Statt selber kochen - Die Schweiz bestellt in der Krise Essen für 2 Milliarden Franken
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Statt selber kochenDie Schweiz bestellt in der Krise Essen für 2 Milliarden Franken

Die Essenslieferanten konnten von den geschlossenen Restaurants und der geringen Mobilität profitieren: Der Markt für Essensbestellungen ist auf über 2 Milliarden Franken gewachsen.

von
Janine Gloor
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Der Online-Delivery-Markt hat einen Boom erlebt. 

Der Online-Delivery-Markt hat einen Boom erlebt.

20min/Matthias Spicher
Der Markt ist 2020 auf 2.1 Milliarden Franken gewachsen.

Der Markt ist 2020 auf 2.1 Milliarden Franken gewachsen.

20min/Matthias Spicher
2018 fanden die Hälfte aller Bestellungen via Telefon statt, 2020 wurden 64 Prozent der Bestellungen online gemacht.

2018 fanden die Hälfte aller Bestellungen via Telefon statt, 2020 wurden 64 Prozent der Bestellungen online gemacht.

20min/Simon Glauser

Darum gehts

  • Der Markt für Essensbestellungen ist stark gewachsen.

  • Corona hat einen schon bestehenden Trend beschleunigt.

  • Ob die Leute auch in Zukunft so viel bestellen werden, ist nicht klar.

Pizza, Döner oder doch lieber asiatisch? Die Essenslieferdienste bringen einem das Lieblingsessen bis vor die Haustür. Von diesem Angebot haben im letzten Jahr viele Menschen Gebrauch gemacht und dem Food-Delivery-Markt zu einem Boom verholfen.

2018 hat eine Marktforschungsstudie von Eat.ch den Markt auf ein Volumen von 1,28 Milliarden Franken geschätzt. 2020 wurde diese Studie erneut durchgeführt und hat ergeben, dass der Markt inzwischen auf 2.1 Milliarden Franken gewachsen ist. Das ist eine Zunahme von 64 Prozent, wie Eat.ch mitteilt.

Corona hat bestehenden Trend verstärkt

«Wir sind alle davon ausgegangen, dass der Gesamtmarkt wächst, aber dieser grosse Schritt war eine Überraschung», sagt Dominic Mil­lioud, Geschäftsführer von Eat.ch zu 20 Minuten.

Das Wachstum sei schon vorher da gewesen, bestätigt auch Christine Schäfer, Trendforscherin am GDI. Food Delivery war schon vor der Pandemie ein Trend: «Doch Corona hat diese Entwicklung unglaublich beschleunigt.»

Wer bestellt online Essen?

Die Gründe für die zunehmenden Bestellungen sind schnell gefunden: Keine Zeit oder keine Lust, um selber zu kochen. Die Auswertung habe ergeben, dass besonders Personen im Alter von 16 bis 39 Jahren gern mal den Kurier kommen lassen. Je älter die befragten Personen waren, desto mehr Zeit investieren sie, um selber einkaufen und zu kochen. So befinden sich in der Altersgruppe der 16- bis 39-Jährigen doppelt so viele «Heavy User», die mehr als 2 bis 3 Mal pro Monat bestellen als bei den 40- bis 65-Jährigen. Mit 57 Prozent sind es mehr Männer als Frauen Heavy User. Mehr als zwei Drittel der Heavy User arbeitet Vollzeit.

Der Markt der Essenslieferanten ist hart umkämpft. Auch die Art, wie man Essen nach Hause bestellt, spielt eine Rolle. 2018 wurden noch die Hälfte aller Bestellungen per Telefon gemacht. Nun haben die Online-Bestellungen zugenommen und betragen inzwischen 61 Prozent. Das freut Kuriere wie Eat.ch, wo nur Online-Bestellungen möglich sind.

Und wie geht es nach Corona weiter, wenn die Restaurants wieder vollumfänglich geöffnet sind? «2020 war ein aussergewöhnliches Jahr», sagt Millioud von Eat.ch. Das Wachstum werde sich wohl verlangsamen: «Doch wir erwarten, dass die Zahlen auf hohem Niveau bleiben.»

Bleiben die Bestell-Gewohnheiten?

Nun hofft die Food-Delivery-Branche, dass die Schweizerinnen und Schweizer ihre Bestellgewohnheiten beibehalten werden, auch wenn sie wieder auswärts essen können. «Es wird spannend zu sehen, wie sich das einpendeln wird», sagt Millioud.

Im Pandemiejahr 2020 sei viel zu Hause gekocht und auch viel bestellt worden. Wenn die Restaurants wieder geöffnet sind, werde sich zeigen, wie sich die Verteilung von Kochen, Bestellen und auswärts Essen ergebe. Wachstumspotential sieht er auch bei den Singlehaushalten: «Davon gibt es immer mehr und allein macht kochen nicht so viel Spass.»

«Im letzten Jahr haben Menschen Lieferdienste ausprobiert, die vorher nie Essen bestellt haben», sagt Christine Schäfer vom GDI zu 20 Minuten. Sie sieht die Online-Bestellungen auch nach Corona aber nicht als Konkurrenz zu den Restaurants. «Dort wird mit dem sozialen Austausch und dem Rausgehen ein anderes Bedürfnis abgedeckt», sagt sie. Die Bestellungen seien eher eine Konkurrenz zum Selberkochen.

Wie das Angebot nach Corona aussehen wird, ist ebenfalls noch nicht ganz klar. «Hier muss man auch berücksichtigen, dass es viele Restaurants gibt, die ihr Lokal während der Pandemie nicht so sehr nutzen konnten und deshalb in den Delivery Markt eingetreten sind», sagt René Jeitzinger vom Marktforschungsunternehmen GIM Suisse. Hier stelle sich die Frage, ob sich das Liefern noch lohnt, wenn die Gäste wieder empfangen werden dürfen.

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