Aktualisiert 24.02.2011 15:29

«Time-out»: Vor den Playoffs

Die Rückkehr der «Big Bad Bears»

Der SC Bern und die SCL Tigers zelebrieren bernische Eishockey-Festspiele. Aber die grosse Playoff-Party wird früher zu Ende sein als die Langnauer denken.

von
Klaus Zaugg
Die grossen, bösen Bären sind rechtzeitig vor den Playoffs erwacht.

Die grossen, bösen Bären sind rechtzeitig vor den Playoffs erwacht.

Die SCL Tigers spielten in der Qualifikation erstmals seit dem Wiederaufstieg von 1998 auf Augenhöhe mit dem SC Bern: Sie gewannen zwei von vier Direktbegegnungen. Aber was im September, November oder Dezember war, zählt Ende Februar nicht mehr.

Würden die Langnauer mit der Präzision, der Härte, dem Tempo und dem Selbstvertrauen des Oktobers, Novembers und Dezembers schalten und walten, und der Meister mit der Arroganz des letzten Herbstes: Ja, dann gäbe es eine ausgeglichene Serie. Aber seit der Playoffqualifikation der Tiger am 20. Januar («Green Day») ist nicht nur das Wetter zeitweise wärmer geworden. Einerseits haben die Tiger seither nie mehr dauerhaft ihr bestes Hockey gespielt. Und andererseits ist es SCB-Trainer Larry Huras gelungen, die grosse, mächtige Hockeymaschine SC Bern endlich zu justieren.

Die «Big Bad Bears» sind zurück

Die Stadtberner sind in den letzten vier Partien der Qualifikation (Kloten 6:1, SCL Tigers 5:1, Zug 2:1 und ZSC 4:1) wieder zu meisterlichen «Big Bad Bears» geworden. Zu einer Mannschaft, die vierspännig - also mit vier Linien - über den Gegner hinwegrollt. Sage mir, ob Marc Reichert zu arbeiten geruht, und ich sage dir, wie es um den SCB steht: In den letzten drei Partien hat Reichert fünf Skorerpunkte erarbeitet - und zuvor waren es in 47 Spielen 16 gewesen. Nichts dokumentiert die Rückkehr zum wuchtigen Rumpelhockey besser als diese Steigerung des hüftsteifen Haudegens aus Burgdorf. Und weil der SCB Wasserverdrängung und Einschüchterungspotenzial mit Tempo, Technik und Intelligenz kombiniert, haben die SCL Tigers keine Chance.

Ein wenig mahnt die sportliche Ausgangslage an das Viertelfinale beim Australien Open. Stanislas Wawrinka hatte Andy Roddick eliminiert und durfte gegen Roger Federer antreten. Die Aufregung war umsonst und Wawrinka chancenlos: 1:6, 3:6 und 3:6. Die SCL Tigers sind gegen den SCB so Aussenseiter wie es Wawrinka gegen Federer war. Es fehlt nicht an warnenden Stimmen für den himmelhohen Favoriten und an aufmunternden Worten für den Aussenseiter. Ein Unterschätzen der Langnauer wäre die Voraussetzung für eine Sensation. Aber diese Gefahr ist gering. Der SCB ist in den letzten fünf Jahren dreimal als Qualfikationssieger in der ersten Runde gescheitert. Niemand weiss besser als die Stadtberner, dass die Playoffs kein Leben auf einer Pony-Ranch sind.

Playoffs sind kein Abstiegskampf

Die SCL Tigers sind zwar playout-gestählt wie keine andere Mannschaft dieser Liga. Aber diese Erfahrung hilft jetzt wenig. Weil die ersten innerbernischen Playoffs der Geschichte ganz andere und stärkere Emotionen entfachen als der Abstiegskampf. Es ist eine rauschende Party und die Langnauer werden aufgeregt sein wie ein Dienstbote vom Katzengrat, der erstmals zu einer Party von Michelle Hunziker eingeladen worden ist. Zu viele Erwartungen und positive Emotionen können die Vorbereitung ebenso stören wie zu viel Druck.

Die Viertelfinals zwischen dem SC Bern und den SCL Tigers werden ein rauschendes Fest sein. Aber mehr durch das Drumherum als durch den sportlichen Gehalt. Nach spätestens fünf Spielen ist die Party vorbei und die SCL Tigers dürfen in die wohlverdienten Ferien reisen.

Mein Tipp: SC Bern - SCL Tigers 4:1

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