Andreas Mösli: «Die Schützi um jeden Grashalm verteidigen»
Aktualisiert

Andreas Mösli«Die Schützi um jeden Grashalm verteidigen»

Der FC Winterthur bestreitet am Sonntag den Cup-Halbfinalknüller gegen den FC Basel. FCW-Geschäftsführer Andreas Mösli spricht im Interview über die Vorbereitungen auf «das Spiel des Jahrzehnts».

von
Herbie Egli
FCW-Geschäftsführer Andreas Mösli auf seiner Schützenwiese. (Bild: Keystone)

FCW-Geschäftsführer Andreas Mösli auf seiner Schützenwiese. (Bild: Keystone)

20 Minuten Online: Andreas Mösli, für den FC Winterthur steht mit dem Cup-Halbfinal gegen den FC Basel das Spiel des Jahrhunderts an. Als Geschäftsführer eines Challenge Ligisten ist man in den Medien nicht oft präsent. Nun sind Sie es aber. Kommen Sie sich manchmal vor wie in der Fernsehsendung «Ich bin ein Star – Holt mich hier raus»?

Andreas Mösli: Sagen wir mal: ein Jahrzehntespiel. Das genügt vollkommen, denn der Aufwand und die Medienanfragen sind so schon genügend hoch. Aber ich bin sicher: Falls wir das Spiel verlieren sollten, was ja theoretisch sein könnte, dann wird ab Montag wieder Ruhe einkehren.

Haben Sie im Moment noch Freizeit oder geht die wegen den Vorbereitungen auf das Spiel auch drauf?

Wenn ein Klub in der Grösse des FCW mit zwei Leuten auf der Geschäftsstelle knapp drei Wochen Zeit hat, um einen solchen Mega-Event auf die Beine zu stellen, dann hat man drei Wochen keine Freizeit mehr. Zumal wir ja auch noch den Challenge-League-Alltag bewältigen müssen.

Was war für Sie die grösste Herausforderung im Vorfeld dieser Cup-Partie?

Natürlich der Ticket-Vorverkauf. Wir haben zwar das einzige echte Fussballstadion im Kanton, aber weder Drehtore noch ein digitales Verkaufssystem. Klar war auch, dass wir für ein solches Spiel viel zu wenig Plätze haben. Wir mussten innert Kürze eine Lösung finden, wie die richtigen Leute zu Tickets kommen.

Die Schützenwiese ist mit 8500 Zuschauern wie gegen St. Gallen wieder ausverkauft. Die Tickets gingen weg wie warme Semmel. Wie viele Telefonate und Mails haben Sie in den letzten Tagen von Leuten bekommen, die unbedingt noch ein Ticket wollen?

(Lacht) Ja, nach der Auslosung hatte ich plötzlich ganz viele Freunde, die mir per SMS, Telefon, Mail und Facebook ihre Ticketwünsche bekannt gaben. Mit der Zeit wurde es dann echt nervig. Als aber klar wurde, das viele Leute kein Ticket bekommen werden, hatten mich einige nicht mehr so gern.

Gab es auch negative Reaktionen wegen des Vorverkaufs, der nach dem Vaduz-Spiel bereits beendet war?

Ja, klar. Damit mussten wir rechnen. Wie schon gesagt: Wenn man mit so wenig Personal in so kurzer Zeit handeln muss, wirds schwierig. Aber wenn die Nachfrage viel grösser ist als das Angebot, gibt es sowieso keinen gerechten Vorverkauf. Zudem haben wir extra eine Härtefallkommission ins Leben gerufen, bei der sich Fans mit einer Saisonkarte melden konnten, wenn sie kein Ticket bekommen haben. Es gingen nur acht Gesuche ein. Unser unkonventionelles System war also nicht so schlecht.

Sie mussten die Frage schon x-Mal beantworten, aber nochmals: Warum wich der FC Winterthur für diesen Knaller gegen Basel nicht in ein grösseres Stadion aus? Man hätte ja mehr Einnahmen generieren können.

Das ist ein Trugschluss: Grössere Stadien brauchen viel mehr Zuschauer, bis sie rentieren. Aber Geld ist auch im Fussball nicht alles. Wir wollten unbedingt auf der Schützenwiese spielen. Erstens können wir hier jeden schlagen. Zweitens kannst du nicht das Spiel des Jahrzehnts auswärts austragen. Diese Haltung sind wir unserem Umfeld und der ganzen Stadt schuldig.

Die Sicherheit ist gegen Basel mit Bestimmtheit auch ein grosses Thema. Gleicht die «Schützi» am Sonntag einer Festung?

Fussballerisch gesehen sicher. Die Mannschaft und die Fans werden die Schützenwiese zu einer Festung machen, die bis zum letzten Grashalm verteidigt wird. Von Winterthurer Seite gehen wir von einem grossen Fussballfest aus, egal wer das Spiel gewinnt. Aber natürlich sind wir und die Polizei auch sonst bereit.

Mit St. Gallen und den Young Boys hat der FC Winterthur im laufenden Wettbewerb bereits zwei grosse Teams eliminiert. Aller guten Dinge sind drei, sagt man doch so schön.

Ja, wir mögen Wortspiele. Nach «Die Wunde von Bern» und «Wurstcase-Szenario von St. Gallen» müssten wir uns bei einem Sieg noch was ausdenken. Im Ernst: Wir haben Respekt vor den starken Leistungen des FC Basel in der Meisterschaft und in der Champions League. Aber wir glauben an unsere Chance und wollen sie packen. Wenns sein muss, wieder im Elfmeterschiessen.

20 Minuten Online berichtet am Sonntag ab 14 Uhr live vom Cup-Halbfinal FC Winterthur gegen FC Basel.

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