Gratis-Internet: Die Schweiz ist immer noch eine WLAN-Wüste

Aktualisiert

Gratis-InternetDie Schweiz ist immer noch eine WLAN-Wüste

Im Vergleich zu Hotspot-Mekkas im Ausland gleichen Schweizer Städte einer WiFi-freien Zone. Zwar macht es Luzern seit Jahren vor, doch Zürich und Co. haben andere Prioritäten.

von
O. Wietlisbach

Die Schweiz ist ein Entwicklungsland. Zumindest, wenn es um öffentliches WLAN geht. Während die Flughäfen in London, Wien oder Singapur die Gäste mit Gratis-Internet begrüssen, werden Touristen in Zürich-Kloten zur Kasse gebeten.

Wer mit der S-Bahn oder dem Tram in die Innenstadt fährt, hofft vergebens auf Gratis-Internet. «Wir gehen nicht davon aus, dass die Leute WLAN im Tram brauchen», erklärten die Verkehrsbetriebe Zürich (VBZ) Ende Februar auf Anfrage. Es sei nicht die Aufgabe des öffentlichen Verkehrs, den Passagieren Gratis-Internet zur Verfügung zu stellen. Bei den Berner Verkehrsbetrieben steht WLAN ebenso wenig zur Debatte. «Die Leute fahren nur kurze Zeit mit den Trams, der Nutzen wäre zu klein», sagt Bernmobil-Sprecherin Annegret Hewlett.

Im Zeitalter von Smartphones und Tablet-PCs, die überall in Sekundenschnelle einsatzbereit sind, scheint diese Argumentation wenig plausibel. Ob Bern, Zürich oder andere Städte: Auf WLAN-Hotspots treffen Touristen und Einheimische selbst in grossen Ballungszentren nur vereinzelt. Die wenigen Internet-Oasen heissen Starbucks oder McDonald's.

Luzern ist WLAN-Pionier

Gut lachen haben die Luzerner. Seit 2007 deckt Energie Wasser Luzern (EWL) weite Teile der Innenstadt mit einem Gratis-WLAN ab. Die Erfahrungen seien sehr positiv. «Wir haben über 45 000 registrierte Benutzer», sagt die Mediensprecherin. Das Angebot werde mehrheitlich von der einheimischen Bevölkerung genutzt, jeder dritte Zugriff sei von Touristen.

Eine Achterbahnfahrt im Wifi-Postauto

In Zürich hingegen hat nicht drahtloses Internet erste Priorität, sondern ein flächendeckendes Glasfasernetz. «In Sachen WLAN setzen wir auf die Initiativen von privaten Anbietern», sagt Mediensprecherin Renata Huber. Diese würden «so weit möglich und sinnvoll unterstützt». Einen Pilotversuch am Limmatquai stellte ein privates Unternehmen indes wieder ein. «Die Nutzung blieb hinter den Erwartungen zurück», sagt Huber. Es habe sich gezeigt, dass der wirtschaftliche Betrieb durch Sponsorengelder und Marketing-Dienstleistungen nicht möglich sei.

Zürcher fürchten die Strahlen

Beim Zürcher Stadtrat hat das öffentliche WLAN seit Jahren einen schweren Stand. Nebst den Kosten werden auch Strahlenargumente ins Feld geführt. Darob kann man in Luzern nur den Kopf schütteln. Die Sendeleistung einer WLAN-Antenne beträgt laut EWL 100 Milliwatt. Das ist bis zu 20 Mal weniger als beim Handy, das wir täglich an den Kopf halten.

Ein jahrelanges Hickhack um das öffentliche WLAN kennen auch die Berner. Nun soll der Ausbau endlich in die Gänge kommen. Unter Federführung des Netzwerkbetreibers TheNet werden die bereits bestehenden «Bern HotSpots» unter anderem beim Bahnhof, beim Waisenhausplatz und beim Bärenplatz weiter ausgebaut, wie blick.ch schrieb.

Das WLAN-Paradies liegt nicht in der Schweiz

Im Vergleich zu Hotspot-Mekkas im Ausland gleichen Schweizer Städte einer WLAN-Wüste. Im besonders technikbegeisterten Südkorea sind allein in der Hauptstadt Seoul 400 Gratis-Hotspots aktiv. Bis Juni sollen es 600 sein und bis 2015 wird ein flächendeckendes WLAN mit 10 000 Access Points die Zehn-Millionen-Metropole abdecken. Zum Vergleich: Für die ganze Schweiz verzeichnete die Webseite swiss-hotspots.ch im letzten Jahr 652 freie WLAN-Zugänge - wobei vermutlich nicht alle aktiv sind.

Bereits heute sind in Seoul öffentliche Plätze, Restaurants oder Kinos grösstenteils mit Gratis-Internet versorgt. Selbst in der U-Bahn schauen die Südkoreaner seit Jahren dank schneller Internetverbindung Videos auf dem Smartphone.

Nicht nur in asiatischen Metropolen wie Hongkong, Tokio oder Taipeh ziehen sich die Hotspots durch das Häusermeer (siehe Bildstrecke). Auch in Argentinien oder Chile ist freies WLAN weit verbreitet. In Bars und Restaurants in Buenos Aires ist Gratis-Internet eine Selbstverständlichkeit. Auch Estland, der baltische Tiger, hängt die Schweiz ab. In wohl keinem anderen europäischen Land gibt es mehr freies WLAN, sei es auf öffentlichen Plätzen oder in normalen Cafés.

Doch längst nicht nur Schweizer Städte ärgern Touristen und Einwohner als Internet-freie Zonen. Auch Metropolen wie New York, Paris oder Berlin entpuppen sich für Touristen als WLAN-Hölle.

In welchen Städten oder Flughäfen haben Sie gute oder schlechte Erfahrungen mit freiem WLAN gemacht? Verraten Sie uns und den Lesern Ihre Tipps.

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