Neuer Bier-Trend: Die Rückkehr des «kühlen Dunklen»

Aktualisiert

Neuer Bier-TrendDie Rückkehr des «kühlen Dunklen»

Dunkles Bier macht gerade mal 2 Prozent des geamten Marktes aus. Vor allem Kleinbrauereien hoffen nun aber auf die Renaissance des «Ur-Biers».

von
Meinrad Buholzer
sda

Ob das Mittelalter so dunkel war wie die Redensart behauptet, sei dahingestellt. Dunkel aber war das Bier, das am Ursprung der Braukunst steht. Mittlerweile ist es in Ungnade gefallen. Schweizer Kleinbrauereien wollen nun das dunkle Urbier wieder aufleben lassen.

13 Schweizer Kleinbrauereien haben am Donnerstag für ihre Dunklen das «Brau-Ring»-Gütesiegel erhalten. Vom Himmel sozusagen, das heisst: von Erhard Himmel, Vorsitzender der Brauring- Kooperationsgesellschaft, der gegen 300 private Brauereien in Deutschland, Österreich und der Schweiz angehören.

Für die Übergabe der Qualitätsauszeichnung hatte sich die Schweizer IG unabhängiger Klein- und Mittelbrauereien einen besonderen Ort ausgewählt: die Stiftsbibliothek des Klosters Einsiedeln. Klöster unterhielten in Europa die ersten und erfolgreichsten Brauereien.

Die erste Schweizer Brauerei beispielsweise entstand 820 im Kloster St. Gallen, das zeitweise drei verschiedene Biere produzierte. Ein einfaches, dünnes für die Pilger, ein «normales» für die Mönche und ein gehobeneres, dunkles für Äbte, Bischöfe und hohe Gäste.

Nur noch 2 Prozent dunkles Bier

Die Benediktiner von Einsiedeln freilich enthielten sich des Gerstensaftes und gaben sich dem Wein hin, den sie auch heute noch produzieren. Das Wissen um die Braukunst indessen hüteten auch sie, wie Stiftsbibliothekar Pater Odo Lang am Donnerstag anhand von mehrhundertjährigen Folianten bewies.

Klosterbier, so der Einsiedler Brauer und IG-Präsident Alois Gmür, ist dunkel. Allerdings erfreut sich das Dunkle heute nur noch mässiger Beliebtheit. Der Absatz ist in den letzten Jahrzehnten kontinuierlich zurückgegangen. Heute macht es gerade noch 2 Prozent des Bierkonsums in der Schweiz aus.

Auch im Ausland sieht es nicht viel besser aus. Im Bierland Deutschland sind es immerhin noch 4 bis 5 Prozent, wobei es sehr grosse regionale Unterschiede gebe, so Erhard Himmel. Das dunkle Bier habe eben den Ruf, dass es dick mache, begründet Himmel den Niedergang.

Das bestätigten auch Schweizer Brauer in Einsiedeln. Es werde mit mehr Kalorien in Verbindung gebracht und stehe im Ruf, dass es mehr sättige. Deshalb setzten mehr und mehr Brauereien auf das Helle, von dem sie auch hoffen, dass es in grösseren Mengen getrunken wird. Es gibt auch kaum mehr Werbung für dunkles Bier.

Kleinbrauereien hoffen auf Renaissance

Das ist schade, findet die IG unabhängiger Klein- und Mittelbrauereien. Sie will den Trend nun mit einer Informationskampagne «Zurück zu den Wurzeln der dunklen Urbiere» entgegensteuern. Dazu gehören auch die am Donnerstag verliehenen Auszeichnungen für 13 dunkle Bier von Schweizer Kleinbrauereien.

Geprüft wurden die Biere im Labor Veritas, das aus der ehemaligen Versuchsstation Schweizerischer Brauereien hervorgegangen ist. Die unabhängige AG befasst sich vor allem mit Getränken und Lebensmitteln und prüft regelmässig die Qualität von Schweizer Bieren.

Die eingereichten Biere haben laut dem Geschäftsleiter des Labors, René Eisenring, alle den Test bestanden. Geprüft wird, so Eisenring, die Reinheit, ob das Bier den gesetzlichen Anforderungen entspricht und ob im Getränk auch drin ist, was die Etikette verspricht.

Die Brauer selbst stehen indessen laut Eisenring noch vor einer anderen Herausforderung: Jedem Bier sein eigenes Profil zu geben und dieses über Jahre zu erhalten. Da vereinen sich dann Handwerk und Technologie zur eigentlichen Braukunst.

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