Diskretion à la Blofeld: Die Rückkehr des Nummernkontos

Aktualisiert

Diskretion à la BlofeldDie Rückkehr des Nummernkontos

Das anonyme Schweizer Nummernkonto ist ein Mythos aus alten Zeiten. Nun könnte es wegen der Datenklau-Affäre zu einem Revival kommen.

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scc/oba
Diskretion: Bei Nummernkonti bleibt der Kontoinhaber verborgen, ist der Bank aber bekannt.

Diskretion: Bei Nummernkonti bleibt der Kontoinhaber verborgen, ist der Bank aber bekannt.

Es steht für absolute Anonymität, diskret über den Bankschalter geschobene Koffer und Bösewichte in Bond-Filmen. Diesen Ruf des Nummernkontos verwendet etwa die österreichische Bank Jungholz für ihre Werbung. Sie bietet Nummernkonten «wie in der Schweiz» - mit dem sinnigen Namen «Goldfinger».

Gegenüber Fiskus nicht geheim

Fakt ist: Seit der Einführung des Geldwäschereigesetzes 1998 ist es nicht mehr möglich, anonym ein Nummernkonto zu eröffnen. Der Kunde muss sich in jedem Fall ausweisen. Ein Nummernkonto verhindert auch nicht, dass die Bank in einem Rechtshilfeverfahren Daten an ausländische Steuerbehörden liefern muss.

Ein Nummernkonto unterscheidet sich vom normalen Konto durch fast nichts - etwas übertrieben gesagt. James Nason, Sprecher der Schweizer Bankiervereinigung, drückte sich gegenüber «swissinfo» mit britischem Humor aus: «Das Nummernkonto ist ein Konto wie jedes andere auch. Alle Bankkonten bestehen aus Zahlen». Dennoch: Beim normalen Konto steht auf dem Kontoauszug neben dem Saldo der Name des Kontoinhabers. Beim Nummernkonto steht hingegen nur eine Nummer. Und anders als beim normalen Konto wissen hier nur wenige Personen innerhalb der Bank, wer sich dahinter verbirgt. Das Nummernkonto soll den Inhaber also vor allem gegen allfällige Spione innerhalb der Bankmauern - und somit gegen Datenklau - schützen.

Banken sollen aktiv mit Nummernkonti werben

Hans Geiger, emeritierter Professor für Bankenwesen, glaubt an das Schweizer Nummernkonto. Es werde ein Revival erleben, prophezeit er gegenüber der «Basler Zeitung». In der Aufregung um Datenklau und Amtshilfe gegenüber ausländischen Staaten könne das Nummernkonto zum «Fels in der Brandung» werden – für Steuerhinterzieher, aber auch für redliche Vermögende. «Die Dienstleistung wird sich in der nächsten Zeit grosser Beliebtheit erfreuen», ist Geiger überzeugt. Mehr noch: Er empfiehlt den Schweizer Banken, jetzt aktiv Werbung für Nummernkonten zu machen, das sei ein guter Weg, das Vertrauen der Kunden zurückzugewinnen, so Geiger. Zuspruch erhält der emeritierte Banken-Professor offenbar von Branchenvertretern.

Was meinen die Banken zu Geigers Vorschlag? Bei der Credit Suisse gibt man sich schmallippig. «Wir bewerben diese Art Konten nicht aktiv», sagt ein Sprecher gegenüber 20 Minuten Online. Bei der Konkurrentin UBS schliesst man sich dieser Aussage an. Anscheinend will man sich vom belasteten Ruf des Nummernkontos distanzieren. Dazu passt, dass keine Schweizer Bank Zahlen oder Statistiken über die Nummernkonten in der Schweiz veröffentlicht.

«Eine Bieridee»

Walter Wittmann, emeritierter Ökonomieprofessor, hält nichts von der Renaissance der Nummernkonten. «Das ist eine Schnapsidee», bringt er es gegenüber 20 Minuten Online auf den Punkt. Denn auch die Verbindung zwischen Nummer und Kontoinhaber sei irgendwo im System erfasst und könne demzufolge geklaut werden. Ausserdem setze Werbung mit Nummernkonten die falschen Signale: «Es würde als letztes Aufbäumen gegen den Lauf der Zeit gewertet und die Schweizer Banken wieder mit dem alten Image als Schwarzgeldhort in Verbindung bringen.»

Für Wittmann ist klar: Das wäre peinlich. Denn: «Das Bankgeheimnis ist im freien Fall, das hat sogar Herr Merz signalisiert». Wittmann weist dem Nummernkonto nur noch einen symbolischen Wert zu.

Die symbolische Diskretion lassen sich die Banken allerdings teuer bezahlen. Ab 1. Januar 2010 bezahlt man bei der UBS für ein Nummernkonto 1500 Franken Jahresgebühr. Das ist ein Vielfaches mehr als für ein normales Sparkonto. Begründung der UBS: «Der Preis widerspiegelt die Investitionen». Und selbstverständlich orientiere man sich auch bei der Konkurrentin Credit Suisse, die ebenfalls 1500 Franken verlangt. Günstiger ist das Angebot der Bank Jungholz: Für das «Goldfinger-Nummernkonto» bezahlt der um Diskretion bemühte Kunde 25 Euro im Monat, total 300 Euro im Jahr. Dafür kriegt er auch kein Original.

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