22.11.2020 05:20

Massnahmen wirkenDie Schweiz bringt den R-Wert unter 0,8

Laut neusten Zahlen der ETH haben die in den letzten Wochen eingeführten Corona-Massnahmen ihr Ziel erreicht. BAG-Direktorin Anne Lévy spricht von einer Trendwende.

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Provisorische Zahlen der ETH deuten auf einen R-Wert von 0,78 hin.

Provisorische Zahlen der ETH deuten auf einen R-Wert von 0,78 hin.

Keystone/Martial Trezzini
«Es sieht nach einer Trendwende aus»: BAG-Direktorin Anne Lévy mit Bundesrat Alain Berset. (Archivbild)

«Es sieht nach einer Trendwende aus»: BAG-Direktorin Anne Lévy mit Bundesrat Alain Berset. (Archivbild)

Keystone/Peter Schneider
Levy: «Man kann sich noch so gut vorbereiten, auf alles gefasst ist man am Ende doch nicht.»

Levy: «Man kann sich noch so gut vorbereiten, auf alles gefasst ist man am Ende doch nicht.»

Keystone/Anthony Anex

Darum gehts

  • Laut einem von der ETH provisorisch veröffentlichten R-Wert von unter 0,8 ist die Schweiz auf gutem Weg.

  • Epidemiologen warnen aber vor zu viel Zuversicht.

  • BAG-Direktorin Anne Lévy spricht von einer «Trendwende».

Die Schweiz ist auf gutem Weg. Die landesweit verfügten Einschränkungen scheinen wie gewünscht zu wirken. Darauf deutet der neuste von der ETH provisorisch veröffentlichte R-Wert hin, wie die «SonntagsZeitung» berichtet. Er liegt jetzt im schweizweiten Schnitt bei 0,78 – und damit innerhalb des von der Task-Force definierten Zielbandes.

Taskforce-Präsident Martin Ackermann hatte am 12. November gesagt, das Ziel sei, den «R-Wert unter 0,8 oder besser noch 0,7» zu senken. Auf seinem absoluten Höhepunkt Ende September lag der Wert noch bei 1,78.

Der R-Wert ist ein Mass für die Ausbreitungsgeschwindigkeit der Krankheit. Ist er grösser als 1, steigen die täglichen Fallzahlen exponentiell, liegt er darunter, sinken sie. Ein R-Wert von 0,78 bedeutet konkret, dass 100 Infizierte im Schnitt 78 Personen anstecken. Kann die Schweiz den Wert auf 0,78 halten, halbieren sich die täglichen Neuansteckungen rund alle 14 Tage. Im Januar gäbe es dann täglich nur noch etwa 500 Ansteckungen.

Der Epidemiologe Thomas Cerny warnt indessen in der «SonntagsZeitung»: «Der Trend geht zwar insgesamt in die richtige Richtung, aber Kantone, welche immer noch hohe Zahlen von Neuinfektionen registrieren, werden weiter gehende Massnahmen ergreifen müssen, um die Bevölkerung zu schützen.»

In der Tat verlaufen die Ansteckungen regional sehr unterschiedlich. Am stärksten steigen die Zahlen derzeit in Basel-Stadt. Der Halbkanton hat jetzt mit 1,13 den schweizweit höchsten R-Wert. Wegen der stark steigenden Zahlen hat Basel-Stadt diese Woche bereits die Notbremse gezogen und einen kleinen Lockdown mit Restaurantschliessungen verfügt.

Lévy: «Es sieht nach einer Trendwende aus»

Anfang Oktober trat Anne Lévy ihr Amt als neue Direktorin des Bundesamts für Gesundheit (BAG) an. Im Interview mit dem «SonntagsBlick» äussert Sie sich nun erstmals ausführlich zur Corona-Krise – und gibt sich optimistisch: «Es sieht nach einer Trendwende aus», sagt sie angesprochen auf die sinkenden Fallzahlen. Und: «Ich bin zuversichtlich, dass wir momentan in die richtige Richtung ­gehen.» Dass die Schweiz zu wenig vorbereitet war auf die zweite Welle, bestreitet Lévy. Sie räumt aber ein: «Niemand hat damit gerechnet, dass die Zahlen so schnell ansteigen.»

Ihre Lehre aus der Krise sei: «Man kann sich noch so gut vorbereiten, auf alles gefasst ist man am Ende doch nicht.» Sorgen macht ihr, dass die Leute offenbar testmüde sind. Obwohl dank der neuen Schnelltests bis zu 70000 Tests pro Tag möglich wären, liegt die Positivitätsrate weiterhin bei rund 20 Prozent. «Ich fürchte, die meisten warten zu lange ab und hoffen, dass es nicht Corona ist und dass es vorbeigeht.» Lévy appelliert im «SonntagsBlick» an die Bevölkerung: «Lassen Sie sich testen, wenn Sie Symptome haben!»

Hast du oder jemand, den du kennst, Mühe mit der Coronazeit?

Hier findest du Hilfe:

BAG-Infoline Coronavirus, Tel. 058 463 00 00

Dureschnufe.ch, Plattform für psychische Gesundheit rund um Corona

Branchenhilfe.ch, Ratgeber für betroffene Wirtschaftszweige

Pro Juventute, Tel. 147

(chk)

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195 Kommentare
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Pietät

23.11.2020, 20:03

Warum werden die an Corona Verstorbenen kaum wahr genommen? Es wäre an der Zeit, das wir ein Zeichen setzen und unsere Flaggen auf Halbmast setzen um an sie zu erinnern!

Bggg

23.11.2020, 18:55

Welche Massnahmen wirken denn? Hab das Gefühl ich mache nichts anders als vorher... und der Rest auch. Abstand halten , hände waschen.. ind plötzlich sinken die Zahlen. Verstehs echt nicht mehr

Habe es satt.

23.11.2020, 17:06

Es ist dann fertig, wenn sich keiner mehr ansteckt. Eigenverantwortung funktioniert nicht und auf etwas verzichten sowieso grad gar nicht. Kaum waren die Grenzen und Bars offen, musste jeder hin, wie gäbe es kein Morgen. Warum der Bundesrat die Grossveranstaltungen erlaubt, weiss wohl nur er. Anstatt im Frühling alles dicht zu machen, bis keiner mehr angesteckt war, wurde wischiwaschi betrieben und wir sind nach 8 Monaten noch keinen Schritt weiter.