Feinde lahmlegen: «Die Schweiz braucht eine Cyber-Armee»
Aktualisiert

Feinde lahmlegen«Die Schweiz braucht eine Cyber-Armee»

Grossbritannien baut eine Cyber-Armee auf. Die Schweiz solle nachziehen, fordern bürgerliche Sicherheitspolitiker und Experten.

von
D. Pomper
«Um die Landesverteidigung sicherzustellen, braucht es eine starke Cyber-Einheit in der Armee», sagt Nicola Mayencourt, Gründer der Schweizer Informatiksicherheitsfirma Dreamlab.

«Um die Landesverteidigung sicherzustellen, braucht es eine starke Cyber-Einheit in der Armee», sagt Nicola Mayencourt, Gründer der Schweizer Informatiksicherheitsfirma Dreamlab.

«In künftigen Konflikten können unsere Kommandeure Cyber-Waffen neben konventionellen Waffen einsetzen», kündigte der britische Verteidigungsminister Philip Hammond am Sonntag an. Grossbritannien will eine Cyber-Armee aufbauen und dazu Hunderte Experten einstellen. Diese sollen die heimischen Computer-Netze gegen Angreifer schützen. Falls nötig sollen sie aber auch eigene Cyber-Angriffe starten, mit dem Ziel, feindliche Telekommunikationsnetze, nukleare und chemische Waffen, Flugzeuge oder Schiffe lahmzulegen.

Die Schweiz solle sich an Grossbritannien ein Beispiel nehmen, findet SVP-Sicherheitspolitiker Roland Borer. «Unser Land braucht eine Cyber-Armee», sagt der Sicherheitspolitiker. Die Cyber-Strategie des Bundes sei zwar ein guter Anfang, doch diene sie nur der Verteidigung.

Der Bund hat vor anderthalb Jahren eine nationale Strategie zum Schutz der Schweiz vor Cyber-Risiken verabschiedet. Das Verteidigungsdepartement (VBS) ist dabei, diese umzusetzen. «Doch wir müssen uns vom traditionellen Verteidigungsdenken verabschieden», sagt Borer. Ein Staat kann nur für Sicherheit sorgen, wenn er sich auf in die Offensive gehen kann«».» Das Problem sei, dass die politische Führungsetage nicht dort angekommen sei, wo sich die Welt bewege. Deshalb müssten für diese Aufgabe junge Leute und nicht «mittelalterliche» Offiziere rekrutiert werden. Ein Milliardenbetrag und mehrere hundert Mitarbeiter seien für eine wirkungsvolle Cyber-Strategie nötig.

Der Bundesrat hatte im Mai angekündigt, 28 zusätzliche Stellen zum Schutz vor Cyber-Risiken zu schaffen. Kommissionskollege Jakob Büchler (CVP) spricht sich ebenfalls für eine Cyberarmee «im kleineren Rahmen» aus: «Wir müssen das Thema ernst nehmen und rechtzeitig handeln.»

Ja zu Cyber-Armee ja – nein zu Cyber-Angriff

Auch Nicolas Mayencourt, Gründer der Schweizer

Informationssicherheitsfirma Dreamlab glaubt: «Um die

Landesverteidigung sicherzustellen, braucht es

in der heutigen Zeit eine starke Cyber-Einheit in der Armee.»

Finanziellen Mittel in solchen Bereichen weisen zudem einen sehr hohen

Wirkungsgrad auf und sind im Vergleich zu Kampfflugzeugen oder Panzer

geradezu günstig. Energiewerke, ÖV, Banken oder internationale

Organisationen – sie alle sind natürliche Ziele von Cyber-Attacken.

Auch wenn die Landesverteidigung die einzige Aufgabe der Cyber-Armee

ist: «Sie muss die offensiven Instrumente natürlich für die Verteidigung

kennen.»

Internet-Sicherheitsfachmann Guido Rudolphi dagegen warnt vor einer Cyber-Armee, die auch bei Angriffen auf nicht-staatliche Institutionen zum Einsatz käme: «Stellen sie sich vor, eine Bank wird überfallen und die Armee greift ein. Das Signal wäre fatal.» Hingegen brauche es eine neue Meldestelle mit 300 bis 400 Experten, an die sich alle von Cyber-Attacken Betroffenen wenden könnten. Das VBS aber solle sich raushalten.

Beim VBS heisst es, es sei «noch offen, inwieweit und unter welchen Rahmenbedingungen die Armee bei Cyberattacken auch zum Schutz der Wirtschaft und Gesellschaft eingesetzt werden soll». Die Cyber-Bedrohung werde im nächsten sicherheitspolitischen Bericht sicher thematisiert werden; die Rolle der Armee in der Abwehr solcher Attacken wahrscheinlich auch, so Sprecher Renato Kalbermatten.

Bundesrat Ueli Maurer ist sich der Gefahren von Cyberattacken bewusst: «Wir entwickeln die Armee deshalb für solche Herausforderungen permanent weiter – etwa mit der Rekrutenschule für elektronische Kriegsführung», sagte er im August gegenüber 20 Minuten.

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