2,5 Zimmer für 3620 Franken: «Die SBB baut Wohnungen nur für Manager»
Aktualisiert

2,5 Zimmer für 3620 Franken«Die SBB baut Wohnungen nur für Manager»

Teure Wohnungen der SBB sorgen für Kritik. Kritiker wollen die SBB zu mehr gemeinnützigen Wohnungen zwingen. Die Bahn verteidigt sich.

von
Stefan Ehrbar
1 / 6
In ihrer Überbauung Westlink in Zürich-Altstetten vermietet die SBB Wohnungen für «dynamisch-orientierte Citizens» und «komfortbedachte Best-Agers».

In ihrer Überbauung Westlink in Zürich-Altstetten vermietet die SBB Wohnungen für «dynamisch-orientierte Citizens» und «komfortbedachte Best-Agers».

Keystone/Christian Beutler
Die Preise sorgen für Kritik. Eine 2,5-Zimmer-Wohnung mit 106 Quadratmetern kostet 3620 Franken monatlich, eine 3,5-Zimmer-Wohnung knapp 4000 Franken pro Monat.

Die Preise sorgen für Kritik. Eine 2,5-Zimmer-Wohnung mit 106 Quadratmetern kostet 3620 Franken monatlich, eine 3,5-Zimmer-Wohnung knapp 4000 Franken pro Monat.

Keystone/Christian Beutler
Die SBB bewirbt die Wohnungen auf Facebook. Dort gibt es harsche Kritik an den hohen Preisen. Es wird auch auf den zu erwarteten Baulärm durch die Umbauten des Bahnhof Zürich-Altstetten hingewiesen.

Die SBB bewirbt die Wohnungen auf Facebook. Dort gibt es harsche Kritik an den hohen Preisen. Es wird auch auf den zu erwarteten Baulärm durch die Umbauten des Bahnhof Zürich-Altstetten hingewiesen.

Screenshot Facebook

In ihrer Überbauung Westlink beim Bahnhof Zürich-Altstetten begrüsst die Vermieterin SBB «moderne Starter, aufgeschlossene Familien, dynamisch-orientierte Citizens und komfortbedachte Best-Agers.» Der «Lebensmittelpunkt für moderne Citizens»hat seinen Preis: Für eine 106 Quadratmeter grosse 2,5 Zimmer-Wohnung im 12. Stock verlangt sie 3620 Franken monatlich, für eine 126-Quadratmeter-Wohnung im 19. Stock werden 3930 Franken monatlich fällig.

Die freien Wohnungen bewirbt die SBB auf Facebook – und erntet harsche Kritik. «Ein richtiges Schnäppchen», schreibt ein Nutzer. «Was sollen diese Preise? Die SBB bekommt Steuergelder und macht Wohnungen für Manager? Danke auch!», schreibt ein anderer. Wieder andere weisen darauf hin, dass am Bahnhof wegen Umbauarbeiten in den nächsten Jahren mit Baulärm zu rechnen sei.

Braucht der Staat ein Vorkaufsrecht?

Die Kritik könnte der im Oktober 2016 eingereichten Initiative «Mehr bezahlbare Wohnungen» des Mieterverbands (SMV) Auftrieb verleihen. Diese will alle bundesnahen Betriebe wie die SBB verpflichten, beim Verkauf von Grundstücken den Kantonen und Gemeinden ein Vorkaufsrecht einzugestehen. Im September kommt die Initiative in den Nationalrat.

Die SBB habe historisch Areale für Aufträge für die Öffentlichkeit erhalten, die sie heute auch für Wohnungen nutze, sagt SMV-Generalsekretärin Natalie Imboden. «Sie muss im Interesse der Allgemeinheit ihren Fokus mehr auf gemeinnützige und bezahlbare Wohnungen setzen. Das ist hier sicher nicht der Fall», sagt sie.

«Gewinn fliesst an die Allgemeinheit»

Die SP-Nationalrätin Jacqueline Badran verweist auf den Leistungsauftrag der SBB, der vom Bundesrat vorgeben wird. Er sieht eine Quersubventionierung innerhalb der SBB durch die Immobilien-Sparte in der Höhe von 300 Millionen Franken pro Jahr vor. «So stossend es ist, dass die SBB auf Gewinnmaximierung machen muss, immerhin fliesst der Gewinn wieder an die Allgemeinheit zurück», sagt Badran. Zudem hätten die Wohnungen ein im Vergleich zu anderen kommerziellen Anbietern gutes Preis-Leistungs-Verhältnis und seien recht gross.

Schlimmer sei, dass die SBB Immobilien teilweise an börsenkotierte Immobilien-Gesellschaften verkaufe. Das sei Veruntreuung von Volksvermögen.«Wenn die SBB mit Immobilien Gewinn macht, ist das Teil des Volksvermögens», sagt Badran – anders als bei börsenkotierten Immobilienunternehmen. «Die Immobilienbranche ist die meist subventionierte des Landes», sagt sie. Jeder Bau löse Investitionen der öffentlichen Hand etwa für Schulen oder Verkehrsinfrastruktur aus, die den Anlage- und Ertragswert der Immobilien steigerten – auf Kosten der öffentlichen Hand.

«Preislich leicht nach unten angepasst»

SBB-Sprecher Christian Ginsig sagt, im Westlink gebe es Wohnungen mit drei Ausbaustandards, die sich von guter Qualität bis hin zu hochwertiger Qualität mit modernster Technik unterscheideten. Der Baulärm sei kein Thema: Die Wohnungen verfügten allesamt über dreifach isolierverglaste Fenster, bis jetzt gebe es keine negativen Rückmeldungen der Mieter.

Einzelne Wohnungstypen seien sehr schnell vollvermietet worden, andere mit einer überdurchschnittlichen Grösse und kleiner Zimmeranzahl seien preislich «leicht nach unten angepasst» worden. Die Wohnungen würden im marktüblichen Mietzinssegment liegen.

In ihrer Immobilienstrategie weist die SBB darauf hin, dass sie den Auftrag des Bundes erfülle, die kommerziell genutzten Liegenschaften marktorientiert zu bewirtschaften und den Wert ihres Immobilienportfolios zu steigern. Jeder von SBB-Immobilien erzielte Gewinn fliesse zurück ins Bahnsystem. Zudem unterstütze die SBB preisgünstigen Wohnungsbau und werde das auch in Zukunft tun.

Deine Meinung