26.07.2020 18:48

Clubbetreiber«Die Schliessung stellt uns finanziell vor grosse Probleme»

Wegen drei Corona-Fällen muss Clubbetreiber Dino Dragic-Dubois das «Kapitel Bollwerk» schliessen. Eine Person ging trotz Symptomen an eine Party, die Berner Gesundheitsdirektion nimmt sie in Schutz.

von
Joel Probst
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Die Berner Kantonsärztin hat angeordnet, dass der Club «Kapitel Bollwerk» per sofort für 10 Tage geschlossen wird,. (Symbolbild)

Die Berner Kantonsärztin hat angeordnet, dass der Club «Kapitel Bollwerk» per sofort für 10 Tage geschlossen wird,. (Symbolbild)

KEYSTONE
Eine Person, die am letzten Wochenende im Berner Club Kapitel feierte, wurde am Freitag postitiv auf Corona getestet. Zwei weitere kamen am Samstag dazu.

Eine Person, die am letzten Wochenende im Berner Club Kapitel feierte, wurde am Freitag postitiv auf Corona getestet. Zwei weitere kamen am Samstag dazu.

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Sämtliche Personen, die an derselben Party zugegen waren, müssen nun für zehn Tage in Quarantäne.

Sämtliche Personen, die an derselben Party zugegen waren, müssen nun für zehn Tage in Quarantäne.

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Darum gehts

  • Die Clubschliessung trifft das «Kapitel Bollwerk» laut dem Betreiber hart.
  • Die Berner Gesundheitsdirektion nimmt die Person, die trotz Symptomen im Club Party machte, in Schutz.
  • Bern prüft die Einführung einer Maskenpflicht in Clubs.

Die Türen des Berner Clubs «Kapitel Bollwerk» bleiben wegen drei Corona-Fällen für mindestens zehn Tage zu. Die Schliessung hat das Kantonsarztamt am Samstag um 23 Uhr angeordnet. Den Club trifft das hart, wie Betreiber Dino Dragic-Dubois sagt: «Die Schliessung stellt uns finanziell vor grosse Probleme.» Und das nicht nur wegen der Umsatzeinbussen: «Anfangs August hätte eine grosse Veranstaltung mit internationaler Beteiligung stattgefunden. Auch auf den Kosten für gebuchte Hotels, die Reise und die Gagen bleiben wir jetzt wohl sitzen.»

Der erste Corona-Fall in Dragic-Dubois Club gab das Kantonsarztamt bereits am Freitag bekannt. In der Nacht von vergangenem Samstag auf Sonntag feierte jemand im Club, der danach positiv auf das Coronavirus testete. Am Samstag stellte sich dann heraus, dass noch zwei weitere Personen nach der Party positiv getestet wurden – eine von ihnen ging trotz Symptomen auch am Donnerstag noch ins «Kapitel Bollwerk».

«Kein willentliches Spreading»

Dass sie mit einer positiv getesteten Person in Kontakt gestanden habe, wusste sie da allerdings noch nicht: Sie sei erst später, und zwar am Freitag, vom Kantonsarztamt darüber informiert worden, sagt Gundekar Giebel, Sprecher der Berner Gesundheitsdirektion (GSI). «Als die Person am Donnerstag in den Club ging, dachte sie wahrscheinlich, sie habe eine gewöhnliche Erkältung», so Giebel. Insofern könne ihr kein willentliches Spreading vorgeworfen werden. Dennoch mahnt Giebel: «Auch wer schwächere Symptome aufweist, gehört nach Hause und soll Kontakte zu anderen meiden.»

Der Clubbetreiber Dragic-Dubois ist der Person nicht böse. Er unterstützt die Schliessung des Clubs sogar: «Wir haben selbst umgehend nach Bekanntwerden des zweiten und dritten Falls entschieden, den Club für 10 Tage zu schliessen», sagt er. Erst später habe die Clubleitung erfahren, dass die Kantonsärztin eine Schliessung sogar verordnet. «Für uns ist die Schliessung unschön, aber in dieser Situation zum Schutz der Gäste und Angestellten selbstverständlich.» Jetzt sei es wichtig, dass sich seine Gäste auch wirklich an die angeordnete Quarantäne hielten.

Maskenpflicht steht zur Diskussion

Wann sein Club wieder die Türen öffnet, weiss Dragic-Dubois noch nicht: «Für uns ist das momentan sekundär. Wir werden das mit dem Kantonsarztamt koordinieren.» Von einer langfristigen Schliessung will der Clubbetreiber allerdings nichts wissen: «Wir glauben, dass das Schutzkonzept stimmig ist. Dieses wurde auch so vom Bundesamt für Gesundheit validiert und am vergangenen Samstagabend von der Kantonspolizei Bern überprüft. Immerhin hatten wir seit dem Lockdown-Ende 4000 Gäste und gerade einmal 3 Ansteckungen.»

Dennoch: «Mit einem Clubbesuch geht man ein Risiko ein», sagt Clubbetreiber Dragic-Dubois offen, «darauf weisen wir die Partygänger auch hin». Er rät: «Wenn man im Club war, sollte man vielleicht am nächsten Tag nicht das Grosi besuchen gehen.» Die Gesellschaft müsse lernen, mit dem Virus zu leben: «Aber deshalb können wir nicht einfach die Kulturszene völlig verbieten.»

Eine Schliessung aller Diskotheken im Kanton ist auch in der Gesundheitsdirektion derzeit kein Thema. «Das Contact-Tracing anhand der Listen hat gut funktioniert», sagt Sprecher Giebel. Momentan könne man die Herde noch eingrenzen und die Infektionsketten zurückverfolgen. «Solange das möglich ist, wäre eine allgemeine Schliessung verfrüht.» Eine Maskenpflicht bei grösseren Veranstaltungen, inklusive Nachtclubs, stehe hingegen zur Debatte. Ob eine solche eingeführt werde, hänge von der Entwicklung der Fallzahlen ab.

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205 Kommentare
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Xena

28.07.2020, 00:04

Ich hoffe das alle Egoisten und Narzissten irgendwann auch zu der aussterbenden Art gehören, die trotz Symptomen Party machen. Wenn alle Clubs Konkurs gehen und Leute ihren Arbeitsplatz verlieren, frage ich mich, was es dann noch zu feiern gibt. Das grösste übel dieses Planeten ist nicht der Virus, der ist mir mittlerweile sympathischer als gewisse Menschen.

Realist

27.07.2020, 21:52

Wieso stellt die Maskenpflicht ein Problem dar? War gerade in Portugal. Da tragen alle konsequent Masken und das ohne Jammern bei über 35°. Aber die Schweizer jammern?!

TheCaveman

27.07.2020, 10:12

Mein Chef steht finanziell auch vor großen Problemen, wenn sich unsere Feierlustigen am Samstag infizieren und am Montag zur Arbeit kommen..... Jeder muss einen Teil lassen....