Aktualisiert 21.06.2019 06:58

Twitterer über Pilotprojekt«Die SBB hat ein Herz für Handy-Zombies»

Am Zürcher Hauptbahnhof geben neu Lichtsignale an, in welche Richtung die Rolltreppe fährt. Handys werden im ÖV zunehmend zum Problem.

von
ehs

So funktioniert die Rolltreppe mit Richtungsanzeige. (Video: M. Temel)

Mit leuchtenden Pfeilen und einem roten Kreuz am Boden zeigt die SBB bei einer Rolltreppe am Zürcher Hauptbahnhof den Pendlern neuerdings, in welche Richtung die Rolltreppen fahren. So können sie beim Blick auf den Boden sehen, ob sie auf eine Rolltreppe zulaufen und einen Unfall riskieren oder ob sie in die richtige Richtung laufen (siehe Video).

Die Anzeige am Boden dürfte vor allem für Pendler, die mit dem Blick auf das Smartphone durch den Bahnhof wandeln, von Vorteil sein. «Die SBB hat ein Herz für Handy-Zombies», schreibt ein Mann auf Twitter zu den LED-Richtungsanzeigern. Der Nutzen der Anzeigen wird bezweifelt: «Wie wäre es mit einfach schauen, wo man hingeht?», schreibt ein anderer Twitter-Nutzer.

Handys werden zum Problem

Bei der neuen Anzeige handle es sich um einen Versuch, sagt SBB-Sprecher Reto Schärli. Die Bahn teste, ob die Anzeigen einen Zusatznutzen für Passanten bringen würden. Fachleute der SBB hätten die im Boden eingebauten Richtungsanzeigen in einem Bahnhof in Deutschland in Betrieb gesehen. Mit Passanten am Handy habe die Anzeige aber keinen Zusammenhang: «Das war kein Thema», so Schärli.

Handys werden im öffentlichen Verkehr aber zunehmend zum Problem. «Dass Leute auf ihr Handy schauen und deswegen Trams oder Busse nicht bemerken, kommt immer häufiger vor», sagt Benjamin Schmid von den Basler Verkehrsbetrieben. Mitarbeiter würden schon in der Ausbildung geschult, für andere mitzudenken. «Wir können nicht viel mehr machen, als die Leute immer wieder darauf hinzuweisen, dass es im Verkehr die volle Aufmerksamkeit braucht.»

Verletzte wegen Handys

Unaufmerksame Fussgänger am Handy seien ein Problem, das sich verschärfe, heisst es auch bei Bernmobil. «Besonders bitter ist es dann, wenn Fahrer wegen solchen Leuten einen Notstopp reissen müssen und es zu Verletzten im Fahrzeug kommt», sagt Sprecher Rolf Meyer. «Die Verursacher selbst merken das gar nicht immer.»

Pendler am Handy gefährden auch sich selbst. «Das grössere Problem ist die Unaufmerksamkeit wegen Handys im Bus selbst», sagt Marlen Schellmann von Stadtbus Winterthur. «Die Leute halten sich nicht mehr fest, weil sie aufs Handy blicken. Wenn es zu einer Vollbremsung kommt, stürzen sie so schneller.»

Gefahren, die durch «Smombies» – eine Wortkombination aus «Smartphone» und «Zombies» entstehen, sind nicht nur in der Schweiz ein Problem. In Vilnius in Litauen wurde nun sogar eine Sonderspur für Smombies eingeführt. So können Fussgänger während des Gehens ungehindert auf ihr Smartphone blicken.

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