Littering-Problem: Die SBB schreiben den Dreck schön
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Littering-ProblemDie SBB schreiben den Dreck schön

Ein vertraulicher SBB-Report widerspricht dem Bild, das das Unternehmen offiziell von der Sauberkeit an Bahnhöfen und in Zügen zeichnet. Dafür standen 21 Testkunden im Einsatz.

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sep
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Reisende liessen nach einer Fahrt mit dem Zug Abfall im Abteil zurück. (Archivbild)

Reisende liessen nach einer Fahrt mit dem Zug Abfall im Abteil zurück. (Archivbild)

Keystone/Martin Ruetschi
Berge mit Müllsäcken in der Halle der Zürcher Hauptbahnhofs sollen verdeutlichen, welche Müllmengen an drei Tagen in den Zügen der SBB und am Zürcher Bahnhof anfallen. (1. März 2012)

Berge mit Müllsäcken in der Halle der Zürcher Hauptbahnhofs sollen verdeutlichen, welche Müllmengen an drei Tagen in den Zügen der SBB und am Zürcher Bahnhof anfallen. (1. März 2012)

Keystone/Steffen Schmidt
Die SBB hat Recycling-Stationen in den Bahnhöfen eingeführt, dafür die Kübel in den Zügen entfernt: Im Hauptbahnhof am 3. November 2014 in Bern.

Die SBB hat Recycling-Stationen in den Bahnhöfen eingeführt, dafür die Kübel in den Zügen entfernt: Im Hauptbahnhof am 3. November 2014 in Bern.

Keystone/Peter Klaunzer

Gemäss der offiziellen Darstellung der SBB steht es gut um die Ordnung und Sauberkeit in den Zügen und Bahnhöfen der Schweiz. Über die Jahre geht in den Geschäftsberichten die Kurve tendenziell nach oben. Während letztes Jahr die Ziele «erreicht/fast erreicht» wurden, seien diese gemäss dem Unternehmen im Jahr 2015 sogar «übertroffen» worden.

Doch dem widerspricht ein interner, als «vertraulich» gekennzeichneter Bericht, der der «Schweiz am Wochenende» vorliegt. In diesem sinkt die Kurve stetig. Interne, von den SBB angestellte Testkunden kommen darin zum Schluss, dass die Bahnhöfe sowie Züge in letzter Zeit schmutziger geworden sind. Am schlimmsten stünde es um die kleinen Bahnhöfe, die Velostationen und Warteräume. Es würden sich sowohl bei der Art der Züge als auch bei den Klassen keine Unterschiede abzeichnen.

10'000 Messungen in Zügen

Doch es gab es auch positive Testresultate. Die Ordnung wurde als gut befunden, auch der Vandalismus habe abgenommen. Und im Gegensatz zu den Velostationen und Warteräumen wurden die Toiletten besser bewertet.

Die SBB lassen jährlich rund 10'000 Messungen in Zügen und 13'000 an Bahnhöfen von 21 Testkunden durchführen. Die Testresultate sind ausschlaggebend für Bonus-Malus-Systeme.

Mehr Fahrgäste, aber nicht mehr Reinigung

Der Abwärtstrend wurde von den SBB gegenüber der Zeitung bestätigt, jedoch relativiert Mediensprecher Christian Ginsig die Zahlen. Das Niveau sei nach wie vor hoch, die Situation sei nicht dramatisch. Die Tendenz sei nicht mit der Reinigungsleistung des Unternehmens, sondern mit der Zunahme der Fahrgäste zu erklären.

Anders sieht es die Gewerkschaft des Verkehrspersonals SEV. Das Reinigungspersonal habe als Konsequenz von Einsparungen immer weniger Zeit zur Verfügung, heisst es dort. «Es gab in den vergangenen Jahren mehr Reisende, mehr Abfall, jedoch nicht mehr Reinigung.» fasst Gewerkschaftssekretär Jürg Hurni zusammen.

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