Aktualisiert 11.03.2018 21:25

2 Prozent der Verwahrten entlassen

«Die Schweiz hat keine Kuscheljustiz»

Eine neue Studie zeigt: Die Schweiz ist äusserst restriktiv, wenn es um Entlassungen von verwahrten Straftätern geht.

von
roy
Die ordentliche Verwahrung sei de facto eine lebenslange Verwahrung, sagt ein Experte: Das Kasernenareal in Zürich. (28. März 2016)

Die ordentliche Verwahrung sei de facto eine lebenslange Verwahrung, sagt ein Experte: Das Kasernenareal in Zürich. (28. März 2016)

Keystone/Gaetan Bally

Thomas Freytag, Vorsteher des Amtes für Justizvollzug des Kantons Bern, hat zusammen mit Doktorandin Aimée Zermatten ausgewertet, dass in den vergangenen zehn Jahren lediglich 2 Prozent der 141 ordentlich Verwahrten bedingt entlassen worden sind. «Und die wenigen, die in Freiheit kommen, sind praktisch immer alt, krank und nicht mehr im Stande, ein schweres Delikt zu begehen», sagt Freytag gegenüber der «SonntagsZeitung». «Somit ist die ordentliche Verwahrung de facto eine lebenslange Verwahrung.»

Grund für die wenigen Entlassungen: eine Null-Risiko-Mentalität. Auch bei der sogenannten kleinen Verwahrung, der stationären Massnahme nach Artikel 59 gemäss Strafgesetzbuch. Lediglich 10 Prozent der Täter wurden im Schnitt in den vergangenen zehn Jahren bei der jährlichen Überprüfung bedingt entlassen.

Keine Kuscheljustiz

«Diese Zahlen zeigen, dass die Schweiz alles andere als eine Kuscheljustiz hat», sagt Freytag. «Der Schutz der Gesellschaft vor gefährlichen Tätern ist da.»

Laut Gesetz muss eine normale Verwahrung jährlich überprüft werden, ein entsprechendes Gutachten kostet 12'000 bis 15'000 Franken. «Das führt zu horrenden Kosten», sagt BDP-Nationalrat Bernhard Guhl, «und jedes Gutachten birgt die Gefahr, dass sich ein Verwahrter verstellt und freikommt.» Nach einem Vorstoss von Guhl, den Bundesrat und Parlament unterstützen, soll das Überprüfungsintervall künftig auf drei Jahre erhöht werden.

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