Kult-Managerspiel - Die Schweiz ist erstmals Fussballweltmeister – bei Hattrick
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Kult-ManagerspielDie Schweiz ist erstmals Fussballweltmeister – bei Hattrick

Hattrick wird weltweit von hunderttausenden Spielern gespielt. Nun hat die Schweiz nach drei Finalniederlagen endlich den Weltmeistertitel geholt. 20 Minuten sprach mit dem Nati-Coach.

von
Lucas Orellano
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Mit dieser Aufstellung bezwang die Schweiz im WM-Final Österreich

Mit dieser Aufstellung bezwang die Schweiz im WM-Final Österreich

Hattrick
Das Team von Nati-Coach Morelos setzte sich im Final gegen Österreich durch.

Das Team von Nati-Coach Morelos setzte sich im Final gegen Österreich durch.

Hattrick
Es war auch vor den Bildschirmen eine Team-Arbeit.

Es war auch vor den Bildschirmen eine Team-Arbeit.

Hattrick

Darum gehts

  • Morelos und sein Team wurden am vergangenen Wochenende mit der Schweiz Fussballweltmeister bei Hattrick.

  • Es ist das erste Mal in der 23-jährigen Geschichte des Kultspiels.

  • 20 Minuten sprach mit dem Nati-Trainer über den Weg zum Titel, die Faszination des Browsergames und was die Schweiz alles besser kann als Österreich.

Was Vladimir Petkovic, Köbi Kuhn, Roy Hodgson und Konsorten nicht geschafft haben, wurde am vergangenen Wochenende für Morelos Realität: Er führte die Schweiz erstmals zum Fussball-Weltmeistertitel. Und zwar im legendären Fussball-Managerspiel Hattrick. Im Final gewann die HT-Nati überlegen mit 3:0 gegen defensiv eingestellte Österreicher. Die Tore erzielten nicht Haris Seferovic, Mario Gavranovic und Breel Embolo, sondern Mael Wickihalder, Edouard «Flash» Bonsolet und Erni Fiume. 20 Minuten hat mit Nati-Trainer Morelos, der eigentlich Daniel heisst, gesprochen.

20 Minuten: Herzliche Gratulation zum Weltmeistertitel! Du hast vier Leute in deinem Stab und sieben Scouts. Habt ihr trotz Corona ein bisschen feiern können?

Daniel: Vielen Dank. Um genau zu sein, hatte ich zwei Manager in meinem fixen Kernteam. Die Scouting-Organisation untersteht in der Schweiz nicht direkt dem Naticoach. Dazu kamen pro Spiel zwei Manager aus der Community, welche bei der Ausarbeitung der Aufstellungen mitmachten. Für mich war es sehr wichtig, dieses Amt in Teamwork und unter Einbezug der Community auszuüben.

Da ich auch in Real Life ein starker Verfechter von Teamarbeit bin, wollte ich auch herausfinden, wie weit man in einer virtuellen Welt über eine etwas längere Zeit als Team funktionieren kann. Bezüglich Feierlichkeiten haben wir uns selbstverständlich an die Corona-Regeln gehalten und virtuell angestossen und Party gemacht.

Es ist der erste Weltmeistertitel der Schweiz nach insgesamt drei Finalniederlagen. Ist der Fluch jetzt quasi gebrochen?

Das hoffen wir doch schwer. Am Schluss muss halt sehr viel zusammenpassen und optimal laufen damit nach 25 WM-Spielen der Titel gewonnen werden kann. Und ich wiederhole mich gerne. Ohne mein grossartiges Team im Rücken wäre das alles nicht möglich gewesen.

Der Finalsieg war ein klares 3:0 gegen Österreich. Jetzt sind wir also nicht nur beim Ski, im Tennis, im echten Fussball, sondern auch noch bei Hattrick besser. Freut man sich da besonders?

Absolut. Vor allem weil Österreich eine der erfolgreichsten Mannschaften in der jüngsten Vergangenheit ist. Sie wurden bei der vorletzten WM unter dem amtierenden Coach bereits Weltmeister. Besonders stolz sind wir vor allem auch deshalb, weil wir Österreich nicht nur im Finale geschlagen haben. Wir konnten sie auch in einem sehr wichtigen Spiel in Runde vier mit 3:0 bezwingen.

Ihr seid ohne Niederlage und mit nur einem Unentschieden zum Titel marschiert. Kann man von einem Favoritensieg sprechen?

Ich glaube nicht, dass wir ein klarer Favorit waren. Unser Team hat wahrscheinlich weniger Ausnahmespieler als so manch andere Mannschaft. Unsere Stärke liegt mehr in der Breite und der starken Verbundenheit der Spielerbesitzer mit der Nationalmannschaft. Sicher, viele hatten uns auf der Rechnung, zusammen mit etlichen anderen Teams. Wir mussten uns den Titel aber hart erarbeiten und uns bereits in der WM-Qualifikation durch sehr anspruchsvolle Situationen kämpfen und standen auch an der WM immer wieder mal mit dem Rücken zur Wand.

Wie hat euer Umfeld den Erfolg wahrgenommen? Oder haben sich die Reaktionen vor allem auf die Hattrick-Community beschränkt?

Die Reaktionen in der HT-Community waren gewaltig. Viele Manager aus der ganzen Welt übermittelten ihre Glückwünsche und brachten in den Foren und mit privaten Nachrichten ihre Freude zum Ausdruck.

Hat sich Sportministerin Viola Amherd schon mit Glückwünschen gemeldet?

Bisher noch nicht. Andererseits muss ich es auf meine Kappe nehmen, dass ich vergessen habe, sie zum Finalspiel einzuladen. Es machte mal die Runde, dass uns Roger Federer umgehend nach dem Finalsieg über Twitter gratulierte. Aber der Tweet stellte sich rasch als ein Fake heraus.

Du bist seit 2002 bei Hattrick dabei. Das nenne ich mal Treue. Was macht für dich die Faszination aus?

Das ist in der Tat eine lange Zeit. Das Engagement über all die Jahre war natürlich nicht immer gleich hoch. Das Spiel hat sich in dieser Zeit auch enorm weiterentwickelt, was immer wieder motivierte, die eigene Mannschaft auf die Änderungen strategisch und taktisch neu auszurichten. Die eigentliche Faszination macht aber auch die Community aus. Ich lernte über die Plattform in all den Jahren viele Manager aus der ganzen Welt kennen und tausche mich mit ihnen über weit mehr als nur Fussball aus.

Was ist Hattrick?

Hattrick ist ein kostenloses Fussball-Managerspiel, das im Jahr 1997 in Schweden gegründet wurde. Nutzerinnen und Nutzer bekommen ein eigenes Fussballteam, können Spieler kaufen und verkaufen, aufsteigen und absteigen, Experten anstellen und alles andere, was zum Managen eines Vereins dazugehört. In der Schweiz sind am Samstag Ligaspiele und am Mittwoch Cup- beziehungsweise Freundschaftsspiele. Nebenbei hat Hattrick ein Forensystem, in dem sich die Community austauschen kann.

Du warst mit deinem Verein Atlético Morelia sogar mal Schweizer Pokalsieger und wurdest mehrmals Meister in der zweithöchsten Liga. Zuletzt wurdest du in die sechste Liga durchgereicht. Hast du deine ganze Zeit für das Nationalteam gebraucht?

Der Pokalsieg liegt nun schon ziemlich weit zurück. Ich durfte auch einige Saisons in der höchsten Spielklasse mitspielen. Allerdings ohne die Meisterschaft gewinnen zu können. Dass ich nun in der sechsten Liga spiele, hat damit zu tun, dass ich einerseits meinen Aufwand für mein eigenes Team stark runterfahren wollte, in Anbetracht des Nati-Mandats. Andererseits soll das Team neu aufgebaut und für zukünftige Erfolge fit gemacht werden.

Apropos: Wie viele Stunden pro Woche hast du auf dem Weg zum Titel in HT investiert?

Das ist gar nicht mal so einfach zu beantworten. Es gab Phasen, wo es mehr Zeit brauchte, wie zum Beispiel zu Beginn, als ich das Kader zusammenstellen musste, und dann natürlich gegen den Schluss mit all den Finalspielen. Dazwischen gab es aber durchaus auch ruhigere Phasen. Zudem hatte ich ja tatkräftige Unterstützung über die gesamte Amtszeit und wir funktionierten je länger je mehr als ein gut funktionierendes und eingespieltes Team.

Wie muss man sich die Arbeit am Nationalteam vorstellen? Habt ihr beim Feierabendbier über Aufstellungen gebrütet?

Die Zusammenarbeit mit dem Team lief vorwiegend in-game. Vereinzelt auch über Whatsapp. Und ich muss sagen, das funktionierte absolut einwandfrei.

Bei Hattrick wählt ja die Community den Nationaltrainer. Ist das der Grund, weshalb die Schweiz da Weltmeister geworden ist und in der Realität noch nicht?

Wer weiss. Wir können ja mal einen Vorstoss beim Fussballverband machen, dass der nächste Nati-Coach durch die Verbandsmitglieder gewählt wird. Ein wenig mehr Mitspracherecht der Fans würde sicher nicht schaden. Das gilt nicht nur für die Nationalmannschaft.

Es laufen schon wieder die nächsten Wahlen. Dein Name fehlt auf der Kandidatenliste. Nach so einem Erfolg bleibt gar nichts als der Rücktritt?

Es gilt doch «Man soll aufhören, wenn es am schönsten ist». Daran halte ich mich gerne. Zudem war für mich von Beginn an klar, dass dies ein einmaliges Projekt ist und nach mir andere Manager eine Chance auf das Amt erhalten sollen.

Du bist FCZ-Fan. Was bereust du sonst noch in deinem Leben?

Dass ich auch grosser HSV-Fan bin … Aber wie man in Hamburg sagt «Liebe kennt keine Liga». Von dem her bereue ich gar nichts. Echte Fans halten in schwierigen Zeiten erst recht zu ihrem Verein.

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