Raiffeisen-Chef: «Die Schliessungen sind unvermeidlich»
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Raiffeisen-Chef«Die Schliessungen sind unvermeidlich»

Raiffeisen schliesst Hunderte Filialen – man müsse «mit der Zeit gehen», sagt Raiffeisen-CEO Patrik Gisel im Interview mit 20 Minuten. Dennoch will die Bank lokal präsent bleiben.

von
K. Wolfensberger

Herr Gisel, Sie lassen Hunderte Raiffeisen-Geschäftsstellen sterben. Warum?

Es ist korrekt, dass wir in den nächsten fünf bis sieben Jahren ungefähr 250 bis 300 unserer 1000 Geschäftsstellen schliessen. Ich glaube, wir müssen hier mit der Zeit gehen. Die Schliessungen sind unvermeidlich. Die Kunden wickeln ihre Geschäfte immer häufiger übers Online-Banking ab. Dadurch geht die Zahl der Transaktionen in den Geschäftsstellen stark zurück. Die Entwicklung zum E-Banking geht auch an uns nicht vorbei. Ich bin aber überzeugt: Wir werden auch längerfristig die Bank mit der grössten lokalen Präsenz in der Schweiz bleiben.

Sie sind erst seit Oktober CEO der Raiffeisen-Gruppe – und schon können Sie einen Rekordgewinn verkünden. Einen besseren Einstand könnte es nicht geben, oder?

Das ist sicher so. Ich freue mich nicht nur über die Höhe, sondern vor allem auch über die Qualität dieses Gewinns. So konnten wir einen grossen Teil dieses Rekordgewinns über das operative Bankgeschäft erwirtschaften.

Ihr Vorgänger Pierin Vincenz war einer der bekanntesten Banker der Schweiz – wie war es, in seine Fussstapfen zu treten?

Es ist motivierend, einen Vorgänger zu haben, der so erfolgreich war. Persönlich kenne ich Pierin Vincenz gut, weil wir 15 Jahre zusammengearbeitet haben. Nun liegt es an mir, alles dafür zu tun, dass es gleich erfolgreich weitergeht.

Die Raiffeisen ist nach wie vor eine Genossenschaft. Ein alter Zopf oder ein Modell für die Zukunft?

Das Modell Genossenschaftsbank ist sehr zukunftsträchtig, sogar zukunftsträchtiger als viele andere Modelle. Seine Stärken sind Transparenz und Langfristigkeit. Die Genossenschaft mit ihren partizipativen Grundstrukturen gewährleistet, dass diese beiden Stärken erhalten bleiben. Revolutionäre Strategieänderungen von einem Tag auf den anderen sind in einer Genossenschaft nicht möglich. Das ist im sehr sensiblen Bankgeschäft von Vorteil.

Wie ist Ihre Prognose für 2016?

Ich glaube, wir werden unser Geschäft – trotz schwieriger Gesamtsituation – erfolgreich weiterentwickeln können. Wir werden wieder ein schönes Wachstum erzielen können. Schwer wird es aber für andere Sektoren der Schweizer Wirtschaft. Die Exportindustrie steht nach wie vor harten Zeiten gegenüber, wegen des Franken-Euro-Kurses und der Negativzinsen.

Wie stark belasten die Negativzinsen ihr Geschäft?

Die Negativzinsen erhöhen unsere Absicherungskosten. Diese kann man in der Marge nicht endlos auf die Kunden abwälzen. Wir konnten die Marge zwar halten, aber die Situation trägt längerfristig zu ihrer Reduktion bei. Unsere Antwort darauf sind zum Beispiel Effizienzsteigerungen.

Sie sind dafür bekannt, in Ihrer Freizeit viel Sport zu treiben. Sind Sportler die besseren Manager?

Sport ist auf jeden Fall sehr wichtig. Ich persönlich nehme mir auch in meiner neuen Funktion noch die Zeit zum Trainieren. Wenn ich keinen Sport treibe, bin ich für meine Mitmenschen nicht immer sehr angenehm im Umgang (lacht).

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