Aktualisiert 26.07.2011 15:45

Hunger in Ostafrika

«Die schlimmste humanitäre Katastrophe»

Der Osten Afrikas wird von einer verheerenden Dürre heimgesucht. Rund zehn Millionen Menschen brauchen Hilfe. Die Glückskette hat ein Spendenkonto eröffnet.

von
pbl

Die Dürre am Horn von Afrika gilt als die schwerste der vergangenen 60 Jahre. Seit rund drei Jahren hat es nicht mehr richtig geregnet. Ernten fielen aus, das Vieh ist gestorben. Teile Äthiopiens und Kenias leiden unter der Trockenheit, am stärksten betroffen aber ist Somalia. Das Land ist durch jahrzehntelange Kämpfe und ständigen Krieg völlig ausgezehrt.

Der Chef des Uno-Flüchtlingshilfswerks UNHCR, Antonio Guterres, bezeichnete die Lage in Somalia als «schlimmste humanitäre Katastrophe der Welt». Hunderttausende Menschen sind in den vergangenen Wochen vor der Hungersnot nach Kenia und Äthiopien geflohen. «Was ich hier in diesem Monat gesehen habe, ist mit nichts zu vergleichen» sagte Guterres am Sonntag bei einem Besuch des Flüchtlingslagers Dadaab in Kenia.

Er rief die internationale Gemeinschaft zu «massiven Spenden» für die rund 380 000 Menschen auf, die derzeit in dem völlig überfüllten Lager leben. «Ich habe eine Mutter gesehen, die auf dem Weg dorthin drei ihrer Kinder verloren hat», zitierte der Fernsehsender Al Jazeera Guterres. Zuvor hatte der UNHCR-Chef bereits ein Camp in Äthiopien besucht. Am schlimmsten von der Dürre betroffen ist die Grenzregion zwischen den drei Ländern.

Hungerkatastrophe befürchtet

Das Welternährungsprogramm (WFP) schätzt, dass mindestens zehn Millionen Menschen in der Region Nahrungshilfe benötigen. Rund zwei Millionen Kinder leiden nach Angaben des Uno-Kindeshilfswerks UNICEF an Unterernährung. Die Vereinten Nationen verteilen unter anderem mit Vitaminen und Mineralien angereicherte Lebensmittel. Hilfswerke warnen vor einer Hungerkatastrophe wie in den 80er Jahren, als rund eine Million Menschen starben.

Judith Schuler vom WFP in Äthiopien erklärte, zahlreiche Mütter aus Somalia, die in den Zentren im Südosten des Landes Zuflucht gesucht haben, hätten wegen der Dürre ihre gesamte Ernte und alles Vieh verloren. «Sie waren nicht mehr in der Lage, genug Essen zu finden, damit ihre Kinder gesund bleiben können.» Um den Menschen weiter helfen zu können, würden bis zum Ende des Jahres wahrscheinlich 477 Millionen Dollar benötigt, hiess es.

Islamisten-Miliz will Hilfe akzeptieren

Angesichts der humanitären Lage haben die radikalislamischen Al-Schabab-Milizen internationalen Hilfsorganisationen eine Rückkehr in die von ihnen kontrollierten Landesteile erlaubt. Die Gruppe erklärte, alle Organisationen – «ob muslimisch oder nicht-muslimisch» – dürften ab sofort Nothilfe leisten, wenn sie dabei keine «verborgenen Ziele» verfolgten.

Der britische Sender BBC berichtete, die Vereinten Nationen begrüssten den Schritt, brauchten aber Sicherheitsgarantien für ihre Mitarbeiter. Ein Al-Shabaab-Sprecher sagte, die Gruppe habe ein Komitee gebildet, mit dem sich die Hilfsorganisationen abstimmen müssten. In der Vergangenheit hatte die Miliz immer wieder Hilfsgüter zerstört, geplündert oder weiterveräussert. Sie gilt als Verbündete des Terrornetzwerks Al Kaida. (pbl/sda)

Glückskette sammelt

Die Glückskette hat wegen der aktuellen humanitären Lage in Ostafrika ein Spendenkonto eröffnet. Sechs ihrer Partnerorganisationen sind nach eigenen Angaben bereits aktiv geworden oder treffen Abklärungen für Hilfe vor Ort.

Postkonto 10-15000-6, Vermerk «Afrika»

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