Aktualisiert 06.07.2012 13:27

Bijous und Geheimtipps

Die schönsten Badis der Schweiz

Ein Sommernachmittag im Freibad kühlt nicht nur den Körper – er erfrischt auch die Seele. Kein Land der Welt hat so viele schöne Badis, wie ein neuer Führer des Heimatschutzes zeigt.

von
Susanne Lüthi

Lauschig unter Bäumen oder urban vor dem Bundeshaus - der Schweizer Heimatschutz entführt uns mit seinem Bändchen «Die schönsten Bäder der Schweiz» (siehe Info-Box) in eben diese. Dabei empfiehlt der Heimatschutz keine Wellness- oder Erlebnisbäder, sondern nur solche, in die zu gehen sich jeder leisten kann. Infos zu den Bädern im Speziellen und der Schweizer Badkultur im Allgemeinen machen das Büchlein zu weit mehr als nur einem simplen Ratgeber.

So liest man, dass in den Anfangszeiten der öffentlichen Schwimmanstalten - also in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts - sogenannte Kastenbäder gebaut wurden. Das sind rundum mit Holz verkleidete Konstruktionen, die verhinderten, dass sich neugierige Blicke in die streng nach Geschlechtern getrennten Bäder verirren konnten. In solchen Kastenbädern kann man heute noch planschen, beispielsweise in der «Rhybadi» in Schaffhausen oder in Zürich im Unteren Letten und in der Frauenbadi.

Proteste gegen die Schliessung

In Bern ist ein Besuch des Marzilibades ein Muss. Denn wo sonst hat man schon die Möglichkeit, vom Sprungbrett aus direkt in die Büros der Bundesräte zu gucken? Und das erst noch kostenlos.

Wenn Sie schon dort in der Nähe sind, sollten Sie unbedingt auch beim Ka-We-De vorbeischauen, das in den 1930er-Jahren entstanden ist. Die Stadt Bern wollte «Kunsteisbahn und Wellenbad Dählhölzli» bereits schliessen. Proteste der Bevölkerung konnten dies verhindern - bis jetzt. Nicht pressieren müssen Sie hingegen, wenn Sie ins Strandbad Tiefenbrunnen am rechten Zürichseeufer wollen. Denn diese Badi ist nicht nur im Sommer, sondern auch im Winter geöffnet. Dann allerdings nicht zum Schwimmen, sondern zum Spazifizotteln.

Das Erste ist das Grösste

Nach der Entrichtung eines kleinen Eintrittpreises - falls dieser überhaupt gefordert wird - öffnen sich uns die Tore zu den wirklich schönsten Bädern des Landes. Aber sie sehen nicht nur gut aus, sie erzählen auch Geschichten. So erfährt man, dass das erste Freibad in Zürich nicht etwa, wie man denken würde, am Zürichsee zu liegen kam, sondern in Zürich-Nord gebaut wurde. Dort steht seit 1934 das älteste und auch das grösste Freibad der Stadt, das Allenmoos.

Ein weiterer Erstling findet sich im aargauischen Biberstein: Dort lockt seit der Neugestaltung im Jahr 2000 das erste Bio-Bad der Schweiz. Ein weiteres einzigartiges Schwimmbad findet man in Sarnen. Die Architekten des Erlebisbades Seefeld haben nämlich kurzerhand beschlossen, das Schwimmbecken auf das Dach zu heben, in Obwalden krault man also im ersten Stock.

Der Badi-Führer wird aber nicht alle erfreuen. Insbesondere die Einwohner von Diessenhofen nicht. Denn das Schwimmbad Rodenbrunnen galt bis anhin als Geheimtipp. Dass das auch nach der Publikation so bleiben könnte, diese Hoffnung besteht allerdings. Denn das Bad im Kanton Thurgau ist nur zu Fuss oder mit dem Velo erreichbar. Der grosse Touristenstrom wird also weiterhin ausbleiben, uff.

Die schönsten Bäder der Schweiz

Patrick Schoeck-Ritschard

D/F

CHF 16.00

ISBN 978-3-9523994-1-5

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