Aktualisiert 26.05.2016 10:09

Privatdetektive im Stress«Die Schweiz ist das Land der Seitensprünge»

Seitensprünge haben Hochkonjunktur. Soziale Medien und Dating-Plattformen halten Schweizer Privatdetektive auf Trab.

von
B. Zanni
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Smartphones können Gift für die Beziehung sein. Privatdetektive erhalten viele Aufträge von möglicherweise gehörnten Partnern.

Smartphones können Gift für die Beziehung sein. Privatdetektive erhalten viele Aufträge von möglicherweise gehörnten Partnern.

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Privatdetektiv Marco Specker ist oft für Klienten unterwegs, die aufgrund von Facebook und Whatsapp gegenüber ihrem Partner misstrauisch geworden sind.

Privatdetektiv Marco Specker ist oft für Klienten unterwegs, die aufgrund von Facebook und Whatsapp gegenüber ihrem Partner misstrauisch geworden sind.

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Privatdetektiv Erich Wunderli: «Fremdgänger gehen mit der Affäre in den Ausgang oder schlagen sich beim Spazieren mit einer Wolldecke auch mal in einen Busch.»

Privatdetektiv Erich Wunderli: «Fremdgänger gehen mit der Affäre in den Ausgang oder schlagen sich beim Spazieren mit einer Wolldecke auch mal in einen Busch.»

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Herr und Frau Schweizer fressen gerne über den Zaun. Die Privatdetektive sind deswegen ständig auf Achse. Erich Wunderli, Inhaber der Detektei Wunderli, fällt auf: «In den Monaten März bis Mai handelt es sich in 80 Prozent unserer Fälle um Fremdgehen.» In den letzten Jahren hätten die Fälle um 15 Prozent zugenommen. Max Steiner, Geschäftsführer der Basilisk Detektei GmbH, ist zu rund 60 Prozent Untreuen auf der Spur. «In den letzten drei Jahren hat sich die Anzahl verdreifacht.» Marco Specker, Inhaber der Detektiv Zürich GmbH, stellt zudem fest: «Ich erhalte neu auch viele Anfragen von jungen Erwachsenen, etwa 20-Jährigen.» Da der Service für diese aber oft zu teuer sei, müssten sie verzichten.

Die gute Auftragslage führen die Detektive auf die sozialen Medien und Dating-Plattformen zurück. «Apps wie Tinder und Chats verführen schnell zu einem Seitensprung», so Erich Wunderli. Laut den Detektiven schöpfen viele Auftraggeber Verdacht, weil ihnen auffällt, dass der Partner häufig am Handy oder Computer hängt. Wunderli:«Männer gehen dann oft automatisch von einem Seitensprung aus.»

Verdächtige Fotos und Zeitangaben

Bei Marco Speckers Klienten wecken oft Facebook und Whatsapp Misstrauen. «Die Partnerin entdeckt Fotos auf dem Facebook-Profil ihrer Rivalin, die sie auf einen Betrug schliessen lassen.» Viele verglichen anhand der Zeitangaben auf Whatsapp auch, ob der Partner und die Affäre zuletzt zur gleichen Zeit online gewesen seien. Laut Erich Wunderli kommt es auch vor, dass Partner misstrauisch werden, weil das Gegenüber plötzlich weniger oder keine Nachrichten mehr schreibt. «Oder der Sex ist seltener geworden, weil der Partner mit jemandem eine Affäre hat, den er auf einem Seitensprung-Portal kontaktierte.»

Oft sind die Zweifel der Klienten berechtigt. Wunderli erwischt die Fremdgänger meist am Wochenende. «Sie gehen mit der Affäre in den Ausgang oder schlagen sich beim Spazieren mit einer Wolldecke auch mal in einen Busch.» Max Steiner sagt, dass Saunas und Hallenbäder solche Paare anziehen würden. Auch Ausflüge in der Natur seien beliebt. «Zur Sache geht es im Auto oder im Hotel.»

Laut den Detektiven verlangen die Auftraggeber einen eindeutigen Beweis, der ihren Verdacht bestätigt oder widerlegt. Erich Wunderli schicken vor allem Frauen auf Verfolgungsjagd. Die Männer seien grössere Technik-Freaks. «Sie versuchen ihre Partnerinnen lange zuerst mit GPS-Systemen oder Wanzen zu überführen.»

«Die Schweiz ist das Land der Seitensprünge»

Auch die Klienten von Paartherapeuten suchen derzeit oft wegen Untreue Hilfe.«Die Schweiz ist das Land der Seitensprünge», sagt Rainer Grunert. Das liege an der Harmoniesucht der Schweizer. «Paare hintergehen einander deswegen lieber, als offen über ihre Konflikte zu reden.»

Paartherapeuten raten davon ab, sich bei einem Verdacht an einen Detektiv zu wenden. «Das ist ein ähnlicher Verrat am Partner wie ein Seitensprung», sagt Klaus Heer. Ein Privatdetektiv stelle ein ramponiertes Vertrauen nicht wieder her, sondern verstärke das Misstrauen massiv. Stattdessen solle der misstrauische Partner sein Gegenüber direkt darauf ansprechen. Rainer Grunert rät dagegen, bei wiederkehrenden Zweifeln, den Laufpass zu geben. «Wenn man kein gutes Gefühl mehr hat, ist die Beziehung doch ohnehin schon längst im Eimer.»

Haben Sie schon einmal einen Privatdetektiv engagiert, weil Sie den Verdacht hatten, von Ihrem Partner betrogen zu werden? Dann melden Sie sich und erzählen Sie uns Ihre Geschichte hier:

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