Gastbeitrag: «Die Schweiz braucht keine neuen AKW»
Aktualisiert

Gastbeitrag«Die Schweiz braucht keine neuen AKW»

Bis 2025 könnte die Atomenergie in der Schweiz zu einem Ende kommen. Dazu brauche es ein Gesetz und einen Fonds für Energieeffizienz.

von
Eric Nussbaumer
SP-Nationalrat
«Nur der Weg mit Energieeffizienz und Erneuerbaren Energien garantiert Energiesicherheit»: Der Baselbieter SP-Nationalrat Eric Nussbaumer ist Vizepräsident der Energiepolitischen Kommission des Nationalrats.

«Nur der Weg mit Energieeffizienz und Erneuerbaren Energien garantiert Energiesicherheit»: Der Baselbieter SP-Nationalrat Eric Nussbaumer ist Vizepräsident der Energiepolitischen Kommission des Nationalrats.

Die tragischen Vorfälle in Japan sind ein Weckruf an uns alle. Das kalkulierbare Restrisiko gibt es bei der Atomenergie nicht. Was die Japanerinnen und Japaner erleben, erschüttert mich. Es bestärkt mich aber auch darin, dass die im Extremfall nicht kontrollierbare Atomtechnologie zu einem Ende gebracht werden muss. Ob uns dies gelingt und ob wir eine moderne, zukunftsfähige Stromversorgung gestalten können, ist nur eine Frage des politischen Willens. Die technologischen Möglichkeiten mit den erneuerbaren Energien und den Techniken zur Verbesserung der Stromeffizienz sind verfügbar. Sachpolitisch muss daher in der Schweiz Folgendes geschehen:

Die Schweiz braucht ein Atomausstiegsgesetz

Wir müssen die maximal noch zu produzierende Energiemenge in den fünf Atomkraftwerken limitieren. Der genaue Plan wird in einem Atomausstiegsgesetz festgelegt. Das führt dazu, dass Mühleberg sowie Beznau 1 und 2 innert kurzer Zeit stillgelegt werden müssen, weil sie ihre Lebensdauer erreicht haben. Bis 2025 kommt die Atomenergie in unserem Land zu einem geordneten Ende.

Die Schweiz braucht sofort einen Stromeffizienzfonds

Mit der Verbesserung der Stromeffizienz können und müssen wir sofort beginnen. Die Atomstromerzeugung in der Schweiz muss mit einer Stromeffizienzabgabe belastet werden. Damit wird ein zehnjähriges Stromeffizienzprogramm finanziert, welches volkswirtschaftlich den AKW-Ausstieg ermöglicht. Mindestens ein Drittel der heutigen Atomstromproduktion wird damit nicht mehr verschwendet.

Moderne Strompolitik muss auf erneuerbare Energie setzen

Die heutige Zielsetzung für zusätzliche elektrische Stromproduktion aus erneuerbaren Energien ist weder ambitiös noch genügend. Es gibt ein viel grösseres Potenzial. Die Realisierung von neuen dezentralen Stromproduktionsanlagen aus Sonne, Wind, Biomasse und Geothermie wird heute gebremst durch einen Deckel bei der Einspeisevergütung und durch zu viele Barrieren. Die Erneuerbaren müssen wir befreien, die Limitierung muss weg! Erneuerbare und Stromeffizienz ersetzen dann zusammen unsere Atomkraftwerke innert 15 Jahren.

Nur dieser Weg mit Energieeffizienz und erneuerbaren Energien garantiert Energiesicherheit, schafft zukunftsfähige Arbeitsplätze, setzt auf innovative und exportfähige neue Energietechniken, schont die natürlichen Lebensgrundlagen, macht unser Land unabhängiger von Preisschwankungen der knapper werdenden Energieträger, stärkt unsere Wirtschaft und trägt in der ganzen Welt zur Vermeidung von Konflikten bei. Und dieser Weg verhindert für immer die Risiken, die sich mit dem Einsatz der Atomenergie verbinden. Diesen Weg müssen wir jetzt gehen.

Atom-Debatte

Welche Zukunft hat die Kernenergie in der Schweiz? Die Vorfälle in der japanischen Atomanlage Fukushima 1 haben vor Augen geführt, dass die Kernkraft auch in einem hochtechnologisierten Land nicht ohne Risiko ist. Die Atom-Debatte in der Schweiz läuft.

20 Minuten Online publiziert zum Thema Gastbeiträge des Baselbieter SP-Nationalrats Eric Nussbaumer sowie des Berner FDP-Nationalrats Christian Wasserfallen.

Deine Meinung