Ökoterrorist Watson: «Die Schweiz gehört zu den Schlimmsten»
Aktualisiert

Ökoterrorist Watson«Die Schweiz gehört zu den Schlimmsten»

Mit radikalen Methoden setzt sich Paul Watson gegen den Walfang ein. Nun erscheint eine Doku über den Gründer von Sea Shepherd. Im Interview schimpft er über die Schweiz.

von
Janko Skorup

Paul Watson, Sie gelten als Öko-Terrorist.

Watson: Nein, das ist lächerlich. Mit unseren Aktionen verletzen wir niemanden, und wir brechen auch keine Gesetze.

Was tun Sie gerade?

Ich jage japanische Walfänger im Rossmeer zwischen der Antarktis und Neuseeland. Es läuft gut, den Walfängern läuft die Zeit davon.

Wie viele Leute zählen Sie?

Auf unsere drei Schiffe «Steve Irwin», «Bob Barker» und «Brigitte Bardot» verteilen sich insgesamt 88 Aktivisten aus 24 verschiedenen Ländern. Manchmal sind auch Schweizer an Bord, aber an dieser Mission leider nicht.

Japanisches Walfang-Schiff geentert

Wie bekämpfen Sie die Walfänger?

Wir blockieren ihre Schiffe, damit sie die Wale nicht aufladen können. Ausserdem versuchen wir sie mit allen möglichen Mitteln zu stören, zum Beispiel indem wir sie mit Stinkbomben bewerfen.

Mit Enterhaken gegen Tierschützer

Sie haben sogar Drohnen dabei.

Ja, wir haben Drohnen. Das macht es einfacher, die Walfangschiffe zu orten. Wie viele wir dabei haben, kann ich aus taktischen Gründen nicht sagen. Die Drohnen haben wir in den USA gekauft.

Haben Sie auf hoher See manchmal Angst?

Nein, dank unserer langjährigen Erfahrung fahren wir sehr sicher. Bis jetzt wurde noch niemand getötet.

Wie können Sie Ihre aufwendigen Missionen finanzieren?

Wir haben private Geldgeber, die unsere Angelegenheit unterstützen. Ausserdem arbeitet jeder bei «Sea Shepherd» als Freiwilliger.

Wie viele Wale werden pro Jahr getötet?

Japan wollte letztes Jahr 1035 Wale töten – geschafft haben sie 178. Japan tötet diese Wale unter dem Deckmantel der «Forschung». In Wahrheit geht es nur um Profit. Das ist zwar illegal, aber für die internationale Gemeinschaft gibt es keine wirtschaftliche Motivation, um etwas gegen den Walfang zu tun – also wird lieber weggeschaut.

Wie könnte sich die Schweiz einbringen?

Die Schweiz ist Mitglied der Internationalen Walfangkommission. Sie sollte also politischen Druck auf Japan und andere Walfangländer ausüben.

Sie setzen sich auch gegen die Robbenjagd ein. Was sagen Sie dazu, dass die Schweiz die Einfuhr von Robbenprodukten nicht unterbindet?

Die Schweiz ist eines der schlimmsten Länder der Welt, was das angeht. Kein anderes Land in Europa handelt mit Robbenprodukten. Der kanadische Markt ist eigentlich am Ende, aber die Schweiz unterstützt ihn durch den Handel. Hier gehts nur um Geld, nicht um Moral.

Was tun Sie gegen die Robbenjagd?

Seit 35 Jahren blockieren wir Robbenjagdschiffe in Kanada, Südafrika und Grossbritannien. Wir gehen also aktiv dagegen vor, nicht unbedingt politisch. Es gibt aber auch einen politischen Ableger unserer Organisation in der Schweiz.

Wie viele Mitglieder hat Ihre Organisation?

Zur Zeit rund 2000 Aktivisten. Wir haben also keine Probleme, um die 88 Plätze auf unseren Schiffen zu füllen.

Was war Ihre Motivation, beim Film «Bekenntnisse eines Öko-Terroristen» mitzumachen?

Peter Brown, der Regisseur war ein langjähriges Crewmitglied. Nun geht er die Sache «von Land» an. Der Film soll die Leute aufklären, was in der Welt eigentlich abgeht. Der Titel ist allerdings etwas lächerlich - im Film sieht man, wieso.

Der Trailer zum Dokumentationsfilm:

(Quelle: YouTube/AscotEliteHE)

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