Filmemacher Luki Frieden: «Die Schicksale haben mich sehr berührt»
Aktualisiert

Filmemacher Luki Frieden«Die Schicksale haben mich sehr berührt»

Um Suizide zu verhindern, lancierte die SBB zusammen mit dem Kanton Zürich die Kampagne «Reden kann Retten». Der Thuner Filmemacher Luki Frieden hat die Porträts gefilmt.

von
stm

Luki Frieden über die Zusammenarbeit mit den Betroffenen.

Denn Menschen in einer Lebenskrise fällt es oft schwer, sich rechtzeitig Hilfe zu holen und darüber zu sprechen. Mit der Kampagne «Reden kann retten» wollen die SBB und der Kanton Zürich gemeinsam darauf aufmerksam machen, dass man helfen kann.

Drei Menschen, die sich im Sog einer tiefen Depression befanden, erzählen in kurzen Videoclips von ihrem Suizidversuch. Luki Frieden porträtierte die Betroffenen und führte mit ihnen sehr intime Gespräche über Hoffnungslosigkeit und Tod. Die Kampagne startete Mitte Mai: Die Gespräche sind in 15-sekündigen Teasern oder in voller Länge auf reden-kann-retten.ch zu sehen.

Erfahrung mit dem Thema Suizid

«Suizid ist ein Thema, das in der Schweiz viele Leute angeht», sagt der 44-Jährige. Da er in seinem engsten Umfeld selber erlebt habe, wie jemand eine ernsthafte Krise durchmachte und sich beinahe umbringen wollte, sei es für ihn eine Herzensangelegenheit gewesen, bei diesem Projekt mitzumachen – obwohl das Kampagnen-Budget nicht besonders gross war.

Er wisse aus eigener Erfahrung, dass Reden in akuten Notsituationen helfen könne. «Die porträtierten Menschen haben mich tief berührt. Am Ende des Tages geht man mit einem guten Gefühl zu Bett, im Wissen, dass man an einem existentiellen Thema gearbeitet hat.»

Persönliche Gespräche geführt

Emotional seien auch die Gespräche gewesen, die er mit den betreffenden Personen im Vorfeld des Drehs geführt habe. «Ich habe die Menschen zu Hause besucht», so der Thuner. In einem vertrauten Rahmen hätten ihm diese ihre persönlichen Schicksale erzählt.

«Die Porträtierten haben sich mir gegenüber sehr geöffnet», sagt Frieden. Im Gegenzug habe auch der Filmemacher von seinen Erfahrungen mit dem Thema erzählt. «Dies hat eine Nähe zwischen den Betroffenen und mir geschaffen», sagt Frieden.

Von ganz tief unten nach ganz oben

Diese Vertrautheit ist in den Videoclips spürbar. Auch gehe es den Betroffenen heute besser als früher, was Frieden besonders freut. Philipp Zürcher habe beispielsweise einige Tage vor den Dreharbeiten seinen Traumjob erhalten. «Es ist berührend zu sehen, dass ein Mensch, der ganz tief unten ist und sein Leben lang gekämpft hat, belohnt wird und etwas zurückbekommt», sagt Frieden.

Protagonist Philipp Zürcher arbeitet jetzt selber mit psychisch kranken Menschen. «Ich finde es sehr schön, denn Philipp befindet sich auf der gleichen Ebene wie die Betroffenen.» So könne er ihre persönlichen Erfahrungen teilen. Frieden: «An einem Endpunkt sein und sich wieder hochkämpfen, auch das kann das Leben ausmachen.»

Wieso engagiert sich die SBB?

Die SBB ist von Schienensuiziden und Suizidversuchen stark betroffen. Nebst dem enormen Leid für die Angehörigen haben Suizide auch gravierende Auswirkungen auf die Kunden und die Mitarbeitenden der SBB. Deshalb betreibt die SBB als verantwortungsvolle Unternehmung eine aktive Suizidprävention. Neben der Kampagne «Reden kann retten» handelt die SBB mit weiteren Massnahmen – so werden beispielsweise zahlreiche Mitarbeitende im Erkennen und Ansprechen möglicherweise suizidaler Personen geschult. Ziel dieses Engagement ist es, die Anzahl Schienensuizide zu reduzieren.

Suizid-Hilfe

Suizidgedanken? Hier finden Sie Hilfe Beratung: Dargebotene Hand, Tel. 143, (143.ch); Online-Beratung für Jugendliche mit Suizidgedanken: U25-schweiz.ch Angebot der Pro Juventute: Tel. 147, (147.ch) Kirchen (Seelsorge.net) Anlaufstellen für Suizid-Betroffene: Nebelmeer – Perspektiven nach dem Suizid eines Elternteils (Nebelmeer.net); Refugium – Geführte Selbsthilfeg

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