Aktualisiert 19.11.2007 13:28

Die Saison der Wahrheit: Wie gut sind Cuche & Co.?

Nach dem Prolog in Sölden und den beiden Ersatzslaloms auf der Reiteralm gehts am Wochenende in Lake Louise und Panorama (Ka) richtig los. Der 42. Weltcup-Winter wird für Swiss-Ski zur Saison der Wahrheit: Wie gut ist das Alpin-Team wirklich?

Im letzten Winter zeigten sich einige verheissungsvolle Ansätze, die verschiedene Funktionäre fast übermütig werden liessen. Wer kanns ihnen verargen, wenn sie über 100 Rennen und 1000 Tage auf den ersten Sieg warten mussten?

So war von «sensationellen Ergebnissen» (der Medien-Chef) und einer «Bestätigung des letzten Winters» als Saisonziel (Männer-Chef Martin Rufener) die Rede. Doch was ist im letzten Winter im Schweizer Skisport überhaupt passiert? Zwei Weltcupsiege gabs, beide bei den Männern, und dazu ein Dutzend Podestplätze, die Hälfte von Didier Cuche. Für die Frauen waren ein 2. Platz von Dominique Gisin und ein 3. von Martina Schild die Top-Ergebnisse.

Kleine Unterschiede - grosse Wirkung

An der WM in Are hingegen, da fuhr das Swiss-Ski-Team reiche Ernte ein. Sechs Medaillen, das weckt schon fast Erinnerungen an die gloriosen Zeiten in den Achtzigerjahren, als das Schweizer Team pro Saison 30 bis 40 Siege feierte. Ein gesunder Didier Cuche, zwei reifer gewordene Talente (Albrecht und Berthod), etwas Glück und bessere Reglementskenntnisse machten den Unterschied aus gegenüber den Nullnummer von 2005 in Bormio.

Dort fehlten Bruno Kernen sechs Hundertstel zu Bronze, in Are «zog» er im Super-G eine Top-Startnummer. Mit ähnlichem Glück wäre er in Bormio womöglich Weltmeister geworden. Und im Nationencup nutzten die Swiss-Ski-Verantwortlichen diesmal die Medaillen-Chance, nachdem sie diese vor zwei Jahren auf unverzeihliche Weise - niemand kannte den genauen Wettkampfablauf - verpatzt hatten. Das sind die kleinen Unterschiede mit grosser Wirkung.

Potenzial für ein halbes Dutzend Siege

Was bringt nun die Saison 2007/08 ohne WM und ohne Olympische Spiele? Eines ist sicher: Mit einer Bestätigung des letzten Winters wäre niemand zufrieden. Ein Sieg ist dank dem Husarenstreich von Marc Gini auf der Reiteralm bereits auf dem Konto. Käme, quasi als Bestätigung der letzten Saison, nur noch ein weiterer dazu, wäre das eine etwas gar magere Ausbeute. Das Schweizer Männer-Team hat das Potenzial für ein halbes Dutzend Siege.

In allen fünf Disziplinen verfügt das Männer-Team über Anwärter auf Podestplätze und Siege. Die Paradedisziplin ist die Superkombination, in der mit Weltmeister Daniel Albrecht, dem WM-Dritten Marc Berthod, Silvan Zurbriggen und Didier Défago sich gleich vier Schweizer unter den ersten neun der Weltrangliste befinden.

Die jungen Wilden: Albrecht, Berthod & Co.

Das Prunkstück von Swiss-Ski sind die jungen Wilden von Sepp Brunner mit Albrecht, Berthod, Gini, Sandro Viletta und Carlo Janka. Einer von ihnen, Junioren-Weltmeister Beat Feuz, fällt wegen eines Kreuzbandrisses für die ganze Saison aus, dafür kehrt mit dem 19-jährigen Mauro Caviezel nach einer Verletzungspause ein anderes grosses Talent zurück. Eine gewisse Gefahr liegt darin, dass dieser Talentschuppen dazu neigt, eine Mannschaft in der Mannschaft zu werden. Cheftrainer Rufener ist gefordert.

Aber auch Patrice Morisods einstiges Kombi-Team, das jetzt «WC2» heisst, darf sich sehen lassen. Mit Didier Cuche und dem Liechtensteiner Marco Büchel (der 36-jährige ist in Lake Louise Titelverteidiger!) führen zwei seiner Leute in der Abfahrt die Weltrangliste an. Und mit Silvan Zurbriggen und Didier Défago verfügt Morisod über weitere Klasseleute. Dagegen droht Hans Flatscher nach den Rücktritten von Bruno Kernen und Jürg Grünenfelder langsam das Personal auszugehen. Sein Leader ist Ambrosi Hoffmann, der «Adjudant» Tobias Grünenfelder. «Ich mache mir für die Abfahrt Sorgen», sagt Bernhard Russi, nach wie vor die Instanz in Sachen Skirennsport. (si)

Cuche trainiert Slalom

Wieviele Schweizer nebst «Etappensiegen» auch auf die Gesamtwertung fahren werden, wird der Verlauf der Saison weisen. «Ich möchte schon wieder ganze vorne mitmischen», kündigt der letztjährige Dritte Didier Cuche an. «Deshalb habe ich in diesem Sommer mit Blick auf die Superkombinationen auch Slalom trainiert. Wenn ich in einer Kombination unter die besten zehn käme, wäre ich schon sehr zufrieden». Immerhin bedrängte Cuche im letzten Winter die Top-Favoriten Aksel Lund Svindal und Benjamin Raich bis zum Schluss, obwohl er drei von vier Kombinationen ausgelassen hatte.

Auch Daniel Albrecht und Marc Berthod möchten gerne auf den Gesamtweltcup fahren, aber ihr Trainer Sepp Brunner bremst: «Sie sind noch nicht so weit. Sie sollen vorerst regelmässig im Slalom und Riesenslalom Spitzenresultate bringen». Immerhin bewies Albrecht mit seinem 2. Rang in der Abfahrt beim Weltcup-Finale auf der Lenzerheide, über welche Qualitäten er auch in den Speed-Disziplinen verfügt. Viel Aufschluss geben werden die Rennen in Beaver Creek, wo Albrecht und Berthod das gesamte Programm mit Abfahrt, Super-G, Superkombination und Riesenslalom bestreiten. Daniel Albrecht spricht vieldeutig von einem «Probelauf» für den Gesamtweltcup.

Bescheidener sind die Erwartungen im Frauen-Team. «Wir möchten uns der Spitze weiter nähern, nachdem wir im letzten Winter oft in den Rängen 6 bis 15 klassiert waren», sagt Cheftrainer Hugues Ansermoz. Am besten positioniert ist sein Team in der Abfahrt, wo Nadia Styger und Dominique Gisin die Nummern 6 und 7 der Weltrangliste sind. Styger, Fränzi Aufdenblatten, Sylviane Berthod, die nach einer Rückenoperation mit Verspätung in die Saison eingestiegen ist, repräsentieren die «alte Garde», obwohl beispielsweise Aufdenblatten erst 26-jährig ist.

Mit breiterer Taillierung der Ski und tieferen Bindungsaufsätzen (nur noch 4,5 statt 5 cm) soll die Verletzungsgefahr der Rennfahrer reduziert werden. Schwer absehbar sind die Folgen dieses Umrüstens im sportlichen Wettkampf. Alle Skifirmen begannen wieder bei Null. Der modifizierte Startmodus in den Speed-Disziplinen (die besten starten mit den Startnummern 8-22, die Top 7 mit 15-22) ist die zweite wesentliche Änderung in diesem Winter.

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