Aktualisiert 25.09.2014 05:24

NLA-Ausländerreport

Die Schweden sind in, die Tschechen total out

Nationen-Verschiebung im Schweizer Eishockey. 13 Ausländer-Lizenzen werden in der NLA aktuell an Schweden vergeben. Noch vor fünf Jahren waren es lediglich fünf gewesen.

von
Marcel Allemann

Der Report von 20 Minuten über die Entwicklung der Nationen in der Ausländerpolitik der NLA-Klubs in den letzten 10 Jahren zeigt, dass die Kanadier wie eh und je klar dominieren. Aktuell sind es 26, auch 2009 (25) und 2004 (21) waren jeweils über 20 Spieler aus Kanada in der höchsten Schweizer Liga aktiv. Als Richtwert wurde jeweils die Kadersituation bei den Vereinen nach dem Saisonstart Ende September unter die Lupe genommen.

«Die Schweden haben eine ähnliche Mentalität und pflegen einen ähnlichen Lifestyle»

Hinter den Kanadiern gab es im letzten Jahrzehnt jedoch grosse Verschiebungen. So haben sich die Schweden zur klaren NLA-Ausländer-Nation Nummer zwei entwickelt. 2009 spielten lediglich fünf Schweden in der Schweiz, inzwischen sind es 13. Weshalb dieser Boom? Einer, der es wissen muss, ist Rappi-Sportchef Harry Rogenmoser. Denn die Lakers haben derzeit vier Schweden unter Vertrag. «Wir haben stets gute Erfahrungen mit Schweden gemacht. Sie haben eine ähnliche Mentalität und pflegen einen ähnlichen Lifestyle wie wir Schweizer - das macht die Integration einfacher», so Rogenmoser. Hinzu kommt, dass die Lakers mit Anders Eldebrink auch einen schwedischen Trainer haben. Rogenmoser: «Da ist es einfacher, wenn die Schlüsselspieler die gleiche Eishockey-Sprache sprechen und von derselben Eishockey-Kultur geprägt wurden.»

Schweden und Schweizer - es ist eine Win-win-Situation für beide Seiten. Die Schweden wurden in ihrer Heimat taktisch vorzüglich ausgebildet, agieren defensiv sehr diszipliniert und bringen dieses Know-how mit. Die NLA wiederum ist für die Schweden sehr attraktiv, weil defensiv weniger starr gespielt wird als in der Heimat und sie dadurch mehr offensiven Ausgang erhalten, was die persönliche Spielfreude anhebt. Dazu kommt auch die finanzielle Situation. Wegen dem neuen, schlechter dotierten TV-Vertrag generieren die schwedischen Klubs weniger Einnahmen und dies wirkt sich negativ auf die Spielerlöhne aus. Die zumeist mit Frau und Kind anreisenden Schweden haben auch einen ausgeprägten Familiensinn und da ist die Schweiz mit seinen kurzen Distanzen sehr beliebt - im Gegensatz zur russischen KHL, auf welche viele Schweden trotz der tollen Verdienstmöglichkeiten nicht wirklich Lust haben.

Keine Tschechen mehr in der NLA

Die grossen Verlierer auf der NLA-Ausländerkarte sind die Tschechen. Vor fünf Jahren spielten noch vier in unserer Liga, inzwischen keine mehr. Überhaupt haben Spieler aus Osteuropa im Schweizer Eishockey an Bedeutung verloren. 2004 gab es neben Tschechen und Slowaken in der NLA auch noch Russen und Ukrainer. Geblieben sind davon aktuell nur zwei slowakische Ergänzungsspieler - ZSC-Ersatzausländer Jan Tabacek und Lausannes Aushilfssöldner Stefan Ruzicka. Für die Osteuropäer stellt die KHL in Europa das Mass aller Dinge dar. Sportlich, finanziell und kulturell.

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