engländer fegte, legte sich so schnell, wie er nach dem Anpfiff aufgetreten war; aber so richtig beängstigen hatten die Römer ihre Widersacher auch in der Startphase nicht können. Zwar blieben die Italiener auch in der Folge mehr in Ballbesitz, doch zu Torchancen kamen sie kaum; einzig bei stehenden Bällen war die Defensive von ManU zu beunruhigen.

Was bei Manchester, dem souveränen Leader der Premier League vor allem auffiel, war die mangelnde Kreativität der Mittelreihe. Dank viel Laufarbeit konnte ManU zwar die Angriffsbemühungen der Römer ersticken oder auf die Seite drängen, doch nach vorne hatten die Engländer kaum Ideen. Und nach dem frühen Platzverweis gegen Paul Scholes waren auch die Flügel Ryan Giggs und Cristiano Ronaldo (er nun vermehrt in der Mitte) vorab mit Defensivaufgaben aus- und überlastet. Und Rooney? der Ausnahmestürmer war kaum gesehen. Die Innenverteidiger Mexès und Chivu kontrollierten ihn fast ohne Probleme. Bis Rooney in der 60. Minute doch einmal im gegnerischen Strafraum an den Ball kam - und zum 1:1 traf. Mehr hatten die rund 5000 mitgereisten britischen Fans von ihm auch kaum verlangt.

Champions League, Viertelfinals, Hinspiele (20.45 Uhr)

AS Roma - ManU 2:1 (1:0)

Olimpico. - 75 000 Zuschauer (ausverkauft). - SR Fandel (De)

Tore: 44. Taddei 1:0. 60. Rooney 1:1. 66. Vucinic 2:1.

Roma: Doni; Cassetti, Mexès, Chivu, Panucci; De Rossi; Wilhelmsson (62. Vucinic), Taddei (82. Rosi), Perrotta, Mancini; Totti.

ManU: Van der Sar; Brown, O'Shea, Ferdinand, Heinze; Cristiano Ronaldo, Carrick, Scholes, Giggs (77. Saha); Rooney, Solskjär (72. Fletcher).

Bemerkungen: AS Roma ohne Pizarro (gesperrt) sowie Tonetto und Aquilani (beide verletzt), Manchester United ohne Gary Neville und Vidic (beide verletzt). 34. Gelb-Rote Karte gegen Scholes wegen wiederholten Foulspiels. Verwarnungen: 26. Scholes (Foul). 42. Perrotta (Unsportlichkeit/»Schwalbe»). 70. Solskjär (Foul).

Chelsea - Valencia 1:1 (0:1)

Stamford Bridge. - 42 360 Zuschauer (ausverkauft). - SR De Bleeckere (Be)

Tore: 30. Silva 0:1. 52. Drogba 1:1.

Chelsea: Cech; Diarra, Carvalho, Terry, Ashley Cole; Mikel (74. Joe Cole); Ballack, Lampard, Kalou (75. Wright-Phillips); Schewtschenko, Drogba.

Valencia: Canizares; Miguel, Ayala, Moretti, Del Horno; Joaquin (87. Viana), Albiol, Albelda, Vicente (58. Angulo); Silva; Villa (93. Lopéz).

Bemerkungen: Chelsea ohne Robben, Essien (beide verletzt), Valencia ohne Marchena, Navarro (beide gesperrt), Baraja, Morientes (beide verletzt). 10. Schuss von Kalou ans Lattenkreuz. Verwarnungen: 35. Silva (Unsportlichkeit), 44. Albelda, 45. Drogba, 72. Ayala, 86. Diarra (alle Foul). (si)

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