Autorennen: Die schnellsten Frauen der Schweiz
Die 33-jährige Simona De Silvestro ist momentan Entwicklungsfahrerin für Porsche in der Formel E.

Die 33-jährige Simona De Silvestro ist momentan Entwicklungsfahrerin für Porsche in der Formel E.

Porsche
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AutorennenDie schnellsten Frauen der Schweiz

In der Automobilbranche und gerade auch auf der Rennstrecke sind Frauen nach wie vor in der Unterzahl. Doch es gibt sie, die Schweizer Rennfahrerinnen, die erfolgreich und schnell unterwegs sind.  

von
Isabelle Riederer / A&W Verlag

Simona De Silvestro, 33, Thun BE

Porsche

Schon als Teenager waren Autorennen ihre grosse Leidenschaft. Die Thunerin war noch nicht ganz 18, als sie nach ersten Formel-Erfolgen in Europa in die USA zog. Über die Formel BMW und die Formel Toyota Atlantic landete sie in der IndyCar-Serie. Beim legendären Indy 500 wurde sie 2010 als «Rookie of the Year» ausgezeichnet. Noch mehr Anerkennung bei Fahrern und Fans verdiente sie sich ein Jahr später, als sie sich in Indianapolis am Tag nach einem schweren Trainingsunfall, trotz Verbrennungen an beiden Händen, ins Auto setzte und die Qualifikation schaffte. Für diese couragierte Leistung verpassten ihr die Amis, für die sie bis dahin immer nur die nette «Swiss Miss» war, einen neuen Spitznamen: «Iron Maiden». Nach einem kurzen Zwischenspiel im Formel-1-Zirkus beim Schweizer Rennstall Sauber zog es sie 2015 zurück in die IndyCar-Serie. Im gleichen Jahr erhielt sie ein Cockpit für die Formel E, wo sie die Saison 2015/16 schliesslich auf dem 18. Gesamtrang beendete. Aktuell ist sie Entwicklungsfahrerin für Porsche in der Formel E.

Fabienne Wohlwend, 24, Vaduz Liechtenstein

W Series

Zwar streng genommen keine Schweizerin, gebührt der Liechtensteinerin Fabienne Wohlwend trotzdem ein Platz in dieser Hitliste. Im Alter von sieben Jahren packte die heute 24-Jährige das Rennsportfieber, als ihr Vater Edwin sie und ihren Bruder zum Kartfahren mitnahm. Nach einer Vollbremsung stieg Fabienne aus dem Kart und sagte: «Papa, das ist es, was ich in meinem Leben machen will.» Daraufhin kaufte sich die Familie ein Wohnmobil und reiste zu verschiedenen Rennstrecken in Liechtenstein und der Schweiz, bevor Fabienne mit Aragon in der italienischen Formel-4-Meisterschaft 2016 in den Rennsport wechselte. Ein Jahr später nahm sie am Audi Sport TT Cup und an der Ferrari Challenge Europameisterschaft teil und wurde die erste Frau, die ein Rennen in der Coppa-Shell-Klasse für Ferrari gewann.

Nachdem sie ihren Job bei einer Bank gekündigt hatte, wechselte Fabienne 2019 als Profifahrerin in die Trofeo Pirelli Division der Ferrari Challenge, wo sie sich im darauffolgenden Jahr in ihrem ersten Rennen in Imola gleich die Poleposition sicherte. 2019 stieg sie in die W Series ein und beendete die Formel-Serie für Frauen auf dem sechsten Platz. Auch dieses Jahr fährt sie in der W Series mit, die jeweils im Vorfeld der Formel 1 stattfindet. Immer zur Seite steht ihr Vater Edwin, der noch nie ein Rennen seiner Tochter verpasst hat und ihr vor jedem Rennen zweimal auf den Helm klopft und die Hand schüttelt.

Jasmin Preisig, 29, Schwellbrunn AR

Volkswagen

Eigentlich arbeitet die Appenzellerin als Kauffrau, doch ihr Herz schlägt für den Motorsport. Durch ihren Vater hat sie schon im Kindesalter erste Erfahrungen im Kartsport gesammelt. Mittlerweile ist die Ostschweizerin Markenbotschafterin für Volkswagen und startet mit ihrem Volkswagen Golf GTI TCR in der VLN-Langstreckenmeisterschaft und auch beim legendären 24-Stunden-Rennen am Nürburgring – und das in einem reinen Frauenteam. Der Rennstall WS Racing hat im Jahr 2019 seine Vision «Girls only – Rock the Green Hell» auf die Rennstrecke gebracht. Der Name ist Programm, nicht nur die Fahrerbesetzung ist weiblich, sondern das gesamte Team: von der Teamchefin über die Ingenieurinnen bis zu den Mechatronikerinnen. Aktuell fährt die 29-Jährige in der TCR-Klasse mit ihrem Golf GTI TCR.

Rahel Frey, 36, Aedermannsdorf SO

Iron Lynx

Auch Rahel Frey startete ihre Rennkarriere im Kindesalter auf der Kartbahn. 2004 debütierte sie in der Renault Sport Trophy der Schweizer Formel Renault. Zwei Jahre später wechselte sie zum Schweizer Rennstall Jenzer Motorsport und blieb der Formel Renault treu. 2008 kam dann der grosse Sprung in den deutschen Formel-3-Cup mit Amersfoort Racing. Die gebürtige Solothurnerin sicherte sich im ersten Jahr wichtige Punkte und Podest-Platzierungen. In der zweiten Saison holte sie sich gar auf dem Nürburgring den Sieg und war damit die erste Frau, die ein Rennen im deutschen Formel-3-Cup für sich entschied. Nach Zwischenstopps im GT-Sport und in der DTM wechselte Frey in die ADAC GT Masters. Am 27. Oktober 2013 gewann sie in China das zehnte Saisonrennen des Audi R8 LMS Cups und war damit die erste Frau, die ein Rennen dieser Serie gewann. Seit 2011 gehört die heute 36-Jährige dem Fahrkader von Audi Sport Customer Racing an und darf Kunden auf der ganzen Welt rasant begleiten. Zudem sorgte sie 2019 an der ELMS mit einem reinen Frauenteam für Kessel Racing und einem Ferrari 488 GT3 für Aufsehen und Punkteregen.

Seit drei Jahren gehört Rahel Frey der italienischen Motorsport-Organisation Iron Lynx an, die sich sowohl als Rennteam als auch als Rennakademie versteht. Dabei bilden die Iron Dames ein eigenes Team. Mit dem Ferrari 488 GTE Evo stehen dieses Jahr die komplette FIA Langstrecken-WM (WEC) und die europäische Le-Mans-Serie mit je sechs Rennen auf dem Programm, zudem mit dem etwas zahmeren GT3-Modell auch die Teilnahme an den fünf Endurance-Cup-Läufen der GT World Challenge Europe. Seit 2022 ist Rahel Frey zudem FIA-Goldfahrerin. 

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