Die Ruhe vor dem Sturm auf den Monte Zoncolan
Aktualisiert

Die Ruhe vor dem Sturm auf den Monte Zoncolan

Am Mittwoch fällt im Giro d'Italia die Vorentscheidung um den Gesamtsieg. Die Bergankunft auf dem Monte Zoncolan verspricht Spektakel pur. Der Gesamterste Danilo di Luca gibt sich selbstsicher. Die Gegner versprechen den grossen Angriff.

Vor vier Jahren bildete der Monte Zoncolan erstmals ein Etappenziel der Italien-Rundfahrt. Er wurde von der damals besser ausgebauten Ostseite befahren; der Sieger hiess Gilberto Simoni.

Das bescheidene Strässchen und die schmalen Tunnels auf der Westseite verhinderten damals ein noch grösseres Spektakel. In der Zwischenzeit wurde einiges Geld in den Ausbau investiert. Doch die Voraussetzungen sind noch immer so prekär, dass die Veranstalter einschneidende Massnahmen ergreifen mussten. So können die Mannschaftswagen ihren Fahrern nicht folgen. Im Defektfall erhalten diese ab 22 Motorfahrrädern Ersatzmaterial. Der Anstieg war seit dem Dienstagnachmittag für jeglichen Motorfahrzeugverkehr gesperrt. Die Zuschauer müssen sich ihre besten Plätze zu Fuss oder mit dem Velo suchen. Zusätzlich zu den üblichen Ordnungskräften sollen 300 Alpinieri dafür sorgen, dass die Etappenankunft regulär verläuft.

Härteste Steigung von Europa

Als «die härteste Steigung von Europa» werden die 10,1 km bezeichnet, die von der Ortschaft Ovaro (530 m über Meer) hinauf zum Ziel auf 1730 m führen. Auf 6 km wird die durchschnittliche Steigung mit 14,9 Prozent angegeben; darin enthalten ist ein Abschnitt mit 22 Prozent. Viele der Fahrer, die eine Rekognoszierung vornahmen, sprachen von einer «unmenschlichen Aufgabe.»

Der Gesamterste Danilo di Luca lachte nur, als er von einigen Konkurrenten hörte, man müsse als kleinsten Gang ein 27-er Ritzel montieren. «Ich denke, dass mir mit 29 Zähnen besser geholfen ist. Diese Rampe ist so beeindruckend, dass nichts anderes hilft», meinte der Träger der Maglia rosa. Der Leader ist überzeugt davon, dass Gilberto Simoni alles unternehmen wird, diese Etappe zu gewinnen: «Er könnte damit zu meinem Verbündeten werden.»

Als stärkster Kletterer der Rundfahrt hat sich Leonardo Piepoli erwiesen, der nicht zu Unrecht das grüne Trikot des Bergkönigs trägt und der wesentliche Hilfestellung bei Simonis Vorhaben leisten könnte, einen grossen Coup zu landen. Auch andere Gegner Di Lucas versprechen Angriff. «Ich werde alles geben», verheisst Damiano Cunego, obwohl der Giro-Sieger von 2004 bisher immer zurückstecken musste, wenn es hart zur Sache ging. Dass er attackieren werde, kündet auch der Gesamt-Dritte Andy Schleck an. Nur der Gesamtzweite Eddy Mazzoleni übte sich in Zurückhaltung. Mit seinen 70 kg muss er um die 5 kg mehr als die Gegner den Berg hinaufschleppen.

Garzellis zweiter Etappensieg

Nach dem zweiten Ruhetag der Rundfahrt veranlassten Regen und Kälte die Fahrer auf dem Weg von Agorde nach Lienz vorerst zu einer gemächlichen Gangart. Das Geschehen belebte sich erst auf österreichischem Territorium. Der Bannberg bot das iedale Terrain für einen Angriff. 20 Fahrer hatten sich schon kurz vorher abgesetzt. Stefano Garzelli schritt erst zur Tat, als die Strasse anstieg.

Der Varesiner überholte alle Angreifer und nahm die 16 km lange Zusatzrunde in Lienz mit mit 40 Sekunden Vorsprung auf fünf Verfolger in Angriff. Diese waren sich zu uneinig, sodass Garzelli bei seiner Solofahrt seinen Vorsprung bis ins Ziel trotz Gegenwindes auf eine Minute ausbauen konnte. Der Giro-Sieger des Jahres 2000 war schon am Samstag in Bergamo siegreich gewesen. Damals war ihm auf der Zielgeraden der Windschatten zweier Motorräder zugute gekommen. Diesmal schaffte es der 34-Jährige aus eigener Kraft: «Dieser Sieg ist schön für mich und für meine Mannschaft.» Danilo di Luca, seine Helfer und die wichtigsten Konkurrenten trudelten mit acht Minuten Rückstand im Ziel ein. Sie werden am späteren Mittwochnachmittag hart zur Sache gehen müssen.

(si)

90. Giro d'Italia. 16. Etappe, Agordo - Lienz (189 km): 1. Stefano Garzelli (It) 5:34:07 (33,940 km/h), 20 Sekunden Bonifikation. 2. Laurent Mangel (Fr) 1:01, 12 Sek. Bon. 3. Ricardo Serrano (Sp), 8 Sek. Bon. 4. José Luis Rubiera (Sp). 5. Pietro Caucchioli (It). 6. Pablo Lastras (Sp), alle gleiche Zeit. 7. Salvatore Commesso (It) 2:29. 8. Giovanni Visconti (It). 9. Assan Basajew (Kas). 10. Lorenzo Bernucci (It), alle gleiche Zeit.

11. Julian Dean (Neus) 2:31. 12. Sven Krauss (De). 13. Lloyd Mondory (Fr). 14. Yoann Le Boulanger (Fr). 15. Eric Berthou (Fr). 16. Benoit Joachim (Lux). 17. Luis Felipe Laverde (Kol), alle gleiche Zeit. 18. Matteo Tosatto (It) 2:47. 19. Laszlo Bodrogi (Un) 8:10. 20. Juri Kriwtsow (Ukr).

Ferner: 29. Damiano Cunego (It). 30. Alessandro Petacchi (It). 31. Andy Schleck (Lux). 36. Danilo di Luca (It). 38. Gilberto Simoni (It). 42. Eddy Mazzoleni (It). 43. Paolo Savoldelli (It). 44. Steve Morabito (Sz). 57. Hubert Schwab (Sz). 130. Paolo Bettini (It), alle gleiche Zeit. - 143 klassiert.

Gesamtklassement: 1. Di Luca 73:43:12. 2. Mazzoleni 1:51. 3. Schleck 2:56. 4. Simoni 3:19. 5. Cunego 3:23. 6. Riccardo Ricco (It) 3:39. 7. David Arroyo (Sp) 6:05. 8. Emanuele Sella (It) 7:02. 9. Jewgeni Petrow (Russ) 7:29. 10. Marzio Bruseghin (It) 9:29.

11. Franco Pellizotti (It) 9:30. 12. Ivan Parra (Kol) 10:17. 13. Garzelli 11:32. 14. Savoldelli 12:08. 15. Patxi Vila (Sp) 12:35. 16. Leonardo Piepoli (It) 13:51. 17. Domenico Pozzovivo (It) 16:13. 18. Marco Pinotti (It) 21:59. 19. Branislau Samoilau (WRuss) 26:44. 20. Mario Aerts (Be) 27:58.

Ferner: 31. Bettini 48:50. 50. Schwab 1:08:15. 76. Morabito 1:40:15. 110. Petacchi 2:09:24.

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