Aktualisiert 26.10.2010 15:57

Unvergessene Erfolge

Die Sandkönige aus dem Alpenland

Sonne, Strand und Meer - das gehört zum Beachvolleyball wie das Amen in der Kirche. Darum war es einst unvorstellbar, dass das Binnenland Schweiz in dieser Sportart vorne mitmischen würde - bis die Gebrüder Laciga kamen.

von
Monika Brand
Paul (r.) und Martin Laciga - die Schweizer Beachvolleyball-Pioniere

Paul (r.) und Martin Laciga - die Schweizer Beachvolleyball-Pioniere

Die Schweiz hat weder mit dem Meer noch mit dem Strand etwas zu tun, nur Sonne gibt es hierzulande zum Glück hin und wieder - oder auch etwas öfter. Trotzdem eroberten die Gebrüder Paul und Martin Laciga Ende der 90er Jahre den Beachvolleyball-Sport. 1997 feierten die beiden Kerzerser mit dem Vize-Weltmeistertitel ihren ersten grossen Erfolg. Die Krönung folgte in den nächsten drei Jahren mit drei EM-Titeln in Serie. Laciga/Laciga aus dem Land der Berge, der Uhren und der Schokolade waren an der Spitze angelangt - zuweilen gar an der Spitze der Weltrangliste.

Bei den Olympischen Sommerspielen 2000 in Sydney visierten die beiden Eidgenossen eine Medaille an, mussten sich aber mit Platz 5 und einem Olympischen Diplom begnügen. Dasselbe Schicksal ereilte die Brüder auch vier Jahre später in Athen. Damals wurden sie gar noch von zwei anderen Landsmännern überflügelt: Patrick Heuscher und Stefan Kobel holten Bronze. Zu diesem Zeitpunkt stand das Schweizer Beachvolleyball - ohne Strand und ohne Meer - im Zenit. Nicht so aber das Pionier-Duo Laciga/Laciga: Nach dem erneuten Olympischen Misserfolg trennten sich die Wege der Brüder nach vielen gemeinsamen Jahren.

Trennung, Rochaden und Comeback

Paul spannte in der Folge vorerst mit Sascha Heyer zusammen, während der fünf Jahre jüngere Martin mit Markus Egger ein neues Gespann bildete. Die neuen Duos waren jedoch nur mässig erfolgreich. Immerhin konnte Paul mit seinem neuen Partner 2005 in Berlin erneut einen Vize-Weltmeistertitel feiern. Dennoch kam es 2007 wieder zu einer Rochade im Schweizer Beachvolleyball. Der ältere der Laciga-Brüder spielte neu auf internationaler Ebene mit Philip Gabathuler, auf nationaler Ebene mit Jefferson Bellaguarda (damals BRA, heute SUI). Martin Laciga spannte im selben Jahr mit Jan Schnider zusammen, mit welchem er sich auch für die Olympischen Spiele 2008 in Peking qualifizierte. Vor diesem sportlichen Highlight im fernen China kam es dann aber noch zu einem unerwarteten, kleinen Intermezzo: Im Juni 2007 gaben die Gebrüder Laciga nämlich bekannt, für die Heim-WM in Gstaad temporär noch einmal zusammenzuspannen.

Und siehe da: Die Kerzerser starteten nach der Wiedervereinigung überragend in das Turnier, das Ende Juli in den Berner Oberländer Alpen stattfand. Keinen einzigen Satz gaben Laciga/Laciga in der Gruppenphase ab und qualifizierten sich souverän als Gruppensieger für die erste Hauptrunde. Doch der Lauf hielt nicht an. Gescheitert an den holländischen «No-Names» Boersma/Ronnes war für die beiden Sporthilfe-Jubiläumsbotschafter zu Beginn der K.o.-Runde Schluss. Es war gleichzeitig auch das Ende der langen und erfolgreichen Karriere von Paul Laciga.

Martins Kampf für London 2012

Der jüngere der beiden Laciga-Brüder, Martin, ist nach wie vor im Spitzensport aktiv. Mit Jan Schnider nahm der heute 35-Jährige 2008 an den Olympischen Sommerspielen in Peking teil, wo er mit Platz 9 sein drittes Olympisches Diplom nur haarscharf verpasste. Seit Mai 2009 bildete Laciga ein Duo mit dem eingebürgerten Brasilianer Jefferson Bellaguarda, mit dem er auf der Wold Tour beachtliche Erfolge feiern konnte, u.a. einen dritten Platz beim Grand-Slam-Turnier in Moskau im letzten Jahr.

Etwas überraschend kam daher vor rund zwei Wochen die Meldung, dass die beiden im Hinblick auf die Olympischen Sommerspiele 2012 in London getrennte Wege gehen werden (20 Minuten Online berichtete). Bellaguarda bildet neu ein Team mit dem erfahrenen Patrick Heuscher, der 2004 in Athen bereits Olympia-Edelmetall gewann, Martin Laciga kämpft mit dem jungen Jonas Weingart ab 2011 um ein Ticket für London. Der Kerzerser zur erneuten Rochade: «Wir (Laciga/Bellaguarda, Anm. d. Red.) waren über das ganze Jahr gesehen nicht konstant genug und haben den Anschluss an die besten Teams nicht ganz geschafft, wie wir das eigentlich von uns selbst erwartet hätten.» Deshalb hat Swiss Volley die Karten nun noch einmal neu gemischt. Die Qualifikationsphase für London beginnt ab 1. Januar 2011. Es qualifizieren sich pro Nation zwei Teams. Ausschlaggebend sind die Resultate auf der World Tour.

40 Jahre Sporthilfe

Die Stiftung Schweizer Sporthilfe hilft seit 40 Jahren Schweizer Talenten, ihren Traum vom Spitzensport zu verwirklichen. Zum Jubiläum setzen sich 40 Sportgrössen als Botschafter für den Nachwuchssport ein. 20 Minuten Online stellt bis Ende 2010 wöchentlich mit der Serie «Unvergessene Erfolge» einen dieser grossen Schweizer Sportler seit 1970 vor.

Wettbewerb

Gleichzeitig mit der Serie läuft auf Sporthilfe.ch wöchentlich ein Wettbewerb mit einer Frage zur vorgestellten Person.

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.