Aktualisiert 19.04.2019 07:21

Tonnen landen im MüllDie Schattenseiten der Schweizer Spargelsaison

Die Schweizer Spargelzeit hat begonnen. Doch landen viele Tonnen des Gemüses im Abfall.

von
pal/rc
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Weil das Gemüse nicht dem verlangten Schönheitsideal entspricht, werden etliche Spargeln direkt in die Biogasanlage geworfen.

Weil das Gemüse nicht dem verlangten Schönheitsideal entspricht, werden etliche Spargeln direkt in die Biogasanlage geworfen.

ZVG: Gemüsgarten Bern
Rechts sind Spargeln abgebildet, wie man sie im Verkauf sieht. Viele Spargeln mit Schönheitsmakel (wie links abgebildet) werden direkt aussortiert.

Rechts sind Spargeln abgebildet, wie man sie im Verkauf sieht. Viele Spargeln mit Schönheitsmakel (wie links abgebildet) werden direkt aussortiert.

Gemüsegarten Bern
Dies weil die Spargeln den Normen nicht entsprechen würden: «Sie sind entweder zu dick, zu dünn, gespalten oder zu krumm, wären aber absolut schmack- und narhaft.»

Dies weil die Spargeln den Normen nicht entsprechen würden: «Sie sind entweder zu dick, zu dünn, gespalten oder zu krumm, wären aber absolut schmack- und narhaft.»

Gemüsegarten Bern

In der Schweiz werden derzeit fleissig Spargel gestochen, gekauft und gekocht. Doch lange nicht jeder Spargel landet auf dem Teller. Weil das Gemüse nicht dem verlangten Schönheitsideal entspricht, werden Teile der Ernte direkt in die Biogasanlage geworfen.

800 Tonnen Spargeln werden in der Schweiz geerntet, wie viele nicht in den Verkauf dürfen, ist nicht klar. Weder der Schweizer Bauernverband noch der Verband Schweizer Gemüseproduzenten geben gegenüber 20 Minuten an, diesbezüglich Zahlen zu kennen.

Nur etwa 70 Prozent werden verkauft

Einen Anhaltspunkt liefert jedoch das Familienunternehemen Jucker-Farm. Der Betrieb erntet jährlich bis zu 180 Tonnen Spargeln. Davon können jedoch nur etwa 70 Prozent verkauft werden, wie Raphael Peterhans, Betriebesleiter des Spargelhof in Rafz bestätigt: «Gut 10 Prozent der Spargelernte können wegen Äusserlichkeiten nicht verkauft werden.» Die restlichen 20 Prozent werden zu Biogas verwandelt oder von der hofeigenen Manufaktur zu Suppe verarbeitet.

Der Betriebsleiter hat derzeit alle Hände voll zu tun, er spricht von einer üppigen Spargelsaison. Er rechnet heuer mit 18 Tonnen Spargeln, die wegen eines Schönheitsmakels nicht in den Verkauf kommen werden.

Die Zweitklass-Spargeln sind da

Ware, die dem Schönheitsanspruch nicht genügt, wird im Berner Lebensmittelgeschäft Gmüesgarte vertrieben, welches sich den Kampf gegen Foodwaste auf die Fahne geschrieben hat. Das Geschäft in der Altstadt will heuer acht Tonnen Spargeln vor der Biogasanlage retten, am Mittwoch kam die erste Lieferung.

Mitbesitzer Simon Weidmann spricht von einer Tragödie: «Die Spargeln sind entweder zu dick, zu dünn, gespalten oder zu krumm – aber alle absolut schmack- und nahrhaft.» Mit seinem Geschäft kämpft der Berner aktiv gegen Foodwaste in dem er nur Waren verkauft, die nicht mehr lange haltbar sind oder gewisse Normen nicht erfüllen können. «Es ist traurig zu wissen, dass diese Spargeln sonst verloren gehen», sagt der 33-Jährige.

«Die Vorgaben sind sehr strikt»

Für Weidmann kann es so nicht weitergehen: «Es sollte sich dringend etwas in unserer Gesellschaft ändern.» Es könne nicht sein, dass tagtäglich so viele Lebensmittel verschwendet werden. Nicht zuletzt stecke auch viel Arbeit hinter geernteten Lebensmittel.

Das sieht auch Raphael Peterhans von der Jucker-Farm so: «Die Vorgaben sind sehr strikt und der Konsument will stets ein sauberes, einheitliches Produkt. Es wäre sicher sinnvoll, die Normen in der ganzen Lebensmittelindustrie ein wenig zu lockern.»

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