Aktualisiert 07.04.2014 09:48

Jetzt kommt die Basisschrift

Die Schnüerlischrift soll abgeschafft werden

Schweizer Primarschüler lernen seit 67 Jahren die Schnüerlischrift. Nun wollen Kantone und Lehrerverband sie nicht mehr lehren – und stattdessen die «Basisschrift» einführen.

von
lüs

An den Schulen wurde sie im Jahr 1947 eingeführt: Die «verbundene Schweizer Schulschrift», bekannter unter der Bezeichung «Schnüerlischrift». Auch heute noch ist sie in 15 der 21 deutschsprachigen Schweizer Kantone Standard, wenn die Schüler schriftliche Arbeiten verfassen. Doch das soll sich nun ändern: Sowohl die Mehrheit der Kantone als auch die Lehrer wollen die Schnüerlischrift abschaffen. Das hat eine Umfrage ergeben, die die Deutschschweizer Erziehungsdirektorenkonferenz (D-EDK) durchgeführt hat, wie die «NZZ am Sonntag» berichtet.

Ersatzlos streichen dürfe man die Schnüerlischrift nicht, sagt Beat W. Zemp, Präsident des Dachverbands der Lehrerinnen und Lehrer der Schweiz, zu 20 Minuten. «Doch die Basisschrift, die wir neu einführen möchten, ermöglicht es den Schülern besser, ihre individuelle Handschrift zu entwickeln.» Eine solche sei auch heute noch wichtig, auch wenn ihr Stellenwert wegen der Digitalisierung abgenommen habe.

Einheitliche neue Schrift gefordert

Zemp würde es begrüssen, wenn die Kantone sich auf eine einheitliche Lösung einigen würden – der Lehrerverband favorisiert dabei die Luzerner Basisschrift. Diese Schrift hat der Kanton Luzern in den Schulen im Jahr 2010 bereits eingeführt. Die Schüler lernen zuerst die Buchstaben einzeln, ab der 2. und 3. Primarschulklasse beginnen sie dann, diese zu verbinden, das Erlernen der Schnüerlischrift in der 3. Klasse entfällt.

Eine Studie, die die Pädagogische Hochschule Zentralschweiz bei knapp hundert Schülern durchgeführt hat, hat ergeben, dass die Basisschrift deutliche Vorteile hat: Drittklässler, die sie verwendeten, schrieben deutlich lockerer und schneller als Schüler, die die Schnüerlischrift verwenden mussten.

Basischrift ist leserlicher

Obwohl die Basisschrift sich rascher schreiben lässt als die Schnüerlischrift, ist sie deutlich leserlicher. Von der Basisschrift profitieren speziell die Buben, die generell weniger deutlich schreiben als Mädchen. Auch der Präsident der D-EDK, der Schaffhauser Regierungspräsident Christian Amsler (FDP), spricht sich für die Basisschrift aus: «Sie ist eine gute Sache und wird wohl auch die Zukunft sein.»

Wie lange es noch dauern wird, bis die die Schnüerlischrift endgültig Vergangenheit ist, ist noch offen: Derzeit arbeitet die zuständige Arbeitsgruppe der D-EDK an ihrem Schlussbericht. Unklar ist noch, ob die Schriftfrage im Rahmen des Lehrplans XXI geregelt wird oder separat.

Schnüerlischrift wurde fürs Schreiben mit Tinte entworfen

Ziel der Einführung der Schnüerlischrift an den Deutschschweizer Schulen war es, eine einheitliche, leserliche Schrift zu schaffen. Sie ersetzte im Jahr 1947 die vorher gebräuchliche Kurrentschrift. Die Schnüerlischrift ist auf das Schreiben mit Tinte ausgerichtet. Um den Tintenfluss aufrechtzuerhalten, sind Bewegungen in verschiedene Richtungen nötig – daher die geschwungenen Schnörkel der Schnüerlischrift. Heute aber schreiben die Schüler nicht mehr mit Tinte, sondern mit Kugelschreiber. Die neue Alternative zur Schnüerlischrift, die Basisschrift, hat der heute 91-jährige Schweizer Schriften-Designer und Grafiker Hans Eduard Meier entworfen. Eine modifizierte Form seiner Schrift wird seit vier Jahren in den Primarschulen des Kantons Luzern gelehrt. (lüs)

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