Bielersee-Drama: Die Schiffsschraube ist beschädigt
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Bielersee-DramaDie Schiffsschraube ist beschädigt

Das Gutachten zum tödlichen Bootsunfall auf dem Bielersee präsentiert keine eindeutigen Beweise, die den Unternehmer U.T. überführen. Doch es stellt klar: Das Boot kommt als Tatwaffe in Frage.

von
ann

Es war gegen sechs Uhr abends am 11. Juli 2010, als Stephan F. und seine Freundin Angela A. mit einem gelben Gummischlauchboot von der St. Petersinsel zurück ans andere Ufer paddeln wollten. Plötzlich hörten sie Motorgeräusche. Ein weinrotes Motorboot rast auf sie zu. Stephan F. steht im Gummiboot auf, winkt mit den Armen und ruft – erfolglos. Dann bringen sich die beiden mit einem Sprung ins Wasser in Sicherheit. Stephan F. taucht unverletzt wieder auf. Auch seine Freundin Angela kommt an die Oberfläche. Doch sie kann nicht mehr schwimmen. Die Schiffsschraube hat ihr beide Beine abgetrennt – sie verblutet noch im See. Der Bootsführer beging derweil Fahrerflucht und hat sich bis heute nicht gestellt.

Rund zwei Wochen nach dem Vorfall kommt der vermögende Unternehmer U.T. ins Visier der Polizei. Trotz dessen Unschuldsbeteuerungen wird sein Boot beschlagnahmt, die Schiffsschraube demontiert und mehrfach untersucht. Ein dreiviertel Jahr nach dem schrecklichen Unfall liegen ein Bericht des Instituts für Rechtsmedizin, ein kriminaltechnischer Bericht der Kantonspolizei Bern und eine Expertise des Forensischen Instituts Zürich vor.

Partikel nicht eindeutig menschlich

Die Untersuchung der Schiffsschraube, die dem «SonntagsBlick» vorliegt, spricht Unternehmer U.T. nicht gänzlich von Schuld frei. An der Schraube wurde ein heller Fremdpartikel gefunden. Er befand sich in einer grossen Kerbe an der Schaufel. Das winzige Teilchen besteht gemäss Forensischem Institut aus Calcium und Phosphat – Elemente aus denen auch Knochen zusammengesetzt sind. Doch dem Institut gelingt es nicht, den Partikel eindeutig zu identifizieren. Die Menge war zu gering.

Darum wird ein weiteres Verfahren angewendet. Zur Untersuchung der Schäden an der Schraube des Bootes von U.T. wird sie mit einer anderen Schraube verglichen, die ebenfalls in einen tödlichen Unfall verwickelt war. Es handelt sich um den Unfall vom 26. Mai 1993 auf dem Zürichsee. Damals hatte ein Motorboot ein junges Paar in einem Schlauchboot gerammt. Die Frau geriet ebenfalls in die Schiffsschraube und starb.

Beschädigungen an beiden Schrauben ähnlich

Die beiden Schrauben sind nicht vom gleichen Typ. Sie sind gemäss Untersuchungsbericht aber von vergleichbarem Material – sie sind ähnlich hart und ähnlich gross. Die Experten verglichen die Verletzungen der beiden Opfer und die Beschädigungen an den Schrauben und versuchten zu analysieren, ob das Motorboot von U.T. als Tatwaffe in Frage kommt. Sie kommen zum Schluss, dass die Beschädigungen der Schiffsschraube vom Bielersee «ähnliche Merkmale aufweisen», wie jene vom Zürichsee.

So bestehen beide Schiffsschrauben aus drei Blättern. In beiden Fällen ist das Blatt eins stärker beschädigt als Blatt zwei und Blatt drei hat gar keine Schadensspuren. Die Veränderungen an der Bielersee-Schraube sind aber deutlich geringer als jene an der Zürichsee-Schraube. Die Forensiker erklären die Unterschiede mit der Andersartikeit der Knochenbrüche und der unterschiedlichen Kantenbeschaffenheit der beiden Blätter.

Beweise sind nicht eindeutig

Der Untersuchungsbericht folgert daraus, dass «weder ein eindeutiges Merkmal noch ein fehlendes eindeutiges Merkmal an der Bielersee-Schraube feststellbar ist.» Entsprechend heisst es im Untersuchungsbericht: «Aufgrund des Analogie-Verfahrens kommt die Schiffsschraube vom Bielersee als Tatwaffe in Frage.»

Damit steht fest: Die Beschädigungen an der Schraube können durch einen Zusammenstoss des Motorboots mit Angela A. verursacht worden sein. Zweifelsfrei beweisen lässt sich dies aber nicht.

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