Aktualisiert 23.12.2018 14:01

Verärgerter Pendler«Die S-Bahn fuhr eine Minute zu früh ab»

Ein Pendler hat es nicht mehr auf den Zug geschafft, weil dieser zu früh losgefahren ist. Die Kosten, die für ihn deswegen entstanden sind, verrechnet er der SBB.

von
B. Zanni
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Laut Fahrplan hätte die S8 vom Bahnhof Enge in Zürich um 6.18 Uhr in Richtung Winterthur losfahren müssen.

Laut Fahrplan hätte die S8 vom Bahnhof Enge in Zürich um 6.18 Uhr in Richtung Winterthur losfahren müssen.

Leser-Reporter
Um den Termin mit einem asiatischen Kunden nicht zu verpassen, wich H. auf ein Taxi aus.

Um den Termin mit einem asiatischen Kunden nicht zu verpassen, wich H. auf ein Taxi aus.

Keystone/Walter Bieri
Der nächste Zug nach Winterthur wäre erst eine halbe Stunde später gefahren, sagt er.

Der nächste Zug nach Winterthur wäre erst eine halbe Stunde später gefahren, sagt er.

Keystone/Steffen Schmidt

Beinahe hätte Sebastian H.* einen wichtigen Kundentermin verpasst. Grund dafür ist aber nicht etwa ein verspäteter Zug. «Die S-Bahn fuhr eine Minute zu früh ab», ärgert sich der Pendler am Donnerstagmorgen. Laut Fahrplan hätte die S8 vom Bahnhof Enge in Zürich um 6.18 Uhr in Richtung Winterthur losfahren müssen. «Der Zug fuhr aber schon um 6.17 Uhr ab.» Vergeblich habe er dem Lokführer zugewinkt. «Auch das Security-Personal im Wagen sah mich durch die Zugtür, reagierte auf meine Zeichen aber nicht.»

Um den Termin mit einem asiatischen Kunden nicht zu verpassen, wich H. auf ein Taxi aus. Der nächste Zug nach Winterthur wäre erst eine halbe Stunde später angekommen**, sagt er. «Ich durfte nicht zu spät kommen, ansonsten hätte mein Kunde seinen Flug verpasst.»

SBB solle Taxi bezahlen

180 Franken habe ihn die Taxifahrt gekostet, so H. weiter. «Ich versuche, die Kosten der SBB zu verrechnen», kündigt er an. Er sei ein pünktlicher Mensch und erwarte auch, dass sich die SBB an die Abfahrtszeiten halte. «Besonders ärgerlich ist, dass ich extra früh aufstand, um den Zug sicher zu erwischen.»

Die SBB könne nicht erwarten, dass Pendler zum Perron stressten, wenn sie sich nach den Abfahrtszeiten des Fahrplans richteten, so H. «Doppelt ärgerlich ist, dass ich meine Stempelkarte ja bezahlt habe, um mit dem Zug zu reisen – und nicht mit dem Taxi.»

«Vermutlich handelt es sich um ein Versehen»

Die SBB bestätigt, dass die S8 am Donnerstagmorgen eine Minute zu früh losfuhr. «Vermutlich handelt es sich um ein Versehen des Lokführers», sagt Sprecherin Franziska Frey. Fakt sei, dass die Voraussetzungen für die Abfahrt ansonsten erfüllt gewesen seien. «Die Signale standen auf Grün.» Laut Frey passiert es höchst selten, dass ein Zug vor der im Fahrplan vorgesehenen Abfahrtszeit losfährt.

Pendler im Ausland würden der schweizerischen Überpünktlichkeit wohl ein Kränzchen winden. Das hält die SBB nicht davon ab, sich für den zeitlichen Ausrutscher in der Pflicht zu sehen. Sollten Kunden aufgrund der verfrühten Abfahrt den Zug verpasst haben, zeige sich die SBB selbstverständlich kulant, so Frey weiter. Betroffene Kunden sollten sich dazu direkt beim Kundendienst der SBB melden. «Die in diesem Zusammenhang offenen Fragen werden wir mit dem betroffenen Kunden direkt klären.»

Laut Karin Blättler, Präsidentin von Pro Bahn Schweiz, sind bei Pro Bahn noch nie Meldungen von Fahrgästen eingegangen, die sich über zu früh abgefahrene Züge beklagt haben. «Grundsätzlich fahren die Züge pünktlich oder allenfalls zu spät ab», stellt Blättler fest. Das Aufhebens um diese eine Minute könne sie nicht verstehen. Ein Fehler könne überall passieren.***

*Name der Redaktion bekannt

**In einer früheren Version des Artikels stand, dass es laut dem Leser die nächstmögliche Verbindung von Zürich Enge nach Winterthur erst eine halbe Stunde später gegeben habe. Die nächste S8 Richtung Winterthur wäre tatsächlich erst eine halbe Stunde später gefahren. Die nächste Direktverbindung hingegen wäre bereits eine Viertelstunde später losgefahren und knapp 30 Minuten später angekommen. Wir entschuldigen uns für den

Fehler.

***Die Zitate von Karin Blättler wurden in verkürzter Form publiziert. Karin Blättler hält fest, dass sie im Gespräch mit 20 Minuten noch Folgendes sagte: «Eine Meldung an die SBB hätte mehr als genügt. Die SBB wird die entstandenen Kosten sicher unbürokratisch übernehmen.»

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