Nothilfe für Kriegsopfer: Die Schattenseiten der Revolution
Aktualisiert

Nothilfe für KriegsopferDie Schattenseiten der Revolution

Trotz der grossen Euphorie: Der Freiheitskampf der Libyer fordert unzählige Opfer. Médecins Sans Frontières behandelten in den letzten Tagen hunderte Verwundete und verlegten ein Team in die Nähe von Tripolis.

von
A.Hirschberg
Hunderte Verletzte hat das MSF-Team in den letzten Tagen behandelt.

Hunderte Verletzte hat das MSF-Team in den letzten Tagen behandelt.

Während in der libyschen Hauptstadt Tripolis Rebellen und Gaddafi-Anhänger um die letzten Quartiere kämpfen, hat die Hilfsorganisation Médecins Sans Frontières (MSF) ihr Team nach Sawija (50 Kilometer westlich von Tripolis) verlegt. «Zwei spezialisierte Krankenschwestern, ein Chirurg, ein Anästhesist und ein Doktor sind vor wenigen Stunden in der Hafenstadt eingetroffen», erzählt Mike Bates, Notfall-Koordinator von MSF, gegenüber 20 Minuten Online am Telefon. Da Tripolis noch zu gefährlich ist, wird die Hilfsorganisation von Sawija aus Verletzte behandeln.

Die sich überschlagenden Ereignisse der letzten Tage waren auch für MSF eine grosse Herausforderung. «Bis jetzt waren wir in Jefren im Landesinnern und haben von dort aus die Verwundeten behandelt», so Bates. Als sich vor rund zwei Wochen die Kampflinie anfing zu bewegen, habe man versucht, das Team näher ans Kriegsgebiet zu verlegen. Doch die Rebellen eroberten rasend schnell Stadt um Stadt. «Während wir einen Ort in Erwägung zogen, erwies sich schon ein weiterer als noch näher», erzählt Bates. Nun habe man sich für Sawija entschieden. «Die Lage ist ziemlich sicher, es gibt nur noch wenige Nester mit Gaddafi-treuen Kämpfern und wir sind in der Nähe von Tripolis.»

Unterstützung in der Notfallchirurgie

Das Team von MSF wird im Spital von Sawija mit offenen Armen empfangen. Während die Versorgungslage mit Medikamenten, Hilfsmitteln und Verbandszeug gut ist, fehlt es an Personal, das sich mit Kriegsverletzungen auskennt. «Die Chirurgen dort haben nicht so viel Erfahrung in medizinischer Nothilfe mit so vielen Verwundeten und sind froh über die Unterstützung durch unsere Spezialisten», sagt Bates.

In den vergangenen zwei Wochen hat MSF in Jefren 260 Verletzte behandelt. «Die unglaubliche Menge zeigt, wie heftig die Kämpfe der letzten Tage waren.»

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