Aktualisiert 20.01.2014 13:53

Schweizer Novum

Die Schweiz hat ersten Bitcoin-Bankomaten

Bitcoin wird handfest: In Zürich nahm der erste Bitcoin-Bankomat der Schweiz den Betrieb auf. Kunden können dort Bargeld gegen die Internet-Währung einlösen.

von
Yves Hollenstein
Eine Kundin kauft mit einem 50-Euro-Schein Bitcoins.

Eine Kundin kauft mit einem 50-Euro-Schein Bitcoins.

Das hellgraue Gerät hat ungefähr die Grösse einer Bananenschachtel und steht etwas verloren am Rande der Markthalle im Viadukt in Zürich. Dass der Bankomat noch nicht fix montiert ist, sondern nur auf einem Tisch abgestellt wird, hat einen guten Grund: Das Ganze ist ein einwöchiges Pilotprojekt des Vereins World Bitcoin Association.

«Wir wollen testen, ob auch in der Schweiz ein Bedarf für einen Bitcoin-Bankomaten besteht», sagt Vereinspräsident Dorian Credé. Den Automaten hat der Verein deshalb auch vorerst ausgeliehen - von einer Privatperson aus der Slowakei. Diese hatte letztes Jahr in einer Einkaufspassage in Bratislava den ersten Bitcoin-Bankomaten Europas lanciert. Der erste Bitcoin-Bankomat der Welt nahm letzten Oktober in Vancouver den Betrieb auf.

Fixer Standort noch offen

Die Schweizer Bitcoin-Fans haben aber bereits ein solches Gerät bestellt. Dieses kann jedoch frühestens im März geliefert werden. Der Hersteller wurde mit Bestellungen völlig überrannt, begründet Credé die Verzögerung. Sobald der Bitcoin-Automat geliefert wird, soll er in der Schweiz fix installiert werden. Wo ist noch offen. Der Besitzer der Zürcher Markthalle sei von der Idee sehr angetan, aber auch die Swisscom hätte Interesse bekundet.

Allerdings müssten speziell im Fall des Telekom-Anbieters noch verschiedene finanzregulatorische Fragen geklärt werden. Im Rahmen des Pilotprojektes sei jedoch mit den derzeit gültigen Gesetzen alles geklärt, versichert Credé: «Da wir ein ehrenamtlicher Verein sind, fallen wir bis zu einer Obergrenze von 150'000 Franken Jahresumsatz nicht unter die Mehrwertsteuerpflicht, sollte der Bitcoin seitens des Gesetzgebers als Ware deklariert werden.» Es gehe dem Verein aber nicht ums Geldverdienen, betont Credé. Er und sein Mit-Initiator, der Bitcoin-Szene-Blogger Christian Mäder, wollen den Bankomaten vorerst kostendeckend betreiben. Dafür werden bei jeder Transaktion 3 bis 5 Prozent abgezogen.

Vorerst nur Euro akzeptiert

Und so funktioniert der Bitcoin-Bankomat: Vorgängig muss jeder Benutzer im Internet ein Bitcoin-Konto einrichten. Anschliessend kann er sich mit einem QR-Code, der auf seinem Smartphone erscheint, im Automaten auf sein Konto einloggen. Mit einem beliebigen Betrag können dann Bitcoins gekauft werden. Während dem Pilotprojekt ist eine Einzahlung nur mit Euro-Noten möglich, nachher sollen auch Schweizer Franken akzeptiert werden. Nach ein paar Minuten werden dem Benutzer die gekauften Bitcoins abschliessend auf das Konto überwiesen.

Die gekauften Bitcoins sind nun auf einer dezentralen Datenbank gespeichert. Der Wechselkurs zu echtem Geld wird täglich errechnet - und kann teils extrem schwanken. Die Internet-Währung rief darum in letzter Zeit auch viele Spekulanten auf den Plan. Doch Bitcoin ist mittlerweile auch ein reales Zahlungsmittel. Nach Onlineshops und Internetdienstleistern lässt sich mit der Währung auch in immer mehr Läden bezahlen.

So funktioniert der Bitcoin-Bankomat am Beispiel von Bratislava. (Quelle: Youtube)

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