Ausweis auf Smartphone: Die Schweiz hinkt beim digitalen Führerausweis hinterher
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Ausweis auf SmartphoneDie Schweiz hinkt beim digitalen Führerausweis hinterher

In Deutschland soll der Führerausweis in Zukunft auf dem Smartphone vorgezeigt werden. In Norwegen ist das bereits normal. Hierzulande steckt der digitale Führerausweis noch in den Kinderschuhen.

von
Barbara Scherer
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Noch gibt es in der Schweiz keinen digitalen Führerausweis.

Noch gibt es in der Schweiz keinen digitalen Führerausweis.

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Bei jeder Kontrolle müssen Autofahrer den Ausweis in Papierform dabeihaben.

Bei jeder Kontrolle müssen Autofahrer den Ausweis in Papierform dabeihaben.

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In Deutschland soll sich das nun ändern. 

In Deutschland soll sich das nun ändern.

imago/photothek

Darum gehts

  • Deutschland will den Führerausweis auf dem Smartphone einführen.

  • In der Schweiz wird diese Option noch abgeklärt.

  • Norwegen nutzt bereits seit längerem eine App für den Führerausweis.

Wer mit dem Auto unterwegs ist, muss stets den Führerausweis im Portemonnaie oder in der Tasche dabeihaben. In Deutschland ist das bald nicht mehr so: In Zukunft soll ein digitaler Führerausweis zum Einsatz kommen. Die EU-Kommission habe sich auf der informellen Tagung der europäischen Verkehrsminister klar zum digitalen Führerausweis bekannt, wie Golem.de schreibt.

Auch in der Schweiz ist der Führerausweis fürs Smartphone ein Thema: Das Bundesamt für Strassen (Astra) prüft zurzeit zusammen mit den kantonalen Strassenverkehrsämtern, ob ein digitaler Führerausweis in der Schweiz eingeführt werden könnte, wie der Bund bestätigt.

Der TCS unterstützt eine genaue Überprüfung des digitalen Führerausweises. «Natürlich gilt es dabei, die Vereinbarkeit und Übereinstimmung mit dem internationalen Recht sicherzustellen», sagt eine Sprecherin. So sollte der Führerausweis auf dem Handy auch die Einfuhr von Fahrzeugen sowie das Eintragen des Wohnortwechsels vereinfachen.

Das sieht auch Marketing-Dozentin Adrienne Suvada von der ZHAW so: «Im Idealfall wäre es ein System, das auch im Ausland funktioniert. Also dass man den digitalen Führerausweis auch dem französischen oder deutschen Polizisten zeigen kann.»

Schweiz schaut auf die EU

Dass die Schweiz beim digitalen Führerausweis hinterherhinkt, habe vor allem auch mit der EU zu tun: «Man möchte schauen, was die EU und andere Länder machen. Bei der Covid-App hat man allerdings gesehen, dass jedes Land einfach etwas Eigenes macht.»

Bei der Entwicklung eines digitalen Führerausweises spiele zudem der Datenschutz eine wichtige Rolle. «Man wird Angst haben, dass man mit dem digitalen Führerausweis Identitätsklau machen kann», erklärt Suvada. Deshalb nehme die Ausarbeitung einige Zeit in Anspruch.

Norwegen als Vorreiter

In Norwegen ist der Führerausweis auf dem Smartphone bereits normal: Auf einer App können Autofahrer einen persönlichen Code eingeben, dieser öffnet die Seite der staatlichen Verkehrsbehörde, wo die Details der Fahrerlaubnis festgehalten sind. Zudem gibt es einen QR-Code, den die Polizei scannen kann.

Das erstaunt Suvada nicht: Die nordischen Länder seien auch bei den Payment-Themen viel digitaler unterwegs. «Das ist also generell ein Unterschied zur Schweiz. Wir haben so eine hohe Digitalisierung noch gar nicht.»

Politiker wollen digitalen Führerausweis

SVP-Nationalrat Franz Grüter hat bereits 2018 einen Vorstoss zum digitalen Führerausweis eingereicht. «Ein digitaler Fahrzeug- und Führerausweis verspricht in einer zunehmend vernetzten Welt viele Vorteile», so sein Argument. Der FDP-Politiker Andrea Caroni hat letztes Jahr zusätzlich eine Interpellation zum Thema eingereicht und den Bundesrat aufgefordert, Stellung zum Thema zu beziehen.

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