Aktualisiert 11.05.2015 08:18

Grasen an den GleisenDie SBB hat 80 Schafe als Mitarbeiter eingestellt

Die Böschungen entlang der Gleise pflegte die SBB bisher mit Maschinen. Nun übernehmen Schafe diese Aufgabe. Das hat zahlreiche Vorteile.

von
Marco Lüssi
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Leitschaf Bruna mit ihrer Herde: Bei den Tieren handelt es sich um SBB-Angestellte.

Leitschaf Bruna mit ihrer Herde: Bei den Tieren handelt es sich um SBB-Angestellte.

Bruno Augsburger
Ihr Job: Sie übernehmen die Pflege der Böschungen entlang der Geleise. Das könne sie besser als eine Maschine, weil ihnen auch steile und schwer zugängliche Flächen keine Probleme bereiten.

Ihr Job: Sie übernehmen die Pflege der Böschungen entlang der Geleise. Das könne sie besser als eine Maschine, weil ihnen auch steile und schwer zugängliche Flächen keine Probleme bereiten.

Bruno Augsburger
Es handelt sich um Skudde-Schafe. Die ursprünglich ostpreussische Rasse ist vom Aussterben bedroht - indem sie Tiere dieser Rasse beschäftigt, leistet die SBB auch einen Beitrag zur Arterhaltung.

Es handelt sich um Skudde-Schafe. Die ursprünglich ostpreussische Rasse ist vom Aussterben bedroht - indem sie Tiere dieser Rasse beschäftigt, leistet die SBB auch einen Beitrag zur Arterhaltung.

Bruno Augsburger

Mit über 30'000 Angestellten zählt die SBB zu den grössten Arbeitgebern der Schweiz. Neu hat sie auch Tiere als Mitarbeiter: Die SBB hat eine Herde mit 80 Schafen angeheuert. Ihr Job: Sie sind damit beauftragt, die Böschungen entlang der Gleise zu pflegen – dabei handelt es sich schweizweit um eine Gesamtfläche von umgerechnet fast 3800 Fussballfeldern.

Bisher hatte die SBB bei der Böschungspflege vornehmlich auf Maschinen gesetzt. Man sei nun aber zum Schluss gekommen, dass dies nicht immer das optimale Vorgehen gewesen sei, wie Jan-Hendrik Völker-Albert, Leiter Marketing und Nachhaltigkeit bei der SBB, sagt: «Alle Geschäftsfelder überprüfen wir auf ihre Nachhaltigkeit – das erfordert unsere ökologische und gesellschaftliche Verantwortung.» Diese wolle die SBB auch in kleinen Dingen wie der Böschungspflege wahrnehmen.

Schafe fressen die Problempflanzen

Schäfer und Landschaftsarchitekt Christian Fluri, der die SBB-Schafe betreut, sagt, seine Tiere hätten gegenüber Mähmaschinen grosse Vorteile: «Sie gehen beim Abfressen der Flächen sehr rücksichtsvoll vor. Anders als eine Maschine fördern sie die Biodiversität, verschonen sie die Lebensräume von bodenbrütenden Vögeln sowie Schmetterlingen und Heuschrecken und machen vor allem wild wuchernden Problempflanzen den Garaus.»

Die positive Folge: Wenn die Flächen von Schafen bearbeitet werden, erhöht sich die Artenvielfalt. «Dass wir mit unseren Schafen dafür sorgen können, dass entlang der SBB-Gleise möglichst viele Tiere und Pflanzen leben und gedeihen können, freut uns sehr und ist auch im Sinne unserer Kunden», sagt Völker-Albert.

Die SBB-Schafe gehören zu einer seltenen Rasse

Mit der Auswahl der Tiere hat die SBB zudem etwas für die Arterhaltung getan: Sie gehören zur vom Aussterben bedrohten Pro-Specie-Rara-Rasse der Skudde-Schafe. Und die SBB-Herde wächst: Erst kürzlich hat Leitschaf Bruna Junge bekommen. Die seltenen Tiere sind aber auch wegen ihrer Effizienz ausgewählt worden. Fluri: «Sie sind schneller und flinker als Schafe verbreiteterer Arten und finden sich auch in unwegsamem Gelände gut zurecht.»

Gefährlich ist die Arbeit für die Schafe nicht, wie Fluri versichert: «An den meisten Stellen verhindern Lärmschutzwände, dass sie den Gleisen zu nahe kommen – wo dies nicht der Fall ist, errichten wir Zäune.» Der Bahnlärm macht den Tieren nicht zu schaffen: «Auf Geräusche sind sie nicht sensibel. Erschrecken kann sie ein vorbeifahrender Zug nicht.» Im Einsatz sind die SBB-Schafe seit dieser Woche und bis im Dezember – alle ein, zwei Wochen wechseln sie den Weidestandort.

«Vorbildlicher Teamgeist»

Das Vorgehen der Schafe ist immer das gleiche, wie Fluri erklärt: Als Erstes knabbern sie alles ein bisschen an, um sich einen Überblick zu verschaffen. Danach beginnen sie, systematisch zu fressen – wobei zuerst jene Gräser und Kräuter drankommen, die ihnen am besten schmecken. Bei grösseren Flächen teilen sie sich in verschiedene Untergruppen auf, für Ordnung sorgt Leitschaf Bruna. Ein Teil der Tiere ist jeweils nicht mit dem Fressen, sondern mit der Beaufsichtigung der Lämmer beauftragt. Bei einer Fressleistung von drei Quadratmetern pro Tag und Tier wird die Herde mit täglich rund 200 Quadratmetern fertig.

Jan-Hendrik Völker-Albert hat die Schafe schon persönlich besucht – und ist beeindruckt von ihnen: «Ihr Teamgeist ist vorbildlich. Es ist toll, dass die SBB sie zu ihren Mitarbeitern zählen kann.»

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