Frischer Wind - Die Rückkehr der Frachtsegler
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Frischer WindDie Rückkehr der Frachtsegler

Die kommerzielle Schifffahrt ist für zwei Prozent der CO2-Emissionen verantwortlich. Umweltbewusste Schifffahrtsunternehmen suchen nach Alternativen – und wurden in der historischen Seefahrt fündig. Nun bauen sie auch neue Frachtsegler.

von
Jan Graber
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Brandneuer Frachtsegler: Die «Oceanbird» soll dereinst bis zu 7000 Autos transportieren.

Brandneuer Frachtsegler: Die «Oceanbird» soll dereinst bis zu 7000 Autos transportieren.

Wallenius Marine
Die flügelartigen Segel der «Oceanbird» lassen sich wie Teleskope ausfahren und einziehen, was auch die Fahrt unter Brücken durch ermöglicht.

Die flügelartigen Segel der «Oceanbird» lassen sich wie Teleskope ausfahren und einziehen, was auch die Fahrt unter Brücken durch ermöglicht.

Wallenius Marine
Die im Bau befindliche «WASP» von Dykstra ergänzt den klassischen Motorantrieb mit Segeln. Die Masten dienen gleichzeitig als Krane fürs Be- und Entladen.

Die im Bau befindliche «WASP» von Dykstra ergänzt den klassischen Motorantrieb mit Segeln. Die Masten dienen gleichzeitig als Krane fürs Be- und Entladen.

Dykstra

Darum gehts

  • Die kommerzielle Schifffahrt ist für zwei Prozent der CO2-Emissionen verantwortlich.

  • Die grossen Containerschiffe sind regelrechte Dreckschleudern.

  • Mehrere Schifffahrtsgesellschaften wollen deshalb dem Transport mit Segelschiffen neues Leben einhauchen.

  • Es sind auch neue, hochmoderne Frachtsegler in Bau.

Als vor 200 Jahren die ersten Dampfmaschinen in Schiffe eingebaut wurden, war das Ende der Frachtsegelschifffahrt nah: Die neuen Transporter waren nicht mehr abhängig vom Wind, auch konnten immer grössere Schiffe gebaut werden – bis hin zu den neusten Containerschiffen, die mittlerweile über 20'000 Container und nahezu 200'000 Tonnen transportieren.

Allerdings handelt es sich bei Letzteren um regelrechte Dreckschleudern. Sie werden mit minderwertigem Schweröl betrieben, die kommerzielle Schifffahrt ist weltweit für sieben Prozent der Schwefeldioxid-, zwölf Prozent der Stickoxid-Emissionen sowie zwei Prozent des CO2-Ausstosses verantwortlich.

Mehrere Schifffahrtsunternehmen haben sich deshalb auf die alten Wege besonnen und hauchen dem Transport durch Segelfrachter neues Leben ein.

Ein Zeichen setzen

Zu den Pionieren gehören drei Freunde, die 2007 eine Brigantine aus dem Jahr 1943 transporttauglich machten und sie unter dem Namen «Tres Hombres» auf die Reise schickten. Seitdem ist sie für die Gesellschaft Fairtransport.eu unterwegs und nimmt bis zu 40 Tonnen Waren mit – Kakao, Kaffee, Rum, Honig und mehr.

Als Wegbereiter gilt auch das französische Unternehmen Trans Oceanic Wind Transportation (TWOT), das fünf Frachtsegler im Einsatz hat. Zu den bekanntesten gehört der Schoner «Avontuur» (gebaut 1920) mit 44 Metern Länge und einer Kapazität von 70 Tonnen. Die «Avontuur» galt als einer der letzten Frachtsegler des 20. Jahrhunderts bevor der Zweimaster zur Touristenattraktion wurde.

Die von TOWT transportierten Produkte sind mit den «Anemos»-Label gekennzeichnet und besonders in französischen Supermärkten und Bioläden zu finden. Allerdings sind die Fahrten laut Segelreporter.com noch nicht lukrativ. Es auch gehe mehr darum, ein Zeichen zu setzen. Wohl deshalb werden von den meisten Frachtseglern neben den Waren auch Gäste mitgenommen, die für die Kabine bezahlen.

Brandneue Frachtsegler im Bau

Der (noch) ausstehende Profit hält Schifffahrtsunternehmen aber nicht davon ab, neue Segeltransporter zu bauen. Die Organisation Sailcargo Inc. hat in Costa Rica zum Beispiel ein Schiff namens «Ceiba» im Bau. Neben dem Wind wird es von einem elektrischen Antrieb mit erneuerbarer Energie angetrieben. Die «Ceiba» hat eine Kapazität von 250 Tonnen und soll ab 2022 unterwegs sein.

Einen Blick in die Zukunft bietet das Projekt WASP des Luxus-Bootsbauers Dykstra: Vier Segel unterstützen den Motorantrieb des 138 Meter langen Frachters, die Masten der Segel dienen auch als Krane fürs Be- und Entladen. Um den Wind optimal zu nutzen, ist das Schiff mit intelligenten Wetter-Routen-Programmen ausgestattet.

Am futuristischsten mutet das Projekt «Oceanbird» des schwedischen Unternehmens Wallenius Marine an. Das Schiff ist mit fünf Flügelsegeln ausgestattet, die sich wie Teleskope einziehen lassen. So kommt die «Oceanbird» auch unter Brücken durch. Der derzeit wohl grösste Frachtsegler ist für den Transport von 7000 Autos ausgelegt.

Kurz: Der Wind dreht, die Frachtsegelschifffahrt dürfte in Zukunft immer mehr Fahrt aufnehmen.

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