Aktualisiert 02.11.2011 13:46

Petticoats & Rock'n'Roll

Die Rückkehr des Vollblutweibs

Sie hat sexy Kurven und den Glamour einer Diva aus den Fifties. Mit ihren femininen Kleidern ermutigt Lena Hoschek Frauen, ihre Rundungen in Szene zu setzen statt dem Size-Zero-Ideal nachzueifern.

von
Yolanda Di Mambro, Wien

Wer die Wiener Boutique von Lena Hoschek betritt, wähnt sich in einer Folge der US-Kultserie «Mad Men», die in den Sechzigerjahren spielt. Feminine Kleider aus den Forties bis Sixties, Tellerröcke, Pencilskirts, Sling-Pumps, Cat-Eye-Brillen à la Grace Kelly, Dirndl im Fifties-Stil, Twin-Sets, Betty-Page-Accessoires und coole Vintage-Möbel. Die Boutique ist mit viel Liebe zum Detail eingerichtet. Als Drink wird uns Brauselimonade in einer kleinen Flasche gereicht. Mit Strohhalm, versteht sich. Schliesslich kaufen hier nur stylische Ladys ein. Mit einem fröhlichen «Hallo» betritt kurz darauf Lena Hoschek ihren Laden. Welch ein Starauftritt. Die temperamentvolle Designerin scheint einem Werbespot der 50s oder 60s entsprungen zu sein. In ihrem knielangen Tellerrock-Kleid mit farbigen Blüten, enger Taille und betontem Dekolleté sieht die 30-Jährige bezaubernd aus. Der knallrote Lippenstift und die rot lackierten Fingernägel passen perfekt zu ihrem Glamour-Look. Kein Vergleich zur skelettartigen Victoria Beckham, die ständig mit einer düsteren Miene durch die Welt stolziert und immer nur von ihren It-Pieces spricht. Lena Hoschek ist eine aufgeweckte, sympathische junge Frau, die stolz auf ihre Femininität ist und ihre Kurven auch gerne zeigt.

Marilyn Monroe und die Queen of Punk

Schon als 13-Jährige fühlte sich die Grazerin magisch vom Modestil grosser Hollywood-Schauspielerinnen wie Marilyn Monroe, Sophia Loren und Audrey Hepburn angezogen. Ihrer Vorliebe blieb sie auch während ihres Modestudiums treu. «Als ich die Modeschule in Wien besuchte, waren gerade der Minimalismus der Nineties und die androgynen Models in. Ich bevorzuge jedoch seit jeher die feminine Silhouette, die Filme aus den 50er- und 60er-Jahren. Zudem war ich schon immer ein Fan von Laura Ashley und ihren romantisch-nostalgischen Kleidern mit Blumenprints», erklärt uns Lena Hoscheck.

Nach Abschluss ihres Modedesign-Studiums in Wien 2003 absolvierte sie ein achtmonatiges Praktikum bei Vivienne Westwood in London. Die Queen of Punk riet ihr, eine eigene Kollektion zu entwerfen statt noch mehr Zeit in Praktika zu investieren. Im November 2005 eröffnete Lena Hoschek ein Atelier in Graz und lancierte ihr eigenes Label. Ganz schon mutig für eine 24-Jährige ohne Business-Erfahrung. «Für mein Praktikum bei Vivienne Westwood in London kriegte ich keinen Penny. Also sagte ich mir: Wenn ich schon gratis arbeite, kann ich auch gleich mein eigenes Label lancieren. Also begann ich mit einer Serie von 20 bis 30 Röcken. Und habe dabei alles selbst genäht.»

Lena Hoschek zeigt ihre Boutique in Wien (Quelle: YouTube, Crane.tv)

«Meine Models sind immer die dicksten»

Der Erfolg liess nicht lange auf sich warten. Ihre Fangemeinschaft wurde von Jahr zu Jahr grösser und 2008 trug sogar Weltstar Katy Perry ein Kleid von Lena Hoschek bei einem Galaauftritt in Berlin. Hoschek entwarf auch das Hochzeitskleid der vierten Frau von Modedesigner Otto Kern. Die Medienaufmerksamkeit hatte sie somit auf sicher. 2008 eröffnete sie eine Boutique in Wien, 2010 eine in Berlin. Um sich als internationale Designerin zu etablieren, präsentiert sie seit 2010 zweimal pro Jahr ihre Kollektion an der Fashion Week in Berlin. Im Gegensatz zu ihren Designer-Kollegen schickt sie dort jedoch keine Size-Zero-Models über den Laufsteg. Ihre sexy Outfits im Retro-Stil sind schliesslich für Frauen mit Kurven bestimmt, die mit einem kecken Hüftschwung durchs Leben stolzieren. «Meine Models sind immer die dicksten», lacht Lena Hoschek. «Bei jeder Show habe ich aber Silikoneinlagen zur Hand, um nach Bedarf den BH der Models auszustopfen.»

Lena Hoschek präsentiert ihre Frühjahrs- und Sommerkollektion 2011 an der Fashion Week in Berlin (Quelle: YouTube, Mercedes-Benz)

Metal-Punk, Rock'n'Roll und Appenzeller Trachten

Für ihre Kollektionen lässt sich Lena Hoschek auch von der Musik inspirieren - und zwar querbeet. «Ich stehe auf Musik der Fifties und Sixties, Metal Punk, Rock'n'Roll und Edith Piaf», sagt sie. Auf die Frage «Was assoziierst du mit der Schweiz?», kommt es wie aus der Pistole geschossen: «Appenzeller Trachten», meint sie lachend. «Ich liebe die folkloristische Kleidertradition der Schweiz. Es ist wichtig, dass diese wertvolle Handwerkskunst auch heute noch gepflegt wird.» Was viele nicht wissen: Lena Hoschek hat auch eine Dirndl-Serie entworfen und sich dafür intensiv mit den Schnitttechniken des Dirndl befasst. «Ich mag nun mal schöne feminine Kleider. Ohne Unterrock gehe ich schon gar nicht aus dem Haus. Hosen und Jeans? Nein danke. Es gibt nichts Unbequemeres als Jeans. Oder hast du schon einmal eine Styling-Queen in Jeans gesehen?»

Lena Hoscheks Herbst- und Winterkollektion 2011/12 (Video: YouTube, FashionTV)

Ab 3. November 2011 ist ein Teil von Lena Hoscheks neuer Herbst- und Winterkollektion auch in der Schweiz erhältlich - und zwar im Globus (Zürich Bahnhofstrasse und Glattzentrum, Genf, Lausanne, Bern und Basel). Kleider von Lena Hoschek können auch per Internet (www.lenahoschek.com) oder bei Maison Julie in der Laternengasse 3 in Zürich gekauft werden.

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