Rechtschreibreform: «Die Schüler sind völlig verunsichert»
Aktualisiert

Rechtschreibreform«Die Schüler sind völlig verunsichert»

Am 31. Juli endet die Übergangsfrist für die Einführung der Rechtschreibreform an den Schulen. Doch diese seien darauf nicht vorbereitet, so Kritiker. Es drohen Klagen und Rekurse.

von
Marcel Urech

Vollspritzen statt voll spritzen, Gräuel statt Greuel und Schifffahrt statt Schiffahrt: Am 1. August wird die Rechtschreibreform 2006 an Schweizer Schulen verbindlich. Der orthografische Freistil endet, zwingende Rechtschreib­­regeln halten wieder Einzug. «Die Lehrer müssen die neue Rechtschreibung umsetzen», bestätigt Beat W. Zemp, oberster Lehrer der Schweiz. «Das ist völlig illusorisch», entgegnet Robert Nef, Mitbegründer der Schweizer Orthographischen Konferenz – die Schulen seien dafür nicht bereit und die Lehrmittel nicht aktuell. Bei den Schülern herrsche Konfusion. «Ich kann ja verstehen, dass die Lehrer nicht mit Herzblut dabei sind – nicht mal die Fachleute sind sich einig», so Nef. Peter Müller, Rechtschreibexperte und Direktor der Schweizerischen Depeschenagentur, befürchtet sogar Gerichtsklagen gegen Schulen, wenn die neue Rechtschreibung notenrelevant wird: «Die Schüler sind durch die Übergangsfrist ohne klare Regeln völlig verunsichert.»

Sprachwissenschafter Rudolf Wachter von der Universität Basel stimmt zu: «Wenn der Staat weiterhin gewisse Schreibvarianten bevorzugt und andere, populärere als Fehler anstreicht, drohen Rekurse.» In der Übergangsphase habe sich die Haltung entwickelt, alles sei erlaubt, und nun drohe das totale Chaos, so Wachter.

Deine Meinung