22.03.2020 17:21

Über 50'000 Tests

Die Schweiz hat eine der höchsten Testraten

Die Schweiz hat ihre Test-Kapazität ausgebaut. Täglich können bis zu 7000 Personen auf eine Infektion durch Covid-19 getestet werden.

von
ete
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Gemäss einem vertraulichen Lagebulletin von Schutz und Rettung Zürich könnten die Massnahmen gegen die Ausbreitung des Coronavirus «massiv verlängert» werden – möglicherweise bis nach den Sommerferien.

Gemäss einem vertraulichen Lagebulletin von Schutz und Rettung Zürich könnten die Massnahmen gegen die Ausbreitung des Coronavirus «massiv verlängert» werden – möglicherweise bis nach den Sommerferien.

Das wegen der Covid-19-Pandemie verschärfte Grenzregime fordert das Zollpersonal. Darum unterstützen Militärpolizisten und ein Milizbataillon bei der Sicherung der Schweizer Grenzen. (Symbolbild)

Das wegen der Covid-19-Pandemie verschärfte Grenzregime fordert das Zollpersonal. Darum unterstützen Militärpolizisten und ein Milizbataillon bei der Sicherung der Schweizer Grenzen. (Symbolbild)

Keystone/Gian Ehrenzeller
Arbeitgeber müssen für Arbeitnehmer spezielle Massnahmen treffen, damit sie weiterhin ihre Arbeit verrichten können. (Symbolbild)

Arbeitgeber müssen für Arbeitnehmer spezielle Massnahmen treffen, damit sie weiterhin ihre Arbeit verrichten können. (Symbolbild)

Keystone/Alexandra wey

Aus Mangel an Test-Kapazitäten empfiehlt das BAG den Kantonen, nur Patienten aus der Risikogruppe zu testen oder jene, deren Symptome sich verschlechtert haben. Inzwischen hat die Schweiz die Test-Kapazität erhöht. Gestützt auf Informationen des BAG schreibt die «NZZ am Sonntag», dass bis Freitag 50'000 Proben untersucht worden seien. Damit weist die Schweiz (5800 pro Million Einwohner) nach Südkorea (6150) eine der weltweit höchsten Testraten auf. In Italien sind es 3450, in den USA 313.

Aufwändige Verfahren und Nachschubprobleme

Im Kanton Bern wollte man ab kommender Woche Drive-ins einrichten. Das Projekt wurde verschoben, weil die Firma Roche mit der Herstellung der Testkits nicht nachkommt. Das Problem liegt im aufwendigen PCR-Verfahren, auf das man bei der Corona-Diagnostik angewiesen ist. Es kann selbst schwache Spuren des Virus nachweisbar machen, weil sogenannte Primer-Moleküle sich unter allen Erbgut-Molekülen gezielt diejenigen des Erregers aussuchen.

Im sogenannten Thermocycler wird das Erbgutgemisch dann immer wieder erhitzt und abkühlt. Unter Hitze werden die DNA-Ketten aufgespalten. Kühlen die Temperaturen ab, können die Primer binden und den Kopierprozess starten. Der Vorgang dauert zwei Stunden – plus zwei Stunden für die Vorbereitung, wie Hans Hirsch, Leiter der klinischen Virologie am Unispital in Basel, zitiert wird. Selbst unter Einsatz aller Maschinen könnten nicht mehr als 700 Diagnosen pro Tag gemacht werden.

Hirsch und sein Team entwickelten ein eigenes Nachweisverfahren, das nicht auf die vorgefertigten Testkits der Industrie angewiesen ist. Die Uno möchte es nun in Schwell- und Entwicklungsländern einsetzen. Die USA setzt, um die schlechten Test-Quoten zu verbessern, auf Roche. Das Roboter-Labor-Cobas schafft 4000 Tests in 24 Stunden und vollautomatisch. Das Corona-Diagnostik-System erhielt schon eine Notfall-Zulassung.

Schnelltests aus dem Internet

Alternativen zu den PCR-Tests sind Blutuntersuchungen. Schnelltests dafür werden mittlerweile im Internet angeboten. Dazu muss man zwei Tropfen Blut auf ein Kästchen aufbringen, binden die darin enthaltenen Antikörper an Virusstrukturen auf dem Teststreifen, verändert sich die Farbe. Nur werden die meisten Antikörper im Körper eines Infizierten erst am Ende der ersten Woche gebildet und so frischere Infektionen übersehen. Das Problem sei eine gewisse Fehlerquote, da sie teilweise auch auf andere Viren reagieren würden, so der Berliner Virologe Christian Drosten in seinem Podcast im Norddeutschen Rundfunk.

Ab Mai/Juni sind erste Produkte verfügbar

Florian Krammer von der New Yorker Icahn School of Medicine stellte einen Schnelltest vor, der auf künstlich hergestellten Proteinen, die den typischen Stacheln des Virus ähneln, basiert. Diese chemische Anbindung ist offenbar so spezifisch, dass sie nur mit Corona-Antikörpern stattfindet und der Test schon drei Tage nach der Ansteckung reagiere.

Christian Drosten hofft auf den sogenannte Antigen-Test. Auf einem Teststreifen befinden sich Antikörper des Coronavirus, ähnlich wie sie im Körper eines Infizierten gebildet werden. Falls in einer Probe Viren vorhanden sind, verbinden sie sich mit den Antikörpern auf dem Teststreifen und werden angezeigt. Ab Mai oder Juni könnten die ersten Produkte verfügbar sein und der Weg für gross angelegte Tests wäre frei.

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