Aktualisiert 29.04.2008 07:39

Die Schweiz ist polarisiert

Die Polarisierung der Schweizer Politlandschaft ist weit fortgeschritten. Die SVP hat die Sorgen der Wähler mit Abstand am besten getroffen. Die FDP hat gemäss Studie ein Glaubwürdigkeitsproblem bei ihrer Wählerschaft.

Die Polarisierung der Schweizer Politlandschaft ist gemäss der am Dienstag in Bern präsentierten Selects-Studie weit fortgeschritten. Der zeitliche Vergleich zeige, dass es innerhalb des bürgerlichen Lagers in den letzten zwölf Jahren zu einer starken Umgruppierung gekommen sei. So verfügten 1995 CVP, FDP und SVP noch je über einen liberalen und einen konservativen Flügel. Im vergangenen Herbst jedoch wählten jene, die sich rechts einstufen, grossmehrheitlich SVP. «Der rechte Flügel von FDP und CVP ist marginalisiert worden», heisst es in der Analyse.

Der klare Gewinn der SVP im vergangenen Herbst ist laut der Studie kein Zufall und nicht das Resultat einer Mobilisierung kurz vor den Wahlen. Das Fundament des SVP-Wahlerfolges sei bereits sehr viel früher gelegt worden. So war die SVP in der Umfrage vor allem bei jenen übervertreten, die schon immer gewusst haben, wem sie ihre Stimme geben werden. Die SVP habe in den Augen ihrer Wählerschaft die wichtigsten Probleme angesprochen und ihr Potenzial gut mobilisiert, erklärte Selects-Projektleiter Georg Lutz. Zum Erfolg dürfte auch die Fokussierung auf Christoph Blocher beigetragen haben. «Solche, die Christoph Blocher nicht mögen und trotzdem SVP wählen, gibt es eigentlich nicht», heisst es in der Studie.

Dabei hat die SVP vor allem von der FDP Stimmen gewonnen. Gegenüber 2003 deutlich zulegen konnte die Partei bei Personen mit einem Haushaltseinkommen von 3000 bis 5000 Franken sowie mit einer Berufslehre als höchstem Bildungsabschluss. Dort habe die SVP einen Wähleranteil von je 40 Prozent erreicht, heisst es.

Wie bereits bei den Wahlen zuvor gaben die meisten Wählerinnen und Wähler den Bereich Ausländer, Migration und Asyl als wichtigstes Problem an. Eine klare Mehrheit der SVP-Wählerschaft ist der Überzeugung, dass ihre Partei am kompetentesten ist, um das wichtigste Problem zu lösen. Die FDP habe demgegenüber ein Glaubwürdigkeitsproblem, erklärte Lutz. Nur eine Minderheit der FDP-Wählenden fühlt sich mit ihrem Problem bei der eigenen Partei gut aufgehoben. 27 Prozent der FDP-Wähler glauben gar, dass die SVP ihr wichtigstes Problem am besten lösen könnte.

Bei den Grünen gingen die Gewinne vor allem auf Kosten der SP und sind auf die Sorge um Klima und Umwelt zurückzuführen. «Die beiden linken Parteien kämpfen um die gleiche Wählerbasis: die meisten SP-Wählerinnen können sich auch vorstellen, grün zu wählen und umgekehrt», hiess es. Beide Parteien seien zudem klar links positioniert und hätten wenig Ausstrahlung in die Mitte. Auffällig sei auch, dass die Kandidierenden von SP und Grünen klar linker seien als ihre Wählerbasis.

Bei der CVP zeigt sich noch immer eine starke Verankerung in den ehemaligen Hochburgen. Sie kam unter den Katholiken auf einen konstanten Wähleranteil von über 30 Prozent, dafür wählten nur fünf Prozent der Protestanten die CVP.

Die Selects-Studie beruht auf Befragungen von 4392 Stimmberechtigten unmittelbar nach den Wahlen. Das Wahlforschungsprojekt besteht seit 1995 und wird von mehreren politikwissenschaftlichen Instituten von Schweizer Universitäten getragen. (dapd)

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