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Die Schweiz ist ein Paradies für Sekten

Den Grund der Attraktivität der Schweiz für Sekten sehen Experten in der hiesigen liberalen Tradition gegenüber Religionen und in der Finanzstärke. Der Trend geht weg von den grossen Organisationen hin zu kleinen, privaten Zirkeln.

«Im Ausland ist die Schweiz bekannt als guter Ort für Sekten», sagte Danièle Muller vom Schweizerischen Verband zum Schutz der Familie gestern in der «Tribune de Genève». Sektenexperte Georg Schmid von der Beratungsstelle Relinfo.ch bestätigt diese Aussage indirekt: «Weltweit gibt es nur an wenigen Orten mehr religiöse Gruppen pro Kopf als in der Schweiz.» Selbst in den USA sei dies nur in einigen Staaten der Fall. Den Grund dafür sieht er in der gegenüber Religionsgemeinschaften liberalen Tradition der Schweiz und in der Finanzstärke. Bekannt sind laut Schmid in der Schweiz gegen 500 verschiedene grössere Gruppierungen. Daneben gebe es aber noch einige Tausend unbekannte kleinere, Tendenz klar steigend.

Der Trend geht heute weg von grossen Sekten und Gemeinschaften wie Zeugen Jehovas oder Scientology hin zu kleinen Gruppen mit 12 bis 40 oder 50 Mitgliedern. «Wir haben in unserer Beratungsstelle etwa 10 Anfragen pro Tag, davon betreffen rund die Hälfte kleine, private Zirkel», so Schmid. Das Problem bei kleinen Gruppen sei, dass sie meist den gesamten Freundeskreis umfassen und deshalb ein Ausstieg sehr schwer sei. Schmid: «Wer nicht sicher ist, soll sich immer fragen, ob er noch seine Meinung sagen kann und ob es eine alles dominierende Figur gibt.»

Christian Degen

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