BASEL: «Die Schwachen treten auf die noch Schwächeren ein»
Aktualisiert

BASEL«Die Schwachen treten auf die noch Schwächeren ein»

Wegen der Finanzkrise steigt 2009 die Gefahr sozialer Spannungen, warnt der Soziologe Ueli Mäder. Die Resignation drohe in Empörung umzuschlagen.

von
Lorenz Hanselmann

Bleibt die Finanzkrise 2009 das alles dominierende Thema?

Ueli Mäder: Ja. Auch, weil die Krise besonders die Mittelschicht trifft. Das macht viele Menschen wütend. Auch Working Poor, Jugendliche und Facharbeiter, die plötzlich nicht mehr gefragt sind, bekommen die Krise stärker zu spüren.

Welche sozialen Brennpunkte entstehen dadurch?

Es gibt Anzeichen dafür, dass die bisherige Resigna­tion in ­Empörung umschlägt. Die Gefahr dabei ist, dass die so genannt Schwachen die noch Schwächeren treten, und so etwa Ausländern die Schuld an der Krise gegeben wird. Solche ideologischen Verklärungen dürften sich 2009 eher verschärfen.

Wie wirkt sich das aus?

Es gibt zwei Szenarien: Im Idealfall setzen sich die wütenden Leute stärker für ihre eigenen Interessen ein, etwa indem sie sich gewerkschaftlich engagieren. Andererseits sind sie auch anfälliger für neopopulistische, autoritäre Strömungen, die Halt in Vereinfachungen versprechen.

Ihr Wunsch fürs noch junge Jahr?

Im Idealfall handeln Politik und Wirtschaft mehr so­ziale Verbindlichkeit aus. Ich hoffe auf mehr sozialen Ausgleich. Und dass wir uns mehr fragen, was wirklich wichtig ist im Leben.

Ueli Mäder (57) ist Professor am Institut für Soziologie an der Universität Basel.

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