Walensee-Drama: «Die Schreie verfolgen mich bis heute»

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Walensee-Drama«Die Schreie verfolgen mich bis heute»

Bei einem Badeunfall verloren Vater Matze Koitz und Sohn Darius Anfang Juli des Jahres ihr Leben. Zurück bleiben Mutter Viktoria Günther und ihr Sohn Cedric – und viele Probleme.

von
taw

«Die Schreie verfolgen mich bis heute», sagt Viktoria Günther gegenüber dem «Blick». Die junge Frau verlor am 5. Juli bei einem tragischen Badeunfall in Walenstadt ihren Lebenspartner Matze Koitz (33) und ihren achtjährigen Sohn Darius. Die vierköpfige Familie verbrachte damals den Sonntagnachmittag bei der Einmündung der Seez in den Walensee.

«Wir hatten am Vortag extra Fleisch eingelegt und wollten uns einen schönen Badetag machen», sagt Günther.

Ausflug endet mit Tragödie

Doch der Ausflug entwickelte sich zum Albtraum. Beim Schwimmen im Walensee geriet Sohn Darius in einen Strudel. Sein Vater eilte ihm sofort zu Hilfe und wollte ihn retten – mit fatalen Folgen: Der Sog riss die beiden in die Tiefe. Stunden später wurden sie tot geborgen.

Zurück bleiben die Mutter und der siebenjährige Sohn Cedric. Zur Erinnerung an ihre Liebsten hat Günther an der Unfallstelle ein kleines Bäumchen gepflanzt und ein Holzkreuz aufgestellt.

In ein tiefes Loch gefallen

Für die junge Frau brach nach dem Drama eine Welt zusammen: «Seit wir vor fünf Jahren aus Deutschland in die Schweiz gekommen sind, hat immer nur Matze gearbeitet. Ich habe mich um die Kinder gekümmert.» Wie sie gegenüber «Blick» sagt, habe das immer funktioniert. Doch nun habe sich alles geändert – sie sei plötzlich allein und es fehle an Geld. Weil sie und Koitz nicht verheiratet waren, hat sie keinen Anspruch auf Witwenrente. Auch Arbeitslosengeld kann sie nicht beziehen.

Hinzu kommt, dass das Haus in Walenstadtberg SG, in dem die Familie gewohnt hatte, verkauft wurde. So musste Viktoria Günther Ende September ausziehen. Seither wohnt sie mit zwei Hunden und einer Katze bei einem Freund im Keller. Doch auch hier kann sie offenbar nicht bleiben, da dieser Teil des Hauses nicht ihrem Freund gehört und die Eigentümerin will, dass Günther auszieht. Wohin sie gehen soll, weiss sie nicht: «Ständig kommen neue Betreibungen, die ich nicht bezahlen kann. So nimmt mich doch kein Vermieter.»

Ihr siebenjähriger Sohn Cedric ist unter der Woche in einer Sonderschule. Seine Mutter würde das gerne ändern. «Ich weiss nicht, wie es weitergehen soll. Ich hätte nie gedacht, dass man von einem Moment auf den anderen so hilflos werden kann», sagt Günther verzweifelt. Sie habe auch schon an eine Rückkehr nach Deutschland gedacht. Doch aufgrund ihrer finanziellen Situation sei das nicht möglich.

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