Aktualisiert 26.08.2012 18:52

Was wäre, wenn ...?Die schaurig-schöne Welt der Atompilz-Touris

Im Kalten Krieg war sie allgegenwärtig: Die Gefahr der Atombombe. Jetzt macht sie ein Künstler wieder zum Thema – indem er sie als Sujet von Gaffern neu inszeniert.

von
kmo

«Die Bedrohung durch Atomwaffen ist auch heute noch so aktuell wie während des Kalten Kriegs. Aber sie ist verborgen», sagt Clay Lipsky auf seinen Websites «Go Clay Go» bzw. «Atomic Overlook». Mit seinen gelungenen Fotomontagen, die man auch als Einzelabzüge kaufen kann, will er diese Gefahr wieder sichtbar machen.

Und nicht nur das: Der US-Amerikaner stellt sich auch vor, wie es wäre, wenn diese Technologie erst im heutigen Informationszeitalter Einzug hielte. Die Katastrophentouristen hätten ein neues Ziel. Von überall her würden sie anreisen und mit ihren Smartphones Bilder von den Atompilzen machen.

Gaffen, bis man nichts mehr fühlt

Das Internet wäre bald voll davon, und auch die Medien würden die Aufnahmen immer und immer wieder bringen, bis man sie nicht mehr sehen kann. Und vor allem: bis man den Schrecken nicht mehr spürt.

Atomic Alert

Auf Lipskys Bildern sieht man Liebespaare und Einzelpersonen, ganze Familien und spielende Kinder, immer mit dem Rücken zum Fotografen einer Sehenswürdigkeit zugewandt. Nur dass diese Sehenswürdigkeit eben ein Atompilz ist.

Als Atombomben harmlos waren

Die Fotos erinnern auch an die Aufnahmen von Atombombentests aus den Fünfzigerjahren, als die Atommächte die Auswirkungen dieser Waffe noch masslos unterschätzten (siehe Videos unten). Im Jahr 1952 etwa, bei der Testserie «Operation Snapper», beobachteten 1450 Soldaten auf einem Testgelände im US-Bundesstaat Nevada die Explosion einer Atombombe – aus einer Distanz von nicht mal 6,4 Kilometern Entfernung. Es war einer von unzähligen Tests.

Der Kalte Krieg mag vielleicht vorbei sein. Aber die Gefahr, die von den vielen Nuklearwaffen ausgeht, ist immer noch aktuell. Und eins ist sicher, sagt Lipsky: Falls wieder eine Atombombe in aller Öffentlichkeit gezündet würde, die Welt würde nicht zögern, sich dieses Spektakel anzusehen. Immer und immer wieder.

US-Atomtest «Operation Tumbler Snapper» im Jahr 1952:

Quelle: Youtube.com/nevadasite

Der ungekürzte Armee-Film derselben Teststerie:

Quelle: Youtube.com/nuclearvault

Atombombe in Stanley Kubriks «Dr. Strangelove» (1964):

Quelle: Youtube.com/Laurenan69

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