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StudieDie saubere Luft heizt den Klimawandel an

Der Klimawandel geht nur zur Hälfte aufs Konto der Treibhausgase. Die sauberere Luft trug laut Schweizer Forschern ebenso stark dazu bei.

von
Nico Menzato

Treibhausgase erwärmen das Klima. Schadstoffe wie Sulfate und Nitrate kühlen es ab. Grund: Die Dreckpartikel wirken wie ein Sonnenfilter. Sie reflektieren die Sonnenstrahlung und schicken sie ins Weltall zurück. Dadurch kommt weniger Sonnen­energie am Boden an.

Weil nun in den letzten 30 Jahren durch Massnahmen wie die Partikelfilter-Pflicht bei Autos die Luft massiv sauberer geworden ist, funktioniert dieser Filter immer weniger und die Tempera­turen steigen – und zwar nicht nur wegen den Treib­hausgasen. Eine Studie von MeteoSchweiz beziffert nun erstmals den Anteil dieser Luftreinigungsmassnahmen am Klimawandel: Die Abnahme der Schadstoffe in der Schweizer Luft erklärt mindestens die Hälfte des Temperaturanstiegs.

Mittlerweile gibt es so wenig Dreck in der Schweizer Luft, dass eine weitere Reduktion keinen Einfluss mehr auf die Erderwärmung hat. Dennoch ist unklar, ob sich der Klimawandel nun verlangsamt: «Die Entwicklung anderer Länder ist entscheidend», sagt MeteoSchweiz-Klimatologe Stephan Bader. Wenn grosse Länder wie derzeit China Jahr für Jahr mehr Schadstoffe in die Luft schleuderten, würde die Erwärmung paradoxerweise gebremst werden.

Von Vorschlägen wie etwa dem, Schadstoffe ins All zu schleudern, um die Erwärmung zu verlangsamen, hält Bader nichts: «Wenn man in Kreisläufe eingreift, die man nicht vollständig versteht, droht der Schuss nach hinten loszugehen.»

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