Aktualisiert 11.01.2010 08:42

Xenical Reloaded

Die Rückkehr der Diätpille

Exakt zum Start des neuen Jahres lanciert die Pharmaindustrie in der Schweiz eine neue Diätpille. Damit trifft sie genau den Nerv der Bevölkerung, denn Abnehmen ist der Neujahrsvorsatz Nummer 1. Der rezeptfreie Schlankmacher könnte den Apotheken Millionen bescheren.

von
Sandro Spaeth

Das kennen wir alle: An Weihnachten zu viel gefuttert, an Silvester im Überfluss getrunken und schliesslich den Vorsatz gefasst, es künftig besser zu machen. Da kommt eine neue Diätpille gerade richtig. Genau davon versucht auch der Medikamentenhersteller Glaxo Smith Kline (GSK) zu profitieren: Seit dieser Woche ist im Handel das Abmagerungs-Präparat Alli erhältlich.

Idealer Einführungszeitpunkt

Für die Schweiz zugelassen wurde das Präparat bereits im letzen Jahr, gelangte aber nicht sofort in den Handel. «Die Einführung des Präparates konnte aus logistischen Gründen erst im Januar dieses Jahres erfolgen», begründet Beat Schori von der Herstellerfirma GSK. Er gibt aber zu: «Der Januar ist ein guter Einführungszeitpunkt, weil der eine oder andere sich fürs neue Jahr Abnehmen zum Vorsatz genommen hat.»

Geschätzter Markt: 140 Milliarden Dollar

In der Schweiz sind laut der neusten Erhebung des Bundesamts für Statisktik 38 Prozent der Bevölkerung von Übergewicht betroffen. Besonders dramatisch ist die Zunahme von übergewichtigen Jungendlichen: Im Vergleich zu 2001 waren 2006 in der Schweiz über ein Viertel der 15-jährigen Mädchen fettleibig, besagt eine OECD-Studie. International ist das Problem gar noch dramatischer. Kein Wunder, ist der Markt für Medikamente zur Behandlung von Übergewicht und damit verbundenen Problemen gross. Die Ratingagentur S&P schätzt ihn aktuell auf 70 Mia. Dollar. Bis ins Jahr 2020 soll er sich gar verdoppeln.

Nicht nur Blähungen…

1998 lancierte die Schweizer Firma Roche mit Xenical (Wirkstoff Orlistat) eines der bekanntesten Medikamente gegen Fettleibigkeit. Das Mittel hemmt fettzerlegende Enzyme im Magen-Darm-Trakt und verringert damit die Kalorienaufnahme im Körper. Der Umsatz mit Xenical ist aber rückläufig, doch immerhin setzte Roche mit dem Präparat 2008 weltweit noch mehr als 450 Mio. Dollar um.

Mit dem Wirkstoff Orlistat funktioniert auch die Diätpille Alli. Weil sie aber nur rund die Hälfte der Dosierung von Xenial enthält, gibt's die Pille ohne Verschreibung eines Arztes. Orlistat ist aber nicht unproblematisch: Häufig leiden Patienten unter Blähungen, öligem Stuhl oder es kommt gar zu ungewolltem Abgang von Stuhl. Trotzdem wurde Alli in den USA zum Erfolg und rangiert seit seiner Lancierung 2007 auf Platz 3 der rezeptfrei verkauften Medikamente.

Werbung als wichtiger Faktor

«Das Präparat könnte hierzulande den Durchbruch schaffen, weil es die erste rezeptfreie Diätpille auf dem Markt ist», sagt Gregor Pfister von der Pharma-Marktforschungsfirma IMS Health. Zudem sei das Präparat mit täglichen Behandlungskosten von rund 3.50 Franken nicht sehr teuer. «Gute Vitamintabletten kosten durchschnittliche etwa 1 Franken pro Stück», so Pfister.

Als wichtiger Faktor für den Durchbruch von Alli könnte sich eine Werbekampagne mit TV-Spots erweisen, denn rezeptfreie Medikamente dürfen in der Schweiz beworben werden. Pfister: «Eine Kampagne hilft bei der Markenbildung enorm». Wie viel Geld GSK für das Bekanntmachen von Alli ausgibt, will die Herstellerfirma nicht bekanntgeben.

Wird Alli in der Schweiz nun zum Millionenseller? «Eher nicht, denn es ist keine Wunderpille», so Maktforscher Pfister, und sie werde auch nicht als solche angepriesen. Weil Alli aber freier erhältlich sei als beispielsweise Xenical, würden es auch mehr Leute ausprobieren.

Kritik von Fachleuten

Fachleute kritisieren, dass Alli rezeptfrei erhältlich ist. Übergewichtige sollten sich beim Abnehmen von einem Arzt oder einem Ernährungsberater begleiten lassen - die Pille im Alleingang zu schlucken verpreche keinen dauerhaften Erfolg. Zudem ist die Wirkung des Schlankheitsmittels bescheiden: Laut Studien haben Testpersonen dank Alli in sechs Monaten nur gerade 2,5 Kilo abgenommen.

Trotz rezeptfreier Verfügbarkeit hat der Erwerb von Alli einen (scheinbaren) Haken. Die Zulassungsbehörde Swissmedic hat als Zielgruppe Personen mit einem einen Body-Mass-Index (BMI) von 28 oder höher festgelegt. Beat Schori von der Herstellerfirma GSK: «Im Rahmen eines Beratungsgespräches wird das Apothekenpersonal Körpergrösse und Gewicht des Kunden abfragen und so feststellen, ob der BMI im entsprechenden Bereich liegt.» Wie der Test von 20 Minuten Online ergeben hat, wird in der Apotheke tatsächlich nachgefragt. Die Abgabe wurde dem normalgewichtigen Reporter aber nicht verweigert: «Wir können nur aufklären, die Abgabe eines rezeptfreien Medikamentes können wir nicht verhindern», so ein Apotheker.

Trotz rezeptfreier Verfügbarkeit hat der Erwerb von Alli einen (scheinbaren) Haken. Die Zulassungsbehörde Swissmedic hat als Zielgruppe Personen mit einem einen Body-Mass-Index (BMI) von 28 oder höher festgelegt. Beat Schori von der Herstellerfirma GSK: «Im Rahmen eines Beratungsgespräches wird das Apothekenpersonal Körpergrösse und Gewicht des Kunden abfragen und so feststellen, ob der BMI im entsprechenden Bereich liegt.» Wie der Test von 20 Minuten Online ergeben hat, wird in der Apotheke tatsächlich nachgefragt. Die Abgabe wurde dem normalgewichtigen Reporter aber nicht verweigert: «Wir können nur aufklären, die Abgabe eines rezeptfreien Medikamentes können wir nicht verhindern», so ein Apotheker.

Trotz rezeptfreier Verfügbarkeit hat der Erwerb von Alli einen (scheinbaren) Haken. Die Zulassungsbehörde Swissmedic hat als Zielgruppe Personen mit einem einen Body-Mass-Index (BMI) von 28 oder höher festgelegt. Beat Schori von der Herstellerfirma GSK: «Im Rahmen eines Beratungsgespräches wird das Apothekenpersonal Körpergrösse und Gewicht des Kunden abfragen und so feststellen, ob der BMI im entsprechenden Bereich liegt.» Wie der Test von 20 Minuten Online ergeben hat, wird in der Apotheke tatsächlich nachgefragt. Die Abgabe wurde dem normalgewichtigen Reporter aber nicht verweigert: «Wir können nur aufklären, die Abgabe eines rezeptfreien Medikamentes können wir nicht verhindern», so ein Apotheker.

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